Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1886)
- Article
- Die Begeisterung für das Judenthum
- Date
- 1886-02-25
- Page
- 114 (sequence 2)
- Language
- German
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114 gebmig umhören, wie häufig vernehmen wir da die Versicherung, daß Dieser oder Jener sich seiner Begcisterung'für das Judenthum rühmt. Wir werden dann oft verwundert aufschauen, weil diese angebliche Begeisterung mit der nüchternen, berechnenden, flachen Klugheit Desjenigen, von welchem dieselbe versichert wird, wenig harmonirt. Ja, wir werden oft einer solchen Bcthcuerung gegenüber uns das Lebensbild des angeblich für das Judenthum Begeisterten vergegenwartigen und gewahren, daß dieses wenig Spuren von dem Judcnthum aufzuweisen hat. Da steht ein Rabbiner auf b£r Kanzel und spricht von der Begeisterung für das Judenthum, da stoßen wir auf einen Schriftsteller, der schreibt von seiner Begeisterung für das Judenthum, da tritt ein Gemeindevorsteher an uns heran und betheuert uns seine Begeisterung für das Judcnthum. Der Rabbiner aber giebt das Gesetz deS Judenthums preis und sanktionirt dessen Uebertretung, sobald seine Gemeinde erustlichst mit seiner Entlassung droht; der Schriftsteller leugnet die Grundwahrheiten des Judenthums und verbreitet durch seine Schriften die Lüge über das Judenthum; der Gemeindevorsteher denkt gar nicht daran, das jüdische Gesetz im häuslichen und in! geschäftlichen Leben zu erfüllen. Sind diese Männer für das Jndenthum begeistert, ist ihre Begeisterung eine ächte, begeistern sie sich für die Wahrheit? Ist das die wahrhaftige, wirkliche, für das Gute und Wahre glühende Begeisterung? Eine Begeisterung, die keiner Opfer fähig ist, die der Lüge dient?? Der dieswöchentliche Thoraabschnitt führt uns ein Beispiel achter Begeisterung für das Jndenthum vor die Augen. Es galt das Heiligthum zu errichten. Die Begeisterung deö in der Wüste weilenden Volkes hat es errichtet. Alle, Männer und Frauen, wollten dazu Mitwirken. ״ ,בל נדיב לבAlle, vom Herzen getrieben/' Alle kamen mit ihrer Leistung, ein Jeglicher nach Maßgäbe seines Könnens, להביא לכל המלאכה אישר צוה ד׳ ״ י,ל<יש1ת ביד מיטהbeizutragen zu dem ganzen Werke, welches Gott durch MoseS zu errichten geboten hatte", eingedenk der an sic ergangenen göttlichen Aufforderung: ״Sie sotten Mir ein HeUigthum schaffen, so werde Ich unter ihnen wohnen — ganz so wie Ich dir die Gestaltung der Wohnung und die Gestaltung aller ihrer Geräthe zeige." Nur daö ist die wahre Begeisterung für das Juden-- thum, welche in freudiger Opserwittigkeit an dem Werke nüninift, das Gott errichtet haben will, ganz so wie Er es geboten. Nur bas ist die reine, heilige Flamme der Begeisterung, die des Menschen Herz bewegt, den Witten GottcS zu erfüllen. Jede andere Begeisterung ist ein איש?רה. eine falsche, unheilige, wahnerfüllte und Trug schaffende. Wir sind in Täuschung oder Jrrthum befangen, wir wenn wähnen, für das Judenthum begeistert zu sein, aber zu schwach sind, dem Jndenthum unser Hab und Gut, unsere Begierden und Neigungen, unfern zeitlichen Vortheil und unfern irdischen Genuß zum Opfer zu bringen, wenn wir zu stolz sind, uns vor dem Gesetze zu beugen. Wir erheben uns dann nicht über das Niedere und Gemeine, sondern ziehen das Göttliche und Erhabene in den Bereich des Niedern und Irdischen. Wir täuschen uns und verkehren die Wahrheit in Lüge, wenn wir uns eine Begeisterung für das Juden- .thum einreden, so wir nicht in Wirklichkeit das Judenthum unser Höchstes und Heiligstes, das einzig Be« stimmende für unser Denken, Empfinden und Thun sein lassen, so wir vermeinen, an Stelle des uns von Gott Gebotenen oder neben demselben ein Anderes setzen zu können, so wir uns ein anderes Ideal schaffen. Nicht unser ist cs, uns ein solches zu erklügeln und Veranstaltungen zu treffen, welche den Ausdruck der Wahrheit zu bilden bestimmt sind. Gott hat uns seinen Willen geoffcnbart und das Symbol uns gezeigt, welches zu uns reden soll, dessen inniges Verständniß uns zur Verwirklichung Seines Willens auf Erden in Wahrheit begeistert. Daß Gott in unserer Mitte weile, Sein Wille unser Leben regele, daS ist das höchste Ideal. Für dieses haben wir uns zu begeistern. Dann begleitet uns die Wolkcnsäule Seiner Gnade an jeglichem Tage, dann leuchtet uns Sein Licht in der Nacht, dann zieht er mit uns ans allen unseren Wanderungen, dann erfüllt Seine Herrlichkeit jede Stätte unseres WeilcnS, dann ist Er uns nahe und führt uns hin zu dem Ziele, das Israel geschaut,׳ als cs jenen unsterblichen Sang in heiliger, wahrer Begeisterung an des Meeres Gestade angestimmt: תביאמו ותטעמו בהר ״ נחלתךDu bringst sie heim, du pflanzest sic ein in das Gebirge deines Erbes, die für dein Weilen bereite Stätte, die, Gott, Du erwählt, das Heiligthum, Gott, das Deine Hände gegründet." — — Daß doch diese Begeisterung uns Alle wiederum erfasse, daß doch für dieses Ziel unsere Seele erglühe, daß doch in unserer Seele der Entschluß reise: Gott zu dienen mit ganzem Herzen, mit jeglicher Kraft und Anlage, daß wir doch in Wahrheit für das Jndenthum uns Alle begeisterten!- Das Dttusj.WmkMj uoiu Il.Mrz 1812. (Fortsetzung.) Es ist noch der ursprüngliche mit zahlreichen Korrekturcn und Abänderungen von verschiedenen Händen versehene Entwurf vorhanden, welchen der Minister Herr v. Schrotter auf Grund des Brand'schen aus-