Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1886)
- Article
- Aus der Amsterdamer Gemeinde
- Date
- 1886-03-10
- Page
- 150 (sequence 3)
- Language
- German
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150 Antheil kostet 1.16 fl. (1.80 fl.). Hierfür würden sie, an die Armen kräftige ״ökonomische" Suppe aiuMIjcilcu. Jeder erhielt für seinen Aniheil Marken, um während der zwölf Wochen des Winters zwein!al wöchentlich den Arinen Suppe verschaffen zu können. Die EinzcichnnngS listen wurden unter die Christen durch die Bicrtclmcister verthcilt, unter die Juden geschah cS, auf Ersuchen der Koulmissivu, durch die Gemeindedicncr, welche auch die gezeichneten Beiträge erhoben. Diese Zeichnungen brachten in hiesiger Stadt viel Geld auf. Und da Juden von der Suppe nichts genießen dürfen, wird die Kommission dafür sorgen, daß unter die armen Inden etwas inehr Geld verthcilt werde, Ferner ließen Parnass!m in allen Synagogen abkündigen: In Anbetracht, daß die Armuth stets mehr zunimmt, die Einkünfte der Armenkasse täglich weniger werden und täglich weniger Fleisch in der Flcischhalle verkauft wird, wodurch die vornehmlichste Quelle für den Unterhalt der Armen verstopft ist, thun Parnassim zu wisse»!, daß sie an alle Gemeindcglieder Einzeich- »nlugSbiltetö senden werden, in der Erwartung, daß ein Jeder sich die gegenwärtigen Zustände zu -Herzen nehmen unb reichlich für die Armen zeichnen werde. — Diese Aufforderung hat ein ansehnliches Kapital auf gebracht, so daß Parnassim die reguläre Vcrthcilnng na die Arulcn vornehmen konnten. (Fortsetzung folgt.) W11 n 11 f I 11110 f n. voll mu’bnd) R ütt. (Jlail)bnul uciluUcti.) (Forlsctzung.) Und ohne die Erlaubnis; abznwarten, hatte sie rasch sämmtlichc Flügel geschlossen. Dann ließ sie den GaSlüstre hernieder uiid entzündete die Gasflammen. Ihre Bewegungen waren leicht und voll Anmnth, die Augen sowohl der Mutier als des jungen MamicS folgten ihnen bewundernd. ״Ich bedauere, gnädige Frau, daß Sie sich um meinetwillen der so angenehmen frischen i11׳ft berauben, mir würde cs nicht einmal schaden." ״Nein, nein, Herr von Mühle»׳, Bella hat recht. Sie hat nun einmal Ihre Pflege übernommen und ist daher verpflichtet, Alles zu entfernen, was Ihnen schädlich sein könnte." ״Gnädige Frau — so viel Güte Ihrerseits — so viel Ausopfernng von Seiten des gnädigen Fräuleins. — Ich bin beschämt — ich weiß in der Thal nicht —" ./Was Sie sagen sollen," ergänzte Bella muthwillig. ״Nun, da ist eS das Allerbeste, Sie schweigen. Sic wissen ohnehin, daß mir nichts mehr zuwider ist, als »venu Sie, wie daS von Zeit geschieht, in eine Art von DankbarkeitSparoxlSnmZ verfallen. Da ge» fallen Sie mir gar nicht, mein Herr. Und da Sie doch behaupten, sich mir verpflichtet zu fühlen, so sollten Sie sich doch »venigstcnS bemühen, mir immer zu gefallen." ״Es »vird mein stetes Streben, das unablässige—" ״Und so weitcr, und so weiter, Herr von Mühler, Bitte, verderben Sie mir den schönen Abend nicht Ach, Mama, wenn Du »vüßtcst, wie glücklich ich bin. daß Frau Doktor Wicfcnhcin —" Frau von Merten »vünschtc jedoch dieses Thema in (Gegenwart ihres GasteS nicht »veiter zu besprechen. ״Sic haben heute Nachrichten ans Ihrer Heimath erhalten," wandte sie sich an den jungen Mann, ״hoffent׳ lich nur erfreuliche." Eine leichte Nöthe überzog die bleichen Wangen des Rekonvaleszenten. ״Die Nachrichicn, die ich heute erhalten, sind leider wenig erfreulich. Der Prozeß, dessen ich vor einigen Tagen erwähnte, naht noch immer nicht der Entscheidung. Jntriguen hänfen sich auf Jntriguen." ״WaS kümmert Sic der leidige Prozeß!" siel Bella ein. ״Ach. das Gold ist nur Chimäre!" fuhr sie trillernd fort. ״So spricht die reiche, junge Erbin," erwiderte Herr von Mühler mit schmerzlichem lächeln, ״doch ich erlaube mir einen bescheidenen Zweifel, ob' selbst bei Ihrem starken Geist, gnädiges Fräuleinder Humor Stich halten würde, wenn, wie dieses bei mir der Fall ist, Ihr väterliches Erbe in Frage gestellt lvürc." ״Den Zweifel will ich Ihnen mit Nichten gestatten, denn »venu man einen gesrinden Kopf und zwei gesunde Hände und Arme hat, so darf man den Muth nicht sinken lassen. Aber cs thnt mir aufrichtig leid, daß Sie sich die Sache so sehr zu Herzen nehmen." ״Sie haben Recht, gnädiges Fräulein, ich will mich bemühen, nicht iveiter daran zu denken. Doch die Heimath ist mir verleidet, so lange der Prozeß nicht entschieden ist. Ich beabsichtige daher, der Ansforderrtng eines Freundes zu entsprechen und ihn zun» Winter nach dem Süden zu begleiten." ״Daran werden Sie wohl thun," stimn»tc Frau von Merten bei, ״der Arzt sprach erst kürzlich davon, Ihnen »vahrend der strengeren Jahreszeit ein milderes Klima zu empfehlen." ״Also einen Freund »vollen Sie nach dem Süden bcgleilcn," wiederholtem Bella; ihr schien dieser Plan in» höchsten Grade zu mißfallen. Sie blickte von ihrer Mutter aus Herrn von Mühler und von diesen» »viedcrum auf ihre Mntter. ״Hattest Du nicht auch die Absicht, Mama, den Winter in Italien zuzubringcn'?"