Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1886)
- Article
- Zum Purimfeste
- Date
- 1886-03-18
- Page
- 163 (sequence 3)
- Language
- German
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163 so sehnlichst solches auch von dem Hasse gewünscht werden möchte. Es blieb und bleibt der Judcnfeindschaft nichts Anderes übrig, als die Aufwiegelung der Massen, die Entfesselung der Pöbclleidcnschast und der Beutelust. Der König beugte sich vor der höhern staatSmänuischcn Weisheit seines Ministers, welcher nunmehr nur noch den Erweis der HasseuSwürdigkeit der Juden lind der Unbedenklichkeit der Pöbelaufhetzung zu führen hatte. Und da fehlt nichts in dem Haman'schen Bor-״ trage, was nicht seitdem getreulich von seinen Epigonen kopirt worden ist. Der Inden Sondcrwcsen in Essen und Trinken und Eheschließung, darum der Juden angeblicher Hochmuth und StaatSgcfährlichkeit u. s. w. u. s. w.- Der verruchte Anschlag Haman'S ist zu Nichte geworden. Schon bevor er zur Reife gelangte, hatte Gottes Waltnng den Weg zur Hülfe gefügt: אהר הדברים :אמר רבא אהר שברא הקב״ה רפואה למכה האלה, Hanian konnte seinen BernichtungSplan nicht früher hegen, als bereits die Hülfe vorbereitet war. Und das ist die andere Seite der Erfahrung der jüdischen Geschichte. Wer in der Entwickelung der Ereignisse die leitende und lenkende Hand Gottes zu erkennen vermag, der wird die tiefe Wahrheit dieses alten Ausspruchs bewundern. Nicht umsonst haben Mardochai und Ester die Feier der Purimtage äugeordnet, und nicht umsonst hat das dankbare Volk diese EriunerungSfcicr als heiliges Gelöbniß übernommen, ״daß deren Angedenken nimmer weiche von seinen Nachkommen." In der Mcgilla ist der GolteSname nicht enthalten, dennoch aber gewahrt Israel in jeder einzelnen Phase der Begebenheit die allmächtig waltende Borschimg Gottes, und unsere alten Meister haben uns רמזים anzugeben gewußt, aus welchen diese nnsichtbar lenkende allmächtige Hand ersichtlich ist. Ebenso gewahrt das gewöhnliche Auge nicht den GotteSsingcr in den Gängen der Geschichte, das erleuchtete aber gewahrt seine Spuren und ist des steten Schutzes und Schirmes,Gottes gewiß. Darum findet der Jude die Heiterkeit und die Sicherheit mitten in dem trübsten Geschicke. Der Purim hat Israel die unerschütterlichste Zuverficht auf Gottes allmächtigen Beistand gebracht mitten in der traurigsten Umgebung. Die Ghetti wurden zur Stätte der ungetrübtesten Freude. Und darum wissen wir auch heute noch Purim zu begehen in Wonne und Jubel; das רבת צררוני מנעורי ift freilich eine Wahrheit auch in der Gegenwart, aber das ם לא יבלו לי) nicht minder! Der Kaiiipf gegen das McilllM. (Schluß.) Er. Ko pp führt den Beweis durch nicht-hebräische, und hebräische Texte. Rohling hatte behauptet, daß der Bischof von Lyon, AgobarduS, das jüdische ״Blutritual" und ״die älteren Thatsachen bis zum achten Jahrhundert" in seinen Werken: <16 insolentia Judaeorum und de Judaicis superstitionibus mitgctheilt habe. Das Landesgericht bestellte auf Vorschlag der philosophischen Fakultät den Professor Dr. Franz Weihri ch in Wien hierüber zum Sachverständigen. Wcihrich konstatirtc: ״in den beiden genannten Schriften ist keine Thatsache angeführt oder den Juden zur Last gelegt, welche als ritueller Mord auSgclcgt werden könnte." Rohling hatte sich für die gleiche Behauptung auf Paolo Medici'S Riti e costumi deg־li Ebrei cap. 26 berufen. Durch den beeideten Dolinctsch Er. Leone Roncali ist dieses Kapitel übersetzt und festgestellt worden, daß auch nicht der entfernteste Anhalts- Punkt der Nohling'schen Behauptung darin zu finden ist. Ferner hatte Rohling sich auf den ״Exrabbi Moldavo" bezogen, der in einem Buche ״alle Geheimnisse des Blutpascha der Inden enthüllt" habe. Er behauptete, dieses Buch sei bei Seite geschasst, aber von Achille Laurent in seinen! Werke Relation liistoriqiie des affaires de Syrie depuis 1840—1842 etc. einverleibt worden. ES wird nachgewiesen, daß der ״Exrabbi Moldavo" nur in der Lügcnphantasie Rohlings existirt. Sodann berief er sich zum gleichen Zwecke auf einen Rabbi Mendel in Kossow, der ein ״in einigen zwanzig Auflagen" erschienenes Werk ״Gau Naul" geschrieben habe, in welchem er .,dafür kämpft", daß man Christenblnt in Mazze geben soll. Das Buch selbst hat Rohling freilich nicht anftreiben können. Es ist konstatirt, daß in Kossow ein Rabbiner Mendel Hager allerdings gelebt hat, der auch ein Buch ״Ahawath Schalom" geschrieben, worin aber nichts von den Schändlichkeiten zu lesen ist. Rohling führt auch einen ״Großrabbi" von Lyon, Namens Auguste FabinS, an, der eine Sehaudpredigt gegen das Christenthum im Jahre l 842 gehalten habe. Das Lyoner Gericht hat aber eruirt, daß ein Fabius niemals als ein Angestellter der israelitischen Gemeinde daselbst existirt habe. ES gab einen Stickwaarenfabrikant dieses Namens, der eine Brochürc geschrieben hatte, von der man aber in Lyon nichts wisse. In derselben ist aber nach genauer Konstatirung nicht das mindeste Feindselige gegen Christen ausgesprochen. Rohling behauptete, daß von dem Professor Tychsen ״beim Kammergerichte zu Berlin vom Jahre 1787 ein Gutachten läge, wodurch er die jüdische Be- Handlung der Christen als Götzendiener u. s. w. bezeugt." Es ist evident erwiesen, daß ein solches Gutachten nicht existirt, wohl aber eines, das den ganz entgegengesetzten Inhalt hat. Rohling hatte Herrn Er. August Wünsche zu