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Jeschurun · 1885-12-31 · Heft 53 (31.12.1885) · p. 842

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 53 (31.12.1885)
Article
Die wirkliche Sendung Moses
Date
1885-12-31
Page
842 (sequence 2)
Language
German
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842 ״gewaltsame Einmengung in dieOekonomie der Natur;" der vollkommensten Potenz mag es die einfachste An- Wendung der vorhandenen Naturökonomie oder Ordnung in einer minder trivialen Gestalt sein. Um aber speziell von den Wundern zu reden, an welche Schiller hier gedacht haben mag, die nämlich mit deren Hü! fe die Bibel Moses seine Mission verwirklichen läßt, so schließen sie absolut nichts Widernatürlicheres ein, als die Resultate, welche Schiller zugesteht, daß sie dem Plane und Einflüsse der Vorsehung erwachsen sind. Wir können durchaus nicht abschen, warum eS weniger in den Nahmen der Naturökonomie hincinpasse, einen starken Wind entstehen zu lassen, der aus irgend einem Winkel Afrikas mächtige Heuschreckenschwärme herbeidringt, welche dann alles Zugängliche mit Stumpf und Stiel auffressen, als eine in dem starren Kasten-- geistc eines ägyptischen Hoseausgewachsene Königs׳״ tochter in einem Moment ihre ganze Vergangenheit und Gegenwart vergessen zu machen, so daß sie mit einer kosmopolitischen Liberalität, welche einem Voltaire Ehre machen würde, ein Pariawürmchen auflesen läßt und — was noch großartiger ist — sogar adoptirt. Die Vorsehung, die das Eine vermag, kann auch das Andere zu Wege bringen, und das in Abrede stellen, heißt die Vorsehung, wenigstens als positive, wirklich ezistirend gedachte Potenz, leugnen. (Fortsetzung folgt.) |8|ai!n Zeßmitz. Bou Naph!ali Simon. - (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Was fehlte dem Glücke des bescheidenen Mannes? Die Arbeit ernährte ihn, in seinem Hause herrschte Friede und Gesundheit, er lebte in einem Lande, wo er Vertreibungen und Verfolgungen nicht zu fürchten hatte, wo gerechte und milde Gesetze walteten und gefittctc Menschen wohnten. Armer Mann! Du ahnst nicht, daß die Hoffnnng deines Lebens trügerisch ist, und das Verderben schon an deiner' Schwelle lauert. Eines Tages kam ein Polizcibcantter und händigte ihm einen Zettel ein, ans welchem zu lesen war: ..Der Lumpensammler Jankel Przestowitz, genannt Johann Zcstowitz, wird hierdurch geladen, am Montag, den 22. d. M., Vormittags 11 Uhr, auf dein Polizeibüreau, Zimmer Nr. 15, zu erscheinen. Im Entblcibungssalle wird dessen Zwangsweise Vorführung verfügt." ״Was kann man von mir wollen!" rief er erschrocken m!S, als seine Tochter ihm dieses vorgelesen hatte. ״Ich habe mit der Polizei nichts zu thun." . Seine Fran aber zitterte am ganzen Körper und sprach: ״Gott erbarme sich, unser Unglück hebt wieder an!" Was nützte es, daß sich daß grängstigte Paar in Hxrmuthungen erging. Es konnte die Veranlassung dieser Vorladung nicht enträthscln. Zcstowitz ging schwcrmülhig seinem Handel nach, und die Frau härmte sich Tags und Nachts. Vorsorglich hatte sich Zestowitz mit allen seinen Papieren, seinen Steuerqnittungerr und seinem Gewerbeschein versehen, als er sich zu dem schweren Gange zur Polizei am Montage rüstete. Der Kommissar fragte ihn über alle seine Verhältnisse anS und eröffnete ihm dann, daß er innerhalb vier Wochen Stadt und Land zu verlassen habe. Zestowitz, der starke Mann, fühlte sich einer Ohnmacht nahe. Das war ein Schlag, auf den er sich nicht gefaßt gemacht hatte. ״Ums Himmels Willen, Herr Kommissar," stammelte er endlich mühsam hervor. ״Was habe ich denn verbrochen? Ich wohne schon seit sechs Jahren hier und bin ein redlicher Mann. Warrun werde ich verwiesen? Wo soll ich hin mit Weib und Kindern!" ״Ihr thut mir leid," entgegnete der humane Beamte. ״Gewiß, Ihr seid ein unbescholtener Mann, aber Ihr seid hier fremd. Ich kann nichts für Euch 11)1111. Es ist höherer Befehl, daß die Fremden von hier ausgewiesen werden sollen." Zestowitz war der Verzweiflung nahe. Er bat, er flehte. Dem Kommissar wurde das Herz weich. ״Ich beklage Euch, lieber Freund," sagte er, ״es thut mir wahrlich herzlich weh. Aber zu ändern ist nichts daran, Ihr müßt fort. Beruhigt Euch, ordnet Eure Sachen. Gott wird mit Euch sein." ״Ach, Gott ist gütig, aber warum sind die Menschen so hart?" klagte Zestowitz. Bleich und verstört kehrte er heim. Wer schildert den Jammer der Frau, den Schrecken der Kinder? Sie waren so glücklich gewesen, sie hatten gar nicht anders gedacht, als daß diese Stadt ihre Heimath, dieses Land ihr Vaterland, der Landesherr ihr Fürst war; und sie hatten Stadt, Land nnd Fürst geliebt von ganzem Herzen und gewähnt, hier ihre Kinder glücklich und geachtet zu sehen. Und alles dieses war nur ein Traum gewesen, ein kurzer Traum, und das Erwachen war so schrecklich! Was beginnen? das war die Frage, welche Zestowitz und seine Frau fortwährend beschäftigte. Ach, diese Frage zählte zu den schwierigen, aus welche eine bestimmte Antwort nicht zu geben ist. Kann der Mensch die Zukunft enträthscln? und solche Fragen sind^ doch an die seinen Blicken entzogenen Tage, die da kommen, .gestellt, und sie tauchen gerade in drn

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