Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1886)
- Article
- Das Preuß. Judenedikt vom 11. März 1812
- Date
- 1886-04-08
- Page
- 214 (sequence 3)
- Language
- German
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214 würdigere Behandlung der Juden und bedeutet den Sieg der Gerechtigkeit und Humanität, dessen Vollendung allerdings noch der Zukunft Vorbehalten ist. Die Antisemiten im ößemiWM IWsrllth lassen keine Gelegenheit vornbcrgchen, anfreizende Brandreden gegen die Inden in die Welt hinansznschicken. So bei der Börsenstcner, und so auch bei dem Schul-׳ budget. Hier war eS der Abgeordnete Türk, welcher sich dahin vernehmen ließ, ״daß die von dem Unterrichtsminister erwähnte Ueberfüllnng einzelner Universitäten mit Stndirendcn wesentlich durch die sowohl an den Mittelschulen wie auch an den Universitäten, in unverhältnißtnäßig großen Prozentsätzen sich befindenden jüdischen Schüler hcrvorgcrnfen werde. Diese Verhältnisse sind von außerordentlich einschneidender Bedeutung in sozialer, nationaler und wirthschaftlichcr Beziehung. Auf diese Weise kommen wir ja dazu, daß daö Judenthum alle jene Stände, welche eine wissenschaftliche Vorbildung erfordern, als ein Monopol betrachtet, daß eS auf diese Stände die Hand legt und anderen, nicht jüdischen Schülern geradezu versperrt. Wissen ist Macht, das ist wahr, Geld ist auch eine Macht. Die Geldmacht haben die Juden ohnehin in der Hand; wenn wir ihnen auch die Macht des Wissens in die Hand geben und uns die Quellen zur Erlangung des Wissens durch sie versperren lassen, so ist cs am besten, wir abdizircn gänzlich. Die übermäßige Frequenz der medizinischen Fakultät durch die Juden hat aber auch noch andere Konsequenzen. In früheren Jahrhunderten hat sich Wien sehr tapfer gegen die Invasion der Türken vertheidigt, aber gegen die Invasion der Inden vertheidigt sich Wien nicht sehr tapfer, und gegen die Invasion der Juden kann die Stadt Wien auch nicht eine Hülfe an Polen erhoffen, im Gcgcnthcile, von dort kommen die größten Zuzüge. Das hat auch große praktische Konsequenzen; denn dadurch, daß an der medizinischen Fakultät ein so übergroßer Prozentsatz galizischer und ungarischer Inden sich befindet, wird auch eine große Anzahl von Doktoren aus diesem Stande und dieser Nationalität herangebildet. Hat ein galizischer oder ungarischer Jude Lust, in einem Dorfe der Alpen länder als praktischer Arzt sich niederznlasscn? Diese Herren ziehen cs vor, in Wien und in den Großstädten überhaupt zu bleiben, wo eine lohnende Praxis ist. An der Wiener Universität haben sich übrigens nicht nur die Schüler aus der jüdischen Nation in nnverhältnißmäßiger^Weise vermehrt, sondern auch die Professoren. J!n Jahre 1874 befanden sich an der Wiener Universität nur 27 Inden als Professoren, und im Jahre 1886 sind bereits 55 Inden als Professoren angcstellt. Die Negierung sollte doch dafür sorgen, daß die Jaden nicht bevorzugt werden. Wenn jüdische und nichtjüdische Aspiranten um eine Profcssorslelle sich bewerben, so sollte doch, glaube ich. vor allen Anderen der Nichtjude berücksichtigt werden und nicht der Jude, wie es bisher der Fall war. Es würde sich in der Beziehung empfehlen, daß im Wege eines Gesetzes festgesetzt würde, daß die Inden an den Mittelschulen und an den Universitäten nur in einem solchen Prozentsätze zugelasscn werden sollen, in welchem sie in der Bevölkerung vertreten sind." Hierzu bemerkt die ״N. f. Pr." sehr treffend: ״Nach der ersten Verhandlung über die Hochschulen folgte das antisemitische Satyrspiel; Herr Türk zeigte dem Hause, wie teilte über das -Hochschulwesen sprechen, denen das Wissen und das Vcrstandniß abgcht, um sich an solche Fragen heranzuwagen. Herr Türk, der Generalrcdncr gegen die Ansschnßanträge — die AiiLiseniltcn erscheinen in dieser Budget-Debatte ausfallend oft als Generalredner — behandelte das Thema vom rein antisemitischen Standpunkte, daö heißt, er klagte über die Konkurrenz, welche die Juden den Nichtjuden in allen Berufen bereiten, zu welchen man durch die Hochschnlbildung gelaugt, und er verlangte, es möge durch ein Gesetz festgesetzt werden, daß die Juden an den Mittelschulen und an den Universitäten nur in einem solchen Prozentsätze zugelassen werden sollen, in welchem sie in der Bevölkerung vertreten sind. Selbstverständlich fordert Herr Türk gleichzeitig, daß die akademische Earriäre Inden verschlossen sein soll, oder daß zum mindesten bei einer Konkurrenz nichtjüdischer und jüdischer Aspiranten der Nichtjnde berücksichtigt werde. Wem fällt bei dieser hehren Auffassung des wissenschaftlichen Wettstreites nicht das Dichterwort von der Wissenschaft ein״ ׳Einem ist sie die hohe, die himmlische Göttin, dem Andern — eine tüchtige Kuh, die ihn mit Butter versorgt"? Herr Türk, das ist sicher, denkt an die tüchtige Kuh, und seine Sorge ist nur, daß außer ihm unb Seinesgleichen keiner sie melken dürfe. Die Butterkuh mit ausschließlicher Mclkbefugniß ist das Ideal der Antisemiten ans dem wissenschaftlichen wie ans jedem anderen Gebiete; gegen die Inden aber soll das System der Aushungerung in Anwendung gebracht werden. Wendet sich der Jude dem Handel zu, dann zetern die Antisemiten über Ausbeutung; wendet er sich der Börse zu. dann sott diese durch die Börsenstener rninirt werden; nährt er sich kümmerlich als Hausirer, dann fordert mau Beschränkung oder Verbot des Hausir- Handels zum Schutze der christlichen Handelstreibellden; wird der Jude Gewerbetreibender, dann sollen neue Gewerbe-Ordnungen die Konkurrenz unmöglich machen; kauft er Landgüter, dann saugt er das Land aus; wird