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Jeschurun · 1886-01-07 · Heft 1 (7.1.1886) · p. 5

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 1 (7.1.1886)
Article
Die wirkliche Sendung Moses
Date
1886-01-07
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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von Priestern herrührendcn Gesetzgebung sich ansspricht, macht diesen Gedanken zur Uninöglichkeit und beweist das gerade Gcgenthcil, daß es den Priestern vollkommener Ernst gewesen mit dem häßlich sinnlichen Götzendienst, und daß sie von keinem Strahl höherer Gottcserkcnntniß berührt sein konnten. Wenn es, um ein Beispiel für tausend anznsührcn, blos von den Verhältnissen ausgenöthigte, aber insgeheim als Blödsinn verachtete Zeremonie sein soll, die Katze für das heilige Thier der Pacht zu betrachten, wird man wohl daun den Tod über Jeden verhängen, der eine dieser gött׳ lichen Münsevertilgerinneii, und sei es auch nur nn- Versehens, umgcbracht? Ucbcrhanpt, wenn man jene Auffassung von dem Werthc des menschlichen Lebens und Daseins besitzt, wie sie ein von der monotheistischen Gotteserkenntniß unzertrennbares Moralsystem lehrt'? Herodot erzählt, daß um das Jahr 50 v. Ehr., da Aegyptens Schicksal in den Händen des allmächtigen Nom war, ein Römer, der unvorsützlich eine Katze tödtete, den Tod zur Strafe erleiden mußte. Das hieße denn doch einem bloß zum Schein bcibehaltencn Wahne zu ernste Opfer gebracht. Freilich sagt Schiller, daß es zwei Perioden gegeben habe: eine Periode der lautern Reinheit der Priestcrlaste und ihrer Intentionen nnb eine des Verfalls in verworfene Pjaffenspekulatimi. Er könnte demzufolge entschuldigend Vorbringen, daß solche Auswüchse nur in der zweiten, uns historisch verbürgten Periode vorgekommeit. Ja, nachdem uns aber nur diese zweite Periode von der Geschichte überliefert wird,;nährend sie über jene angeblich frühere das lautloseste Schweigen beobachtet, was berechtigt uns dennoch, die einstige Existenz einer solchen auznnehmcn? Er selbst gesteht ja zu, daß der Schlüssel zu der eigentlichen Wahrheit im i’anfc der Zeit verloren gegangen und wir in den ägyptischen Mysterien blos eine jede höhere Erkenntniß ansschließende An- Häufung grobsinnlichen Unverstandes und heidnischer Barbarei erblicken können — ist es da nicht mehr als Will kürlichkcit, einem voreingenommenen Standpunkt zu Liebe durchaus das einstige Vorhandensein eines solchen Schlüssels zu behaupten? Schiller legt der Achnlichkeit vieler mosaischen Anordnungen mit dem, was cr für alte ägyptische Mysterien ansieht, eine große Bedeutung bei. Die besitzt sic allerdings, nur schwerlich in der Richtung, nach welcher er sic deutet. Diese Achnlichkeit bietet, nach unserer Ansicht, einen lehrreichen Aufschluß, wie zu einer Zeit historischer Unreife Ursachen und Wirkungcn mit einander verwechselt'und verkehrte Angaben in die Geschichte eingeschmuggelt werden. Demzufolge hätte keineswegs MoseS einige ״Spielereien" und ״weniger rühmliche Kunstgriffe" den ״erträumten" Mysterien entlehnt, sondern einige superkluge Geschichtsschrciber, welche durchaus einen Zusammenhang zwischen der gewaltigen Persönlichkeit des Moses und den verächtlichen ägyptischen Thicrvcrgöttcrern, sei es aus nationaler Ambition, wie der Aegypter Manetho, oder aus Genialitätssncht, Herstellen wollten, hätten aus hierzu geeignet scheinenden Thcilen der mosaischen Gesetzgebung das Phantasicgebilde der ägyptischen Mysterien zusammengeschwcißt. Und die Natur der Dinge spricht für uns; sic gicbt uns Recht, wenn wir den Satz aufstetten: daß die ägyptischen Priester erst durch das ^Auftreten Moses die Idee von der Gotteinhcit kennen gelernt. Schiller desinirt sehr geistreich, was die Priesterschaft abgehaltcn habe, trotz ihrer heimlichen Verachtung des Götzendienstes und ihrer reinen, edlen Begeisterung für die wahre Idee, den Götzendienst zn stürzen und an seiner Stelle die Anbetung des a-lnmsassendcn Wesens zn proklamircn. Als Hauptbeweggrnnd hierfür wird die Furcht vor dem Pöbel hingestellt. Nun aber kann diese Begründung wegen verschiedener Bedenken nicht als stichhaltig anerkannt worden. Erstens ist es nicht denkbar, daß der vornehmste und einflußreichste Stand des Landes, die eigentliche Aristokratie desselben, sich bei einem so heiligen Interesse von der Furcht vor einein Pöbel habe bestimmen lassen, bei dem der Fuß eines unbeschränkt gebietenden Despoten längst jeden Funken geistiger Selbständigkeit zertreten hatte, welcher mit lhierischer Apathie sich zn Hnndcrttausenden an die härtesten Frohnarbeitcn schmieden läßt, um unter diesen Fesseln sein ganzes Leben geduldig zu vcrsenfzcn und zu verbluten. Bot nicht die eherne Macht des Heeres, welches wieder blind dem Könige, ebenfalls einem Priester, gehorchte, mehr als genügende Garantie gegenüber einer Masse von lebensniilustigen Frohnsklaven? Und dann lehrt uns die Geschichte vielfach, daß die Priester in Religionssachen sich durchaus keine Reserve aufcrleglen und mit den Göttern ziemlich eigenmächtig umsprangen. Als gute Rechenmeister addirten sic zwei oder mehr Götter, beschränkten oder erweiterten das Gebiet des einen und andern derselben, mengten ihre Machrsphären und Bedeutungen durcheinander und fabrizirten auch mitunter ganz neue Gottheiten. So entstand neben den alten Göttern Na und Ptah in Theben der junge Ammon in sieghafter Jngendstärke und bedrohte die allen Kollegen in ihrer Existenz, so zwar, daß der Ra sich gezwungen sah, eine Mesalliance mit dem Parvenü cinzugcyen und Hand in Hand mit ihm als Ammön-Na seinen Einzug in alle Tempel Aegyptens zn halten. Daneben haben wir denn auch einen Ammon-Kncph. während wir in Oberägypten uns gar am raren Schauspiel erheitern, wie zwei 1111׳ bekannte Hernmstrcichcr, Mentn und Atmu, in verwegcncr Unternehmungslust sich gegen den altersgrauen

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