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Jeschurun · 1885-12-31 · Heft 53 (31.12.1885) · p. 844

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 53 (31.12.1885)
Article
Johann Zestowitz
Date
1885-12-31
Page
844 (sequence 3)
Language
German
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844 fammeit, um die theure Reise nach Ncwyork zu be׳ zahlen. Er kam in Amerika auch glücklich an. — Armer Mann! warum bist du nicht der einzige Heimathlosc? Es waren zu Viele gleich dir hciinathslos geworden und suchten gleich dir in Amerika ein neues Heim. Ein Kommissär fand sich auf dem Schiffe ein, als Jankel mit den Seinigen landete. In fremder Sprache redet er Jankel an. Jankel verstand ihn nicht. Endlich aber machte man ihm begreiflich, daß er genügende Subsistenzmittel für die Seinigen Nachweisen müsse. DaS vermochte er nun allerdings nicht. Da hals nun kein Sträuben. Man brachte ihn und die Seinigen auf ein nach Europa bestimmtes, gerade zur Abfahrt bereites Schiff und so schwimmt er denn im gegenwärtigen Augenblicke wieder nach Europa zurück. Was aus ihm werden wird? — Wohin? — Gott allein weiß es. Korrespondenzen nnd Nachrichten. Deutschland. -a- Berlin, 29. Dezember. Wenn man so jahraus jahrein immer dasselbe Thema behandelt, behandeln muß, weil es Pflicht der jüdischen Presse ist, entschiedenen Protest gegen jedwede Verunglimpfung der Juden und dcS JudenthumS einzulcgen, so wird ׳.nan doch endlich deS Kampfes müde, wenn man sicht, wie trotz aller Bemühungen nach wie vor Verdächtigungen und Schmähungen gegen uns geschlendert werden. So spricht die ״Neue Preußische (Krenz<)Zeilnng" bei ihrem Rückblick auf die Ereignisse des vergangenen Jahres von der offenen Gegnerschaft des haßerfüllten Judenthumö und seiner ״christlichen Vasallen" — nnd kurz darauf wagt sie eS, in demselben Artikel ihre Aufgabe ״als eine wesentlich sittliche, d. h. nur durch Liebe und Selbstverleugnung zu lösende", zu bezeichnen. Wenn in der Thal die ״Kreuzzcitnng" diese ihre ״sittliche Aufgabe" in dem Kampfe gegen das ״haßerfüllte Judenthnm nnd seine christlichen Vasallen" begreift, so glauben wir, wohl nicht näher auSeinandcrsetzen zu dürfen, welchen inner» Widerspruch diese Sätze in sich begreifen. Wir sowohl wie manche Andere glauben in diesen Blättern seit Jahren genugsam därgetha'n zu haben, wie cs denn eigentlich in Wirklichkeit mit dieser ״sittlichen Aufgabe" der ״Krenzzcitung" und ihren anderen Genossinnen bestellt sei. Indessen halten wir es für nufere Pflicht, bei dieser Gelegenheit zu betonen, daß die ״Krenzzcitung" in diesem Kampfe ״gegen das haßerfüllte Judenthum und seine christlichen Vasallen" im Grunde das Messer gegen sich selbst wendet. Denn wenn die ״Kreuzzeitung" durchaus von einem ״christlichen Vasallen" sprechen will, so kann sie getrost in einem gewissen und gewiß berechtigteren Sinne, als sic dies hier thut, alle diejenigen, welche ein wahrhaft ״christliches" Bewußtsein haben, als ״Vasallen des JudenthumS" bezeichnen. Denn die wahrhast edle christliche Gesinnung, die wahrhaft edle christliche Güte, das wahrhast echte christliche Gotlvcrtrancn, die wahr- Haft echte christliche Liebe und die wahrhaft echte christliehe Sanstmuth, in welcher sich die fromme ״Kreuzzcitung" zu üben vornimmt, was sind sie anders, als von dem Judenthnm entlehnt? Die jüdischen zehn Gebote, die jüdischen Psalmen, die j üdischcn Propheten, die jüdische Bibel dienen dem wahren Christen zur Norm, sind die Quelle seiner Erbauung und Belehrung — das weiß die ״Krenzzeitnng" gerade so gut wie wir, doch trotzdem fährt sie fort, den Kampf gegen eben dieses Judenthnm zu predigen, und beim Beginnen eines neuen bürgerlichen JahrcS sich von Neuem zu diesem Kampfe zu rüsten. *** Posen. Wenn auch unsere Gemeinde, wie so viele der alten jüdischen Stammgcmeinden Deutschlands, ihre Bedeutung und ihr Ansehen zum großen Theile leider nur noch den Erinnerungen zu danken hat, die das Andenken an die Geistesheroen wie Rabbi Mordcchai Jaffa (Lewusch) und später Nabbi Akiba Eiger, sodann in der jüngsten Vergangenheit Rabbi Schelomoh Pleßner erwecken, so findet man doch auch in der Gegenwart hier noch Erscheinungen auf bem Gebiete jüdischen Lebens, die eben nur möglich sind an einem Orte, wo durch die Großen und Edlen Jisroels eine so herrliche Saat auSgestrent war. Die Gemeindeinstitutionen verrathcn durch ihre gediegene Einrichtung ihren erhabenen Ursprung, und man trifft hier Gott sei Dank noch Persönlichkeiten, die, wenn sie durch ihre Stellung nnd ihr Geschäft, sowie durch ihre Bildung mitten im modernen Leben stehen, doch noch das Beth Hamidrasch als ihren Licblingsaufenthalt und ihre jüdische Bibliothek als den schönsten Schmuck ihrer Wohnung betrachten. Herr Dr. Aaron Hirschfeld, dessen Dahinschciden wir in düsen Zeilen beklagen wollen, war in dieser Beziehung der Stolz unserer Gemeinde. Seine Devise war יפת א״ ליפת וישכון באהלי שם. Seine gediegene klassische Bildung diente ihm dazu seinem acht jüdischen Streben für die Emunoh Eingang in alle Kreise, namentlich in die der studirendcn Jugend, zu verschaffen. Nicht war es die הבסת יונית, die seiner Persönlichkeit den Stempel׳ aufdrückte, er benutzte die schöne Form, um sich selbst, seine Familie und alle Kreise einznführcn in die Zelte Schems, zur eifrigen Förderung des ThorastndinmS. Möge sein Beispiel Nachahmung wecken. — ת׳נ׳צ׳ב׳דז,. 2^ Treysa, (Hessen - Nassau), 21. Dezember. Heule feierte der israelitische Lehrer Herr M. Rothschild

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