Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1886)
- Article
- Antisemitische Gefühlsduselei oder Geschäft?
- Date
- 1886-03-25
- Page
- 182 (sequence 3)
- Language
- German
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182 Direktor der königl. Thierarzncischulc in Berlin; Han- I nover, Professor in Kopenhagen; Nückel, Wundarzt j in London; Noll, Professor und Direktor der Thierj arzncischulc in Wien, und noch vielen Anderen.! Gegenüber der Behauptung des Herrn v. d. H.,! ״der Todcskamps dauere zuweilen zehn Minuten", will! ich hier nur die Worte des Herrn Di׳. Hcrtwig, | Professor an der königlichen Thierarzncischulc, Mcdi-! zinalrath und Departcmcutsthicrarzt in Berlin (Gut-! achten vom 25. Februar!875) anführen: ..Unmittelbar! nach den Dnrchschneidnng der Blutgefäße am Halse! strömt das Blut mit solcher Kraft und in solcher! Menge aus denselben, daß ein Ochs oder eine Kuh binnen dreißig Sekunden l 5 — 18 Pfund Blut verliert und! innerhalb anderthalb bis zwei Minuten sich verblutet hat. Bei einem Verluste von Hi—20 Pfund Blut tritt bereits völlige Bewußtlosigkeit ein, wie ich zu wiederholten Malen mit der Uhr in der Hand beim Schächten untersucht habe. Die Bewußtlosigkeit äußert sich durch Unempfindlichkeit gegen Stechen mit Nadeln n. s. w., sowohl an der Wunde am Halse, wie auch an den übrigen Körperstcllen. Der Tod erfolgt durch Verbluten gewöhnlich in nicht länger als zwei Minuten, und das Fleisch ist dann vollkommen ausgcblutet und deshalb zum Konscrviren sehr geeignet. — Da Herr v. d. H. viel von französischen Zuständen spricht, so will ich hier noch Einiges mittheileu aus einem Berichte des Herrn H. Bautet). General ׳Inspektor der Thierarzneischulen in Frankreich. Auf die au ihn gerichlete Frage, ob das Schlachten nad) den mosaischen Bor׳ schriften gegen die Humanität sündige, sagt er wörtlich: ״Ich zögere keinen Augenblick, diese Frage verneinend zu beantworten; der Tod durch raschen Blutverlust, wie ihn das Schlachten nach mosaischer Borschrist hcrbeiführt, hat nichts besonders Grausames. Mit dem Blute verliert das Thier zugleich das Gefühl." —- Die Worte des Herrn v. d. H. ״und die Faßlichkeit sür's Gefühl blcjbt bestehen, während auch noch Blutzufluß nach dem 'Gehirn stattsiudcl und dadurch Fortdaucr des Bewußtseins" wird man säst komisch finden, wenn man die Worte des weltberühmten Dubais- Neymond vom 14. Januar 1885 ihnen gegenüberstellt: ״Als Physiologe möchte ich darauf aufmerksam machen, daß die Zuckungen des verblutenden Thiercs, welche dem Laien wie verzweifelte Aeußerungen von Angst und Schmer; erscheinen, vermuthlich gerade das Zeichen des geschwundenen Bewußtseins sind. Sic haben jo sehr den Charakter der Zuckungen bei Epilepsie, daß sie seit einer berühmten Arbeit von Kußmaul und Tenn er schlechthin als die Epileptieformcn und fallsuchtähnlichen Zuckungen beim Verbluten bezeichnet werden. Da nun der Verlust des Bewußtseins beinahe für das wesentlichste Symptom der Epilepsie gelten kann, sind auch jene Zuckungen wahrscheinlich stets von Bewußtlosigkeit begleitet." Wer sich sonst noch der Mühe unterziehen׳ will, die Meinungen von Fachmännern (52 Gutachten, gcsammdt in dem Werke von Di׳. Ehrmann: Thierschutz und M cnsch cn l r u tz, Frankfurt a. M.!685) nachzulesen, wird cinftimmen in die Worte des königlichen Deparlcments ׳ Thierarztes und Veterinär - Assessors E. Müller, Stettin, 18. Februar 1885: ״Es ist keine Schlachtmethode vorhanden, welche, wie das ritual ausgeführtc Schächten, so schnell Bewußtlosigkeit mit sehr geringen momentan vorübergehenden Schmerzen bei ordnungsmäßiger Ausblutuug bei Schlachtthieren bewirkt. Ich kann daher den Schächten von Schlachtthieren in Bezug aus Sicherheit der Ausführung und relative Schmerzlosigkeit für Schlachtthiere vor jeder anderen Schlachtmetbode den Vorzug ciuräumen." Rotterdam, 12. März 1886. ' Di׳. Bernhard Ritter." Unit-elii iigen. von Friedrich N o t t. (Fortsetzung.) Nachdem sic durch einen Diener die Depesche au den Sauitätsrath halte befördern lassen, begab sic sich zu ihrer Mutter. Frau von Merten befand sich 1 eibenber als seit her, den ganzen Tag über wagte Bella nicht, das Schmerzenslager der Mutter zu verlassen. Erst gegen Abend, als die Kranke schlummerte, schlich sie hinauf. Leise klopfte sic an ihres Verlobten Thür, doch als sie keine Aufforderung cinzutreten vernahm, öffnete sie geräuschlos und trat ein. Herr von Mühler saß an seinem Schreibtisch, den Kops auf die linke Hand gestützt, in der rechten die Feder. Bei Bellas Eintritt fuhr er erschreckt zusammen. ״Bella, um Gottcswillen, was willst Du hier'?" ״Mich nach Deinem Besiudcu erkundigen," versetzte sie näher tretend, ״wie geht es Dir, Martin?" . * ״Ich danke Dir, gut — ganz gut — das heißt besser." ״Das heißt gar nicht gut," erwiderte sic schmerzlich lächelnd. ״Doch, doch, mir geht eS gut/׳ sagte er zerstreut., ״Wie geht cs Mama?" ״Jetzt schläft sie, aber den Tag über hat sie sehr gelitten. Ach, Martin, ich bin Dir sehr dankbar für Deinen Nath, dem Sauitätsrath zu telegraphiren. Ich habe bereits Antwort erhalten, er wird noch in dieser Nacht abrcisen und übermorgen hier sein.''