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Jeschurun · 1886-02-11 · Heft 6 (11.2.1886) · p. 85

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 6 (11.2.1886)
Article
Aus der Amsterdamer Gemeinde
Date
1886-02-11
Page
85 (sequence 2)
Language
German
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nichts zu machen!" Da schrien die Manhigim IonaS MoseS Metz und Samuel Hartog mit über!autcr Stimme: ,,Ihr Oranje-Bieh. was denkt ihr euch? Ihr Aufrnhrmacher!" hierauf begann eine Schlägerei, und daS gemeine Volk wollte Denen von der Neuen Gemeinde an den Vcib. Während der Spektakel im Gange war, verließ David SalomonS die Synagoge. Die NichtSwurdigcn drangen ihm nach, doch gute Menschen halsen ihm. und er begab sich sofort ans die städtische Negierung. Inzwischen kam ein Kommando Bürger unter Lieutenant van Slraaten vor seine Wohnnng und besetzte alle Ausgänge. Alle, die sich darin befanden, daS Dienstpersonal und Personen, die zu Besuch waren, wurden in Arrest genommen auf Vcranlassnng von Solomon EatS, der am heiligen Sabbath von dem Manhig שאבראק eine Erklärung hatte aufsctzcu und von dieser'Sorte von Volk hatte unterzeichnen lassen. Der Herr SalomonS und בער בועז hörten unter wegö von diesen Vorfällen, woraus sie sofort auf die städtische Negierung zurnckkchrtcn und darüber Bericht erstatteten. Hierauf kam der provisorische Maire E. van der Sluys und setzte die Uebrigcn in Freiheit. Die Bürger gingen nach Hause. Als in der Synagoge der Spektakel begonnen hatte, liefen sofort einige Nichtswürdige und holten die Patrouille, sowie eine Patrouille Neitcr. Als diese aukamcu, c utstaud ein Auflauf. Doch die Patrouillen haben Niemand augerannt oder mißhandelt, sie jagten nur den BolkShaufeu auseinander. Die Nuhc war auch rasch wieder hcrgestellt. 'DaS Borgefallene war einem Plane zuzuschreibcu, welcher am heiligen Sabbath im Hause vou MoieS Metz, in einer Zusammenkunft von einigen Manhigim und nkchtSwürdigeu Personen entworfen war; man wollte ein Mittel zu Denunziationen finden. Doch der Allgütige hat den Anschlag jener Bösen vereitelt, und Alles lief Gott sei Dank zu unfern Gunsten ab. Am Abend des!6. Juni wurde Herr Benjamin Cohen von den! General Daendcls cingeladen, ihn des andern Morgens mit den Herren David SalomonS und אייזק פרעגר zu besuchen. Sie begaben sich in der Cgnipage des Herrn Cohen dorthin, hatten sofort Audienz und nahmen unter großen Ehrenbezeugungen Abschied von ihm. Dienstag, 26. Juni, wurden von dem Präsidenten der Mnnizipalilät zwei eigenhändige Schreiben versandt, daS eine an Samuel Hartog, dessen Inhalt mirnichtbekannt ist, das andere an Herrn בענדיט הלפון. Dieses lautete: ״An den gewesenen Präsidenten dcS Kollegiums von Parnassim der hochdeutschen jüdischen Gcnicindc zu Amstcrdain. Bürger! Mit uns nebst dem Maire und Bizepräsidcntcn durch die intcrimäre und ausführende Negierung der Bataaj'schcn Nepublik, mit einem Aufträge, betreffeub die hochdeutsche jüdische Gemeinde, belastet, habe ich dieselbe auf morgen, Mittwoch, 27. Juni 1798, Nachmittags 6 Uhr, zu einer Versammlung in die große Synagoge auf dem Houtmarkt berufen und erwarte, daß alle Paruassiur und früheren Parnassim, welche bis jüngsten 16. März fungirt haben, fid) dort cinsindcn werden. Heil und Brüderschaft. Amsterdam, 26. Juni 1798. I. W. van Hasselt, Präsident der Munizipalität." Am folgenden Tage ließen die sogenannten Manhigim in allen Straßen, wo Juden wohnten, auf Befehl der Negierung bekannt machen, daß die Große Synagoge um fünf UhrNachmittagS geöffnet würde, und daß alle iuniatrikulirten Mitglieder der Gemeinde sich dort cinsindcn sollten. Biele Tausende, Männer und Frauen, Greise und Kinder strömten dorthin. . Als die alten, abgesetzten Parnassiin ankamcn, wurden sie durch die Menge getragen, und von allen Seiten rief mau: ברוך הבא״" und ״laug sollen sie und alle Gemeindcmitglicder leben!" Auf der Straße vor der Synagoge war Militär und-Polizci aufgcboten, um für Ordnung zu sorgen. Als nun in Erwartung der Negicrungskonimission daS Publikum und alle Parnassim in der Synagoge harrten, erschien der Schamcsch,' Herr Cm. Tal, ans denn Almcmor und lud im Namen der sogenannten Manhigim die vormaligen Parnassim ein, sich in den KcrkeraadSsaal zu begeben. DaS Publikum opponirte jedoch einstimmig dagegen und rief: ..DaS lassen wir nicht zu; in der Synagoge hat man unseren Parnassim die Ehre genommen, in der Synagoge müssen sie in derselben restituirt werden!" . Herr Tal lehrte mit dieser Antwort in das BcrsammlungSzimntcr zurück. Hierauf begab sich die NegierungSkommission, bestehend aus den Herren I. W. Hasselt. Präsident; MuSgnetier, Maire; Necsa und Pelletier, Sekretäre, in die Synagoge, und sie wurden mit Jauchzen cm- Pfaugen. Dcr Präsident fragte nun in erster Neihe, ob alle Ainvcscnde beitragende Mitglieder dcr (Gemeinde seien, was atlgcniein bejahend beantwortet wurde. Hierauf verlas er ׳.in Schriftstück, daß er und stine Kollegen im Haag zur Ausführung des ihnen crthciltcn Auftrages ernannt seien. Obwohl sie nicht die Macht hätten, sich in kirchliche Fragen zu mengen, da Staat und Kirche geschieden seien, so frage er doch — in Erwägung, daß Parnassim ans ungesetzliche Weise abgcsetzt worden seien und im Haag nach dem Vorfälle vom 12. Juni d. I. beschlossen worden sei, daß alle Ab-, setzungen, die nach dern 22. Januar d. I. stattgefunden hätten, nichtig sein sollten — das Volk, ob sie die

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