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Jeschurun · 1886-02-11 · Heft 6 (11.2.1886) · p. 90

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 6 (11.2.1886)
Article
Aus dem Treiben der "Mission"
Date
1886-02-11
Page
90 (sequence 2)
Language
German
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antworten" läßt dieser Schlauberger in den Londoner MissionSkreiscn über sich verbreiten: ״Die letzte Woche des September war gekommen, nnd am 1. Oktober mußte er eine große Summe an Gehältern seinen Missionären zahlen. Der in lausender Rechnung vorräthige Betrag war vollständig unzureichend. Eine Woche hindurch betete er, daß der Herr ihn! senden möge, was er nöthig habe, aber keine Antwort kam. Keine? Doch! Als er wieder und wieder betete, kam ihm eine Antwort, die er nicht erwartet hatte. Er hatte auf der Bank noch ein anderes Guthaben, so eine Art Reserve-Fonds, von ungefähr 300 Pfund, den er aus triftigen Gründen, wie er dachte, nicht für die gewöhnlichen Ausgaben zu gebrauchen Willens war. Er glaubte, ihn für andere Zwecke nöthig zu haben. Während erbettle, richtete er seine Gedanken 'mehr und mehr auf diesen Nescrve-FondS. ״Warum bittest Du um mehr als Du hast? Wenn Du bekennst zu vertrauen, kannst Du nicht für Deine außergewöhnlichen Bedürfnisse ebenso vertrauen, wie für Deine gewöhnlichen?" Am Ende der Woche fühlte er, daß er in diesem Gedanken die Antwort erhalten habe. Demgemäß zog er den ganzen Neserve-FondS in die laufende Rechnung, zahlte die am l. Oktober fälligen Gehälter nnd hatte Geld in der Hand. Aber eine weitere Autwort an ihn war bereits unterwegs. Gerade fünf Tage nach seinem Entschlüsse kam aus Australien ein sechs Wochen zuvor gezogener Check über hundert Pfund Sterling." Sind daS etwa keine Wunder? Und ist es etwa nicht wunderbar, daß die beiden Wunder, nur in verschiedeneu Geldsorteu, genau zu derselben Zeit pajsirten? Böse Zungen wollen allerdings behaupten, Frcshman spekulire mit seinein DollarS-Wundcr auf amerikanische alte Jungfern und Wilkinson mit seinem in englischer Währung auf deren englische Schwestern, die sich an der Höhe t!nd Adresse solcher Gaben ein Beispiel nehmen sollen, — nnd in der Thal dürften diese Herren ja schon auf ein gerütteltes nnd geschütteltes Maß von Leichtgläubigkeit bei ihrer Kundschaft rechnen, so meinen jene böse Zungen, aber das ist sicher nur pure Verlcumdnng. Es liebt nun einmal die Welt, das Strahlende zu schwärzen. In Hebron ist eine Missionsanstalt nebst MissionSschule errichtet worden. Pastor Schneller ans Betlchem schenkt dieser Stadt die Ehre seiner regelmäßigen Besuche. Korrespoildcilzcil!md Nachrichten. Deutschland. -a- Berlin, 5. Februar. Man wäre oft versucht zu wähnen, daß Wahrheit und Gerechtigkeit zu den überwundenen Standpunkten zählten, welche von der vierten Großmacht, der Presse, nicht mehr eingenommen werden dürfte, mindestens nicht von solchen Organen der öffentlichen Meinung, die alle edlen Eigenschäften in Generalpacht genommen haben nnd ans die Kollegen in unendlichem Selbstgefühl hosmcisternd herabschauen. Wenn selbst dem Patrioten Test die Milch der frommen DenknngSart in glühend Drachengift verwandelt wurde, so dürfte eö allerdings nicht Wunder nehmen, wenn cs auch anderen Patrioten ebenso ergeht. Wo gicbt cS aber für gewisse Kreise etwas Edleres und Patriotischeres, als der kleine nnd große Krieg gegen die Inden? Und darum ist es nur zu natürlich, wenn in dem heiligen Eifer den Rufern im Kampfe die fromme Milch versiegt und glühend Drachengift die Brust erfüllt, wenn das Auge für Wahrheit und Gerechtigkeit blind wird und man ohne Prüfung und Ueberlegnng jeden an: Wege liegenden Stein ansgreift nnd ihn dem Feinde an den Kopf wirft? WaS haben die Inden mit der großen Polcnfrage zu thnn? Welche Schuld tragen sie, daß die Ost- Provinzen noch nicht germanisirt sind? Ist eS nicht eine nicht wcgznlengnende Thatsache, daß sie daselbst unter der polnischen Bevölkerung mit die Träger des Deutschthums sind, wie sic ja auch in Russisch nnd Oesterrcichisch-Polen sich ihre deutsche Sprache durch Jahrhunderte bewahrten — die Sprache, welche sie in daS Reich der Jagclloncn mitgcbracht nnd ans ihre Urenkel vererbt haben, als der wüthige deutsche Pöbel ihre -Häuser niedersengte, ihre Habe plünderte 1mb sie mit dem Tode bedrohte? Ist cS nicht eine fernere Thatsache, daß viele Inden ans Polen und Galizien answandcrn, um sich eine andere Wohnstätte zu suchen, weil eS ihnen daheim zu schlecht ergeht? Und Angesichts dieser Thatsache» wagt dennoch die ״N. Preuß. Ztg." die Polendcbatte im Reichs- und Landtag ans das Schnldkonto der Juden zu sitzen! Man denke sich doch nur die Ungeheuerlichkeit — Centrnm, Freisinnige. Polen lind Sozialdemokraten im Dienste der Jaden! Die wackere Kreazzeitang schreibt nämlich unverzagten Herzens über die Stellung der Opposition in dieser Frage wie folgt: ״Der tiefere Grund dieses ׳Verhaltens ist jedenfalls der, daß man im jüdischen Interesse, welches hier offenbar in erster Linie maßgebend ist, einer wirklichen Germanisirnng der Ostprovinzen abgeneigt ist, weil jenes Interesse bei der Fortdauer der gegenwärtigen Zustände am leichtesten gewahrt werden kann. Nirgend blüht der semitische Weizen crfahruilgSmäßig mehr, als in slaoischen und halbslavischcn Gebieten, was unsere Oslprovinzcu zur Zeit ja großcnthcils noch sind." Beneidet die ״Kreuzzeitung" etwa die Juden in dem slavischen Nachbarstaat um den üppigen Weizen, der ihnen dort blüht? Ach, wir sind viel zu human, um

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