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Jeschurun · 1886-03-25 · Heft 12 (25.3.1886) · p. 186

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 12 (25.3.1886)
Article
[Rezension]
Date
1886-03-25
Page
186 (sequence 2)
Language
German
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186 gewählte Verbum קטל, welches der Rezensent einer anderen jüdischen Zeitung als fast einzigen Mangel des besprochenen Werkes zu bezeichnen für gut fand. — Auch das Ziel, welches das Buch sich vor Augen stellt, die Schüler mit dem für unsere Zeit noch Bestehendem und Anwendbaren ans den תרי״כ מצות bekannt zu machen, ist auch nicht prinzipiell durchgeführt. — So findet sich weder im Text noch in der Präparation ein Wort, das zur Erklärung oder Hinweisung auf den איסור גילוח בתער Anlaß gebe. Warum wohl? Ist dies Verbot in unserer Zeit auch nicht verbindlich, oder hält eS der Herr Verfasser auch für ein ״Opfer", daß es in den! ohnehin so schlecht weggckommenen תורה בחגי ס keinen Platz sin den durste? Dieses einzige Beispiel dürfte genügen, allen Jenen, die sich mit den! Religionsunterrichte zu befassen haben, die Augen zu öffnen, daß sie sich nicht von der sonst typisch schöueit Ausstattung und bequemen Ucbersctzung des Buches bestechen lassen, sondern laut gegen die Einführung desselben protcstircn, so -daß die Pentateuch-׳ Ausgabe des Herrn Di׳. Soudheimcr auch dessen alleiniges Eigenthum sein und bleiben möge. KurresMldeiizei! itttb Nachrichten. Deutschland. # Hannover, 2:3. März. Am l 7. d. M. entschlief in Berlin Di'. Leopold Zunz im hohen Alccr von fast vollendeten zwciundneunzig Jahren. Wenn einerseits nicht verkannt werden darf, daß der Verbliebeue mit seiner bedeutenden Gelehrsamkeit und umfassenden schriftstellerischen Wirksamkeit den destruktiven Ideen der Reform Vorschub geleistet hat, so darf auch nicht verschwiegen werden, daß er den ausschweifenden Bestrebungen eines Geiger und Holdheim entgegengetreten ist. So wehrte er entschieden der gcplantcn Beseitigung der Milah und stand für die Heilighaltung des Tcsilliu-Gebots ein, wodurch er sich der Zurecht Weisung seines Freundes Abraham Geiger aussetzte. Wie ans den verösfentlichten Briefen des Letzten hervorgeht, warf dieser ihm auch vor, daß er (Zunz) dem Vernehmen nach ״mit einem Male eine streng koschere Wirthschaft und was daran hängt" cingeführr Hütte. In dem Antwortschreiben, welches Zunz (4. Mai 3 840) an Geiger hierauf richtete, sprach er sich kur; und schneidig 11. A. dahin aus: ״Uns müssen wir reformiren, nicht die Religion. Bestehende Mißbräuche, nach Außen wie im Innern, haben wir auzugreifeu, nicht ein ererbtes Heiligthum. Das Geschrei gegen Talmud ist bereits die Stellung der Apostaten. Sic sehen, ich stimme weder mit Holdhcim, noch mit den beiden Stern; vielleicht auch nicht mit Ihnen, lieber, das ganze oder zerbrochene Israel hatten wir schon vor sechs Jahren mündlich gestritten; daß die Zeitrichtungcn diese Divergenz schärfer gezeichnet und in den Vordergrund gestellt — dafür können weder Sie noch ich. Man bedaure mich, aber wer mich verdächtigt, ist selber ein Lump." Zun; fungirtc eine Zeit lang, Anfang der zwanziger Jahre, als Prediger an der ״Neuen Synagoge", später als Direktor der Berliner jüdischen Gemeiudeschule und des Lehrerseminars. Er war auch Mitglied der vom Ministerium eingesetzten Kommission für Regelung des Schulwesens in Preußen. -n- Berlin, 18. März. Der Stellvertreter des Neichokanzlers hat dem deutschen Bundesrathc den Entwurf eines Gesetzes über den Verkehr mit Kunstbutter vorgelegt. Indem wir uns die Mittheiluug des Wortlautes bis dahin Vorbehalten, daß derselbe vom Bundesrathc festgestcllt sein wird, bemerken wir für jetzt nur, daß als Kuustbutter diejenigen zum menschlichen Genüsse bestimmten, der Milchbutter ahnlichen Zubereitungen angesehen werden sotten, deren Fettgehalt nicht ausschließlieh der Milch entstammt. Der Entwurf sieht eine in die Augen fallende Kenn׳ Zeichnung der Verkaussstellen von Kuustbutter, sowie der Gefäße und äußeren llmhüllnngcn, in welchen Kuustbutter gewerbsmäßig verkauft oder feilgchalteu wird, bezw. der in den Detailverkcyr kommenden ein׳- zelueu Kunstbutterstücke vor. Letztere sollen ohnedies rechteckiger Form sein. — So theilen die ״Veröffeutlichungen des kaiserlichen Gesundheitsamtes" vom 15. Mär; d. I. mit. Es scheint uns diese Veröjfentlichung nicht unwichtig zu sein. Es ist wohl Jedermann genugsam bekannt, mit ivclchen Schivierigfeiten eine jüdische Haushaltung heutzutage zu kämpfen hat, um nürklich sicher zu sein, פ*כ1 ד ^öntter;11 bekommen. Haben doch nur die wenigsten jüdischen Gemeinden Einrichtungen, vermöge deren Jeder im Stande ist, sich wirkliche 12'2-Butter zu verschaffen. Es iväre deshalb auch vom jüdisch-religiösen Standpunkte mit Freuden zu begrüßen, wenn vom Bundesrathc in dem oben angedeuteten Sinne die Regelung des Verkaufes von Kuustbutter angeordnet würde. 0. Berlin, 2!. März. Wir haben in der Aera des Antisemitisinus die Pflicht, jede Aeußeruug zu registriren, welche von angesehener Stelle gegen die Judeuhetze und für Toleranz und Humanität in die Oeffentlichkeit dringt. Aus dem vorgestrigen Vortrag deS Herrn Superintendent Bogenhard aus Blanken- Hain in dem ״Berliner Uuious Verein" nehmen wir von folgendem PassuS gern Notiz: ״Der Staat allein ist ein christlicher, der das Recht der Individualität, den Werth der Persönlichkeit schätzt, der die Ehe beschützt

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