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Jeschurun · 1886-01-28 · Heft 4 (28.1.1886) · p. 57

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 4 (28.1.1886)
Article
Zum Jahresbericht der Amsterdamer Gemeinde
Date
1886-01-28
Page
57 (sequence 1)
Language
German
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M 4. Jeschurun. 57 An» Iiihrtslimcht kr Ainlltlkiilkr Gklilklilk. A. Amsterdam, 20. Januar. Dem Bericht über den Stand der hiesigen israelischen Genreinde im Rechnungsjahre Oktober ]884/85 entnehmen wir, daß die Einnahmen in geuanntcr Zeit betrugen ]76 500 fl. Hierbei sind u. A. Miethe der Plätze in den diversen Synagogen 9900 fl; Ertrag der Fleischhallen 50 000 fl.; Ertrag für Hochzelten 7800 fl.; Erlös der Mizwoth 2600 fl.; Gemeindesleuer 65 900 fl. Unter den Ausgaben fignriren: Gehalt der Beamten 48 600 fl; Reparatur der Gebäude ]5 000 fl; Subsidicn für NeligionSnnterricht 27 500 st; für Armen- Verwaltung 27 800 fl. ES wurden in diesem Jahre 26l Trauungen vorgenommen (gegen 316 im vorhergehenden Jahre) und fanden 949 Begräbnisse statt (!077 in!883/64). Obenerwähnte Ausgabe für NeligionSnnterricht vertheilt sich aus u. Beitrag zur Bürger- und Mittelschule 4600 fl.; b. zur Armenschule (besucht von 2033 Kindern)! 700 fl.; v. Beitrag zur Klein-Kinder- Bewahr-Anstalt 3500 fl.; Subsidie für unser Rabbiner- und Lehrer-Seminar (Frequenz 58) 3600 fl. Dem Kapitel der NeligionSschnlen geht ein UcbcrsichtSberichtS des Herrn Obcrrabbincr Dr. Dünner, als Inspektor, voran, ungefähr folgcltdeu Inhalts: ״Dieselben Licht- und Schattenseiten, welche sich früher darboten, fand auch dieses Mal die Inspektion. So lange sic ihre Aufmerksamkeit auf den Unterricht richtete, war sie angenehm berührt, sobald sie jedoch den Blick hiervon ab und nach außen wandte, aus die Lokale, welche für den Religionsunterricht bestimmt sind, auf die Eltern der Schüler, sah sie überall nichts als Schatten. Es ist wirklich keine crmuthigendc Erschcinung, daß eine sehr große Anzahl Kinder unbcmittclter Eltern, die nicht im Stande sind, den theuren Privatunterricht zu bezahlen, beinahe vollständig jeder religiösen Erziehung entbehren. Und die einzige Ursache dieses wirklich beschämenden Zustandes ist einzig der Mangel an Schnllokalcn, und doch sind fast fünf Jahre verflossen, seitdem der ״Kerkeraad" den Bau der fehlenden Schullokalc beschlossen hat. — Noch betrübender ist die Erfahrung,, daß so viele Eltern ihre Kinder zu der Zeit, welche am meisten geeignet ist, das Kinderhcrz durch gründlichen NeligionSuntcrricht mit Liebe für unsere heilige Religion zu erfüllen, von der Schule nehmen. An. Nichtachtung dieser heiligsten Pflicht, welche auf jedem Juden ruht, machten sich im Laufe des letzten Schuljahres fast alle Eltern schuldig, deren Kinder die sechste (höchste) Klasse der Mittel- und Armenschule besuchten. Diese sind doch nach dem Bcrlasscn der Schule nicht im Stande, die noch bestehenden Mangel durch Privatunterricht auSfüllen zu können, waS bei den Schülern der Bürgerschule wohl der Fall ist.". ״Der Inspektor schätzt sich glücklich, bezeugen zu können, daß seine Hoffnung, in den erzielten Resultaten dcö Unterrichts im letzten Schuljahre, sowohl auf der Bürgerals auch Mittel- und Armenschule, vollständige Befriedigung zu finden, keine trügerische war. Wenn man bedenkt, mit welchen Hindernissen der Religionsunterricht zu kämpfen hat und damit die erzielten Resultate vergleicht, dann wird der unparteiische, sachverständische Pädagoge cs nicht übertrieben finden, daß wir diese sehr schön nennen. Man braucht nur zu bedenken, eiuerseits, wie wenig Stunden wöchentlich dein Neligionö - Unterricht geweiht sind, andererseits, wie mannigfach und umfangreich die Zweige unseres Religionsunterrichts sind, um sich zu überzeugen, daß unsere Religionslehrer eine außergewöhnlich mühevolle Arbeit zu vollbringen haben. Bedenkt man ferner, daß die wenigen Sluuden vollständig ungeeignet sind zum erfolgreichen Unterricht, weil sie vom pädagogischcn und hygienischen Standpunkt betrachtet, der Ruhe und Erholung geweiht sein müßten, woran die Kinder Mangel haben, daun werden die Anforderungen an den Lehrer sehr bescheiden sein müssen, dann wird man nicht zu große Ansprüche an die Resultate des Unterrichts stellen. Mißt mau diesen natürlichen Maßstab au der Beurtheilnng desjenigen, was unsere Schulen in diesem Jahre gefördert haben, dann muß man nicht nur sehr zufrieden sein über unsere Lehrkräfte, sondern auch deren Pflichteifer und pädagogisches Talent bewundern." Sollte cs nöthig sein, diesen für sich selbstredenden Worten noch etwas hinznzufügen! Wirklich, es ist beschämend genug, daß obiges Schriftstück im Druck erschienen ist, ohne wenigstens zugleich eine Besserung in nächster Zeit in sichere Aussicht zu stellen. Unser .Kerkeraad. wie sehr auch sonst auf seinem Posten, behandelt den Religionsunterricht sehr stiefmütterlich, er würde sonst den vor fast fünf Jahren gefaßten Beschluß, betreffend Vermehrung der Schullokale, längst zur Ausführung gebracht und noch einige weitere- Mißstände, deren Besen igung bei ihm liegt, aufgehoben haben. Finden wir an den Zuständen, wie sie beim jetzigen System sein spllten, so viel Ausstellung, um wie viel mehr steht unsere Genreinde in dieser Bezichung (und faijen wir nur in dieser Beziehung) hinter dem zurück, was sie sein könnte. Unser Kerkeraad kann sich leider noch nicht dazu entschließen, Gemeindeschulen zu errichten, in welchen sowohl profane als religiöse Wissenschaften gelehrt werden, und doch wäre

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