Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1885)
- Article
- Des Pfarrers Kuh
- Date
- 1885-12-17
- Page
- 810 (sequence 2)
- Language
- German
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810 Mann. Er wollte sich aus gar keine andere Bedingungeu einlassen. Herr W. hatte die Summe auch nicht vorräthig, aber er konnte sie anschassen. Und so!st das herrliche Gut Eigcnthum des Herrn Pfarrers geworden. Zn einem seiner Freunde aber hatte Herr W. gesagt, cs wäre sündhaft, wollte man einem so edlen Herrn wie Ehrwürden Nikolaus nicht den ganzen Nutzen genießen lassen. Als der Herr Pfarrer zu ihm ge׳ kommen, da habe er sich der hochherzigen Thal erinnert, die derselbe vor Jahren an dem Juden K. geübt, und da habe er gedacht, daß man ihm zu großem Dank verpflichtet sei. Fei bisch ist aber Pächter des zweiten PfarrgutS geworden und der intime Freund des Herrn Pfarrers, welcher die Schuld bald getilgt hat und nunmehr ein reicher Mann ist. So lebt der ehrwürdige Pfarrer Nikolaus in Glück und Freuden und möge noch lange leben zum Segen und zur Freude seiner Pfarrkinder und aller guten Menschen. Das ist der Segen, den des ״PsarreS Kuh" gespendet. Sie hat eine ganze Familie glücklich gemacht und dem ersten Besitzer ein reiches Gut cingebracht. h. Ans dein Treiben der ״Msßsn״. IV. Ich habe in meinem früheren Berichte die MissionSthätigkeit wiederholt als ״Geschäft" karaktcrisirt, da ich überzeugt bin, und einen je tieferen Einblick man in dieses Treiben gewinnt, desto nachhaltiger wird diese Ueberzeugnng, daß es meist nur ein Branche ist. die sich Dieser oder Jener zu seinem Unterhalte wählt; der Eine handelt in alten Hosen, der Andere in Judenseclen, der Unterschied ist nur, daß der erstcre cm chrenhastcreS Gewerbe treibt. Daß cS auch Personen giebt, die ein Gott gefälliges Werk zu thun vermeinen,!venu sie diese Seelcnsüngerei unterstützen und sich mit jeder gefangenen Seele einen Extraplatz im Himmel erobert zu haben glauben, soll nicht in Abrede gestellt werden, man braucht nur an den kürzlich verstorbene Lord Shaftcsburh zu denken, der ein wirklicher Menschenfreund und doch ein echter Repräsentant jener geistigen und religiösen Verirrung war. Gegen solche Männer richten sich auch unsere Bemerkungen tiefster Verachtung nicht, wohl aber gegen die Handlanger, die ihre Verirrnng auSznnützen wissen. Erstcre können wir nur bedauern und die horrenden Summen beklagen, mit denen sie die Taschen christlicher und getaust-jüdischer Seelensänger füllen, Summen, mit denen in nächster Nähe soviel . gräßliches Elend unter den eigenen Glaubensgenossen gelindert werden könnte, ketzeren wollen wir gehörig auf die Finger sehen und manchmal auch draufklopsen. Bekanntlich besteht außer der großen Londoner Missionögesellschaft noch eine Reihe kleinerer, die auf eigene Faust arbeiten, und wer eö nur richtig anzupacken weiß, d. h. wer die oben geschilderte geistige und religiöse Verirrung der Neichen auSzubeuten Pfiffig genug ist, steht sich ganz gut dabei. So betreibt der Rev. John Wilkinson, den Lesern dieser geschätzten Zeitschrift bekannt als Freund des jüdisch-protestantisch« griechisch-katholischen Kischinewer R a b b i n o w i t s ch, ein eigenes Geschäft unter der Firma ״Milämay Mission to tlie Jews". Das Geschäft ernährt siebenzehn Personen, in der Hauptsache den genannten Reverend sammt Frau, Sohn und Tochter, von denen ein jeder extra salarirt wird, ferner zum Theil die getauften Juden Adler, Halbmillion, Baron und Barnett u. s. w., auch ein Frl. Cohen, die ihr Domizil nach Jaffa verlegt hat. Geschnorrt, denn davon lebt man, wird für die verschiedenen Abtheilungen, in welche die Thätigkeit sich gliedert, aber nie wird die Rubrik ״kor personal us6" vergessen, was dafür gegeben wird, ist extra verdient. Die ״Mildrnay Mission to the Jews" arbeitet nach verschiedenster Richtung hin. Da werden Versammluugen, sogenannte prayer-Meetings, mit den bekannten Bibel-Erklärungen abgehalten, Traktätchen werden vertheilt, unter den verschiedensten Vorwänden werden Juden in ihrer Häuslichkeit ausgesucht und dort die Netze ansgeworfen, in einer Abendschule sucht man die Seelen der Kinder zu verwirren und zu vergiften, Gegenstände aus Olivcnholz, Photographien u. s. w. aus Jerusalem werden verkauft, das giebt so manchen Anknüpfungspunkt und trägt auch Geld ein, — dann, und das ist die elendste Seite dieser Seelenfängerei, hat sie auch eine Medizinal-Abtheilung. Kommt so ein armer, kranker Jude in die Missions-Apotheke oder zum Missionsarzte, dann stürzen sich die Herren- und Damen-Missionäre auf ihn, und man sollte es kaum für möglich halten, gerade auf diese Armuth und Noth der Kranken gründet sich die Spekulation der sauberen Sippe. Der arme Jude, dessen Frau oder Kind krank darnieder liegt, braucht nur in die prayer-m66tinA8 zu kommen oder seinen Kranken unter die spezielle Aufsicht seiner ״neuen Freunde" zu stellen, und er hat im ersten Falle Arzt und Medikamente frei, in letzterem auch Kost und Pflege. Und wehe dem Unglücklichen, der in die ihm gelegte Falle geht! Auch eine eigene Druckerei hat die Gesellschaft, bietet sich doch da im geschäftlichen Verkehr und unter den Angestellten, die vorzugsweise aus den Juden genommen werden, so manche Gelegenheit, für die lichtscheuen Zwecke thätig zu sein. — — UeörigmS wissen die Herren und