Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1886)
- Article
- Antisemitische Gefühlsduselei oder Geschäft?
- Date
- 1886-03-25
- Page
- 181 (sequence 2)
- Language
- German
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allerdings nur insoweit die Schechitah dabei in! Betracht kommt; das edle Iagdvergnügen hochgeborener I Herren läßt die zartbesaitete antisemitische Brust kalt. So in dem!nächtigen Staate der Denker, so im sogenannten freien Schwcizerlandc. Und da soll mm unser gesegnetes, unter dem wärmenden Strahle der Frcihcitssonne erblühendes Holland utriiefbleiben? Ein Herr I. (5. v. d. H. in Beanlieu glaubte diese Frage verneinen zu sollen und, dem erleuchteten Gedanken die edle That folgen lassend, setzte er sich hin und schrieb ein ״Eingesandt" an den ״Nicnwc Notlerdamjchc Courant" über die Bruneau'sche Schlachtrnaske, wie diese Methode die einzig humane u. s. w. sei, einen langen Artikel, der die Bermnthnng nicht ungerechtfertigt erscheinen läßt, daß der Schrcibcr der Agent für den Verkauf der genannten Schlachtmaske sei. Nun würde uns das wenig stören, aber Herr v. d. H. glaubte, auch der Schechitah Eins versetzen zu müssen, und dazu benutzte er das bekannte Danwcrkcr'schc Pamphlet. Doch Herrn v. d. H. ist das Handwerk gründlich gelegt worden. Unser verehrter Herr Oberrabbiner richtete das folgende Schreiben an den ״Nicuwe Notterdamsche Eonrant", das derselbe in seiner neuesten Ausgabe zum Abdruck bringt; ich theilc cs in Ucbcrsetzung mit: ״Herr Redakteur! Der Schluß des Aufsatzes in Nr. 70 Ihres geschätzten Blattes veranlaßt mich zu folgenden Benierknngen, für die ich mir ein bescheidenes Plätzchen erbitte. Es leitet mich hierbei nicht etwa der Gedanke, daß in der ans seine Glaubensfreiheit mit Recht stolzen Niederlande sentimentale Thierschonung zur Menschcltgnälcrei führen könnte, sondern nur der Wunsch, eine Jahrtausende alte Religionsvorschrist vor Mißkennung und falscher Beurtheilnng zu schützen. Der Herr I. E. v. d. H. stellt allcrdingt selbst das hohe Alter dieser Vorschrift in Abrede, lind behauptet, die bei den Israeliten übliche Weise des Schlachtcns sei nicht, nrosaischcll Ursprunges; er scheint das, wie übrigens Alles, was er sollst voll der Schechitah sagt, seineill Gewährsmannc Ballwcrker nachzusprecheu, der aber in dieser Beziehung sich mit den größten Physiologen und Thierärzten Europas in Widerspruch bcfilldct. Herr v. d. H. wird cs uns hossclrtlich nicht übelnehmen, wenn lvir und ich spreche da im Namen aller urtheilsfähigen Juden — behaupten, die mosaischen Gesetze besser zu kennen als er und seine Gewährsmänner, und wenn er behanptct, ״daß in letzter Zeit verschiedene Rabbiner und israelitische Theologen öffentlich aufgctreten sind, zu beweisen, daß das mosaische Gesetz. die bei ihren Gkaubensgcnosscn gebrülichliche Schlachtwcisc nicht vorgeschrieben habe" — so dürfte es ihm recht schwer fallen, diese Behauptung zu beweisen. Wir wollen ihm dabei jedoch ein wenig zu Hülfe fommen. Ein dunkler j Stern, ehemals Rabbiner eines württembergischen! Dorfes — dessen Fähigkeit und Würdigkeit dadurch! charaktcrisirt werden, daß er durch die königl. württcm- - bergische Ncgicrling seines Amtes entsetzt wurde —, und ein Herr Schreiber, bekannt unter dem Ehrennamcil ״Abschreiber", der!lach dreijähriger Wirksamkeit als Rabbiner in der sehr freien Gemeinde in Bonn seines Amtes entsetzt, in Delitschland keine Anstellung finden konnte und deshalb nach Amerika zog, dürften die einzigen Gewährsmänner des Herrn Banwerker sein. Was deren Urthcil gegenüber dem von Tausenden Gelehrter und würdiger Rabbiner bedeutet, kann Jeder leicht ermessen. In der That ist auch das Schächten durchaus nicht im Widerspruche mit dem Geiste der Humanität, durch den das alte Testament sich anSzeichnet; cs ist durchaus keine Thicrglläierci, geschweige denn ״die gransanlstc Schlachtwe'ise, die besteht", wie Herr v. d. H. behauptet. — Was zunächst die Borbereitllngen betrifft, so will ich Herrn v. d. H. nur das Eine inittheilen, daß das Nicderwerfcn in jedem Falle so vorsichtig geschehen muß, daß eine innere oder äußere Verletzung (Bein- oder Schenkclbruch u. s. w.) verhütet werden muß, widrigenfalls das Thier znm Gebrauch für Israeliten nicht!nchr erlaubt wird. Und werden denn, so gestatte ich mir Herrn v. d. H. zu fragen, nicht auch Thicrc zu Operatious- und Heilzwecken niede! geworfen? Außerdem werden alle MelHoden des Hinwcrfens, welche die Sch!ncr;en und Unbequemlichkeiten der Thiere verringern, von den Israeliten dankbar angenommen werden, und cs wird Herrn v. d. H. sicher intcressiren zu erfahren, daß in Hannover und in Wien die Gewohnheit besteht, die Thiere auf einen Strohsack oder ein Polster niederzulcgcn. Neuerdings hat der Thierarzt Zecha, Marktdirektor in Wien, einen höchst einfachen Apparat konstrnirt, bei dessen Anwendung das Thier überhaupt nicht mehr niedergeworfcn. sondern .ganz behutsam nieder gelegt wird. Diese Zecha'schc Legemcthode wird auch im ״Gencratbericht des!X. Internationalen Thierschntz-Kongresses" lobend erwähnt. Wenn die Art des Nicderwerfclis der Thicrc, wie sie Herr v. d. H. gesehen, ihm grausam vorgckoinmcn ist, so ist das nicht ein Ausfluß der mosaischcn Schlachtgcsctze, und cs ist einfach Sache der Sanitätskommifsion, in den städtischen Schlachthäusern eine möglichst leichte Art des Segens cinznsühren. Was nun das Schlachten selbst betrifft, so stellt Herr v. d. H. Behauptungen ans, die er unmöglich lvird beweisen können, und deren Gegcntheil behauptet wird von: B o n l cy, General-Inspektor der Thierarzneischulen Frankreichs; Du b ois-Reym on d, Professor der Physiologie an der Universität in Berlin; Ercolani, Professor an der Universität in Bologna; Ger lach,