Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1886)
- Article
- Das wahre Licht
- Date
- 1886-02-04
- Page
- 67 (sequence 1)
- Language
- German
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67 Das iMtzre sicht. Von I. K u n st nb t, Obcrrabbincr in Nadautz (Bukowina). קי; שם לחשך ,זמן נתן לעולם במה שנים יעשה באפילה ,ב׳ז׳ שיצר הרע בעולם אופל־ וצלמות, נעקר יצר ״ .הרע מן העולם אורה ושמחה בעולםGon!nacht &cr Finsterniß ein Ende; (5r hat bestimmt, wie lange Dunkel auf Erden wallen kann: Nur so lauge die Sünde herrscht, deckt Dunkel und Todesschatten die Welt, ist der Leidenschaft Macht gebrochen, zieht Licht und Freude ein."*) Wann wird sic anbrechen diese herrliche Zeit, da Finsterniß gewichen ist und Licht die Welt erfüllt? Wann wird der Menschheit endlich der Morgen leuchten, welchen keine Nacht begräbt? — Du fragst noch? Sie ist schon längst gekommen, diese lichte Zeit, tönt es uns entgegen. Der Morgen ist längst angebrochen. Nur du und deinesgleichen seid noch schlaftrunken; eure Augen vermögeu den mächtigen Lichtstrahl nicht zu ertragen; darum senkt ihr die müden Lider und schaut nicht den Hellen Tag. Unsere Zeit ist die goldene des Lichtes und der Aufklärung. Die leuchtende Fackel der Wissenschaft erhellt den ganzen Weltraum. Bon der Kanzel, dem Katheder, der Tribüne, auf offenem Markte wird sie entzündet die Leuchte der Aufklärung, der Kritik, der Bildung, und sie hat alles Dunkel gescheucht und alle Nebel zcrtheilt. Nur du und deinesgleichen weilet im Finstern, weil ihr das Licht nicht schauen wollet, weil ihr eigensinnig die Läden schließt und nicht den Muth habt, aus eurer düstcrn Kammer hinanszutreten in das lichte Freie. Ihr sperrt euch thörichter Weise ab gegen jeden Lichtstrahl und erhellet eure Räume noch immer nur durch das trübselige Lichtlcin. das euch nothdnrftigen, matten Schimmer lieh, als es noch Nacht war auf Erden, Nacht vor Allem in Israels Lager. Also der Ruf des Tages, also der Chorus der vermeintlichen Ritter vom Geiste, der Freunde des Lichtes. — Haben sie Recht, diese Prediger der Ans-׳ klärung, diese vom Lichte einer vermeintlichen Wissenschaft erhellten Geister?? Unsere Weisen bemerken zu den Worten der heiligen Schrift וירא אלוקי, את האור בי מוב Gott sah das Licht, daß cs gut sei, bedeutsam אלו מעשיהן של צדיקים. Nur das Licht ist gut, das seine Nahrung aus dem reinen gottgefälligen Leben der Frommen schöpft und einen tugendhaften, gerechten Wandel erhellt. So lauge aber Leidenschaft regiert, Gewalt Gesetze gicbt, so lange die Menschen nur dem Triebe ihres Herzens, den Eingebungen ihrer beschränkten Einfalt ■*) Bereschith Rabba, 8t).! lediglich folgen, so lange ihnen nur das das Gute! ist, was ihrer Eintagswcisheit gut dünkt, so lange sie : mir hören auf die Stimme ihres lüsternen Herzens | und nur dem Reize ihres begehrlichen Auges folgen,! so lauge der יצר הרע der unumschränkte Herrscher im Menschenkreise ist, so lange ist es finster, so lange umfangen Todesschatten die Erde. Darum antworten wir den sich weise dünkendcn, auf ihre schale Wissenschaft unendlich stolzen Lichtfreunden: Euer Licht ist nicht das reine Gotteslicht, eure Fackel ist des. Irrwischs Funkeln, euer Wissen ist nicht die wahre Erkenntniß, eure Aufklärung ist eitel Wahn. Ihr wandelt im Finstern trotz eurer Wissenschaft, ihr tappt im Dunkeln ungeachtet eurer Gelehrsamkeit. Denn die Fackel in eurer Hand ist nicht entzündet worden an dem reinen heiligen Gotteslichte, das vom Sinai stammt, und eure Thaten sind nicht die Werke eines gottgefälligen Gehorsams. Wohl heißt es הבמות בנתה ביתה הצבה עמודיה שבעה, wenn die Weisheit ihren Bau errichtet, so gründet sie ihn auf sieben Pfeilern, aus den sieben -Haupt- und Grundwissenschaften menschlicher Erkenntniß, aber es heißt auch תן הלק לשבעה ונם לשמונה. Wohl sollen wir die Kräfte unseres. Geistes ilben und forschen, nach dem vollen Ausmaße menschlichen Erkcnntnißvermögens, wohl sollen wir eingchen in die Hallen der siebenfältigen Wissenschaft. Aber alles Licht, das uns hier entgcgenstrahlt, ist nur fahler Schimmer, so es nicht der wahren, ächten, unerschöpflichen, reinen Urquelle alles Lichts, der Gotteserkenntniß, der Thora, entstammt, so es nicht entnommen ist dem אש דת, dem Gottesfencr des Ehoreb, so es nicht anacründet ist an der heiligen Altarflamme. Denn dieses אערדת bildet den ״achten" Pfeiler aller menschlichen Erkenntniß, kein einziger Zweig der siebenfältigen menschlichen Weisheit kann seiner entrathen, ein jegliches Wissen hat auf ihm sich zu gründen, eine jegliche Wahrheit entstammt seinem Borne, wie es ja auch die unumstößliche, unerschütterliche Wahrheit ist: 'ראשית הבמה יראת ד. Jeder der ״sieben״ Pfeiler ruht auf losem Flugsand, so er nicht diesen ״achten" zur felsenfesten Basis hat. Lo heißt cs auch בהעלותך את הנרות אל מול פני המנורה יאירו שבעת הנרות, aus welcher Bestimmuug wir die tiefe und wahrhaftes Licht der Menschheit bringende Lehre schöpfen können: wenn du dich zur Höhe wahrer Wissenschaft erheben willst, dann muß die תורה der Zentralpuukt sein, in welchem sich alle Lichtstrahlen deines Geistes vereinen. Jedes Wissen schöpfe aus der תורה und wende sein Licht der תורה zu. ja, wenn es in Wirklichkeit jenem einzigen, reinen Duell enisprnngen ist, dann wird es unbedingt wiederum zu einem Kanäle, welcher der תורה neuen