Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1885)
- Article
- Des Pfarrers Kuh
- Date
- 1885-12-17
- Page
- 809 (sequence 1)
- Language
- German
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Ns 51. 809 Jeschurun. Des Usrreks Kuh. (Eine wahre Begebenheit aus der Gegenwart.) (Schluß.) Jahre vergingen. Der hochwürdige Pfarrer Nikolaus fuhr fort in seinem stillen segensreichen Wirken. Der fromme Jude K. fuhr fort in der Lehre Gottes zu forschen und seine Kinder in Rechtschaffenheit und Fleiß zu erziehen. Die Kinder fuhren fort in Gesundheit und Tugend als wackere Juden herauzublühen. Gottes Segen ruhte auf der Dorfgemeinde, wo so brave, liebe Menschen wohnten. Die Sonne sandte ihre goldenen Strahlen zur Lochten Zeit und der Regen kam zur rechten Zeit. Das Vieh gedieh und die Aecker gaben reichen Ertrag. Friede und Glück herrschten in dem lieben Dorfe der Bukowina, und seine Bewohner tauschten ihr friedliches Stillleben nicht nur dem glänzenden Treiben in Czernowitz, ja auch nicht mit dem prunk-- vollen von Pest und Wien. In der Gemarkung des PfarrdorfS liegt ein HerrlichcS Gut, welches bis jetzt einer reichen Kloster« genossenschaft in Rumänien gehörte. Diese sah sich veranlaßt, ihre auf österreichischem Gebiete belegenen Grundstücke, 11. A. auch dieses, zu veräußern. Wegen eigenthümlicher hier nicht zu erörternder Gründe sollte aber von dem neuen Erwerber gerade dieses Gut wiederum verkauft werden. Ehrwürden Nikolaus kümmerte sich um diese Dinge nicht. Er lebte ganz seinem geistlichen Amte und war zufrieden in der Bewirthschaftung des kleinen Pfarrgrundstücks und fand seine Erholung bei seinen Büchern. Desto mehr aber kümmerte sich der zu einem tüchtigen Geschäftsmann und Landwirth gewordene älteste Sohn des Herrn K. um diese Händel. Ihm war der Gedanke gekommen, daß Niemand anders als der gute Herr Pfarrer Besitzer des werthvollen Gutes werden dürfe. Es gelang ihm. dasselbe fast um die Hälfte des Werths an Händen zu erhalten. ..Hochwürden muffen das Gut kaufen," sprach er zu dem erstaunten Pfarrherrn. ״Ja, warum?" ״Weil Sie es müssen. weil es halb verschenkt ist, weil Niemand anders es verdient, weil — weil ich es mir in den Kopf gesetzt habe, für Hochwürden diesen vortheilhafren Kauf zu vermitteln," antwortete Feibisch. ״Hochwürden müssenl" ״Ja, ich habe aber nicht so viel Geld, — wie kann, ich etwas kaufen, das ich nicht bezahlen kann?" meinte der Pfarrer. . ״Es sind nur 2000 Gulden anzuzahlen, und dann 10000, die sich leicht beschaffen lassen." Dem gelehrten, ehrwürdigen Herrn schwindelte der Kopf. ״Ich will es mir überlegen," sprach er. Und er zog einen steinreichen, geschäftskundigen -Freund zu Rath, welcher ihm ebenso entschieden wie Feibisch zu dem Kaufe rieth. ״Wegen der 10 000 Gulden machen Sie sich keine Sorge," sagte der reiche Freund. ״Zahlen Sie die 2000 jetzt an und lassen Sie mich für die 10000 bei der Auslassung sorgen. Ich gebe Ihnen dieselben gern zu einem mäßigen Zinsfuß." Mit inniger Freude erhielt Feibisch den Auftrag, sür den Herrn Pfarrer das Gut zu kaufen und führte diesen Auftrag aus. Als der vereinbarte Termin zur Ucbertragnng und Zahlung der 10000 Gulden gekommen war, ging der Pfarrer zu seinem Freunde, um das Kaufgeld zu erheben. Dieser aber zuckte die Achseln, machte ein dedcnklicheS Gesicht und sagte, er habe sich die Sache überlegt, er wolle doch lieber nicht das Geld herleihen. Was kümmerte es auch diesem ״Freunde", daß er den Herrn Pfarrer nicht nur in Verlegenheit setzte, sondern auch um die mühsam ersparten 2000 Gulden, welche als Angeld bezahlt waren und bei der Nichtersüllung verfallen würden, brachte. Der arme Pfarrer war ganz bestürzt. Es war ihm mehr um die Schande, daß er als ein leichtsinniger, insolventer Käufer dastehen sollte, als um dm Verlust der 2000 Gulden. Feibisch war ebenfalls bis in die tiefste Seele betrübt, daß der so schön ausgesonnene Plan, dem guten Herrn Pfarrer seine Dankbarkeit zu bezeigen, nun vereitelt werden sollte. Er ließ aber den Kopf nicht häugni. Morgen mußte das Geld in Czernowitz erlegt werden. Darum galt es rasch zu handeln. ״Wissen Sie was, Hochwürden," sprach er nach kurzem Besinnen. ״Ich weiß einen Ausweg. Es thut mir freilich leid, daß das Geschäft nur halb so gut für Sie wird, aber besser die Hälfte, als gar nichts. Ich gehe sogleich nach Sercth. Da wohnt ein angesehener Glaubensgenosse; den müssen Sie an dem Geschäfte zur Hülste betheiligcn. Er giebt das Kapital her, und Sie theilen sich dann das Gut." Er eilt nach Sercth. Herr W. erklärt sich bereit auf das Geschäft einzugehen, und Feibisch kehrt nach K. zurück, um den Herrn Pfarrer zu veranlassen, sofort nach Sercth zu gehen, um mit Herrn W. die Sache ins Reine zu bringen. Als er aber mit diesem gesprochen, erhält er zu seinem Erstaunen die Antwort: ״Nein, Hochwürden, ich niachc mit Ihnen kein Kompagniegeschäft. Ich bringe Ihnen morgen das Geld nach Czernowitz. Sie müssen alleiniger Besitzer des Guts werden. Sie können mir das Geld zurückzahlen, wie es Ihnen paßt." Da erstaunte wiederum der Psarrherr. Er wollte Einreden erheben, aber Herr W. war ein eigensinniger