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Jeschurun · 1885-12-17 · Heft 51 (17.12.1885) · p. 804

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 51 (17.12.1885)
Article
Das Gutachten des Herrn Rabbiner Dr. Ehrenfeld
Date
1885-12-17
Page
804 (sequence 4)
Language
German
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804 strenge Gesetze für die Aussätzigen diktiren? Weun der Gesetzgeber jeden Aussätzigen aus dem Lager verbannt, wen behält er dann noch in demselben'? Wenn er jeden Aussätzigen non jeder Berührung ׳.mit seiner Umgebung abschlicßl, dann zersplittert cr׳ja das ganze Volk in zahllose, erniedrigte Einzelczistenzen, dann vcrwandelt er die Nation, welche nie so sehr des einmüthigen energischen Zusammenwirkens bedurfte als gleich nach der Erlösung, in durch die völlige Abgcsondertheit im höchsten Grad entmuthigtc, abgestumpfte und sich selbst verabscheuende Parias! Lächerlich, von Gott oder dem größten Genius aller Zeiten eine solche Thorhcit vorauszusrtzen! Und wenn alle Serafim des Himmels und alle Dämone dcL Teufels ein Gesetz Härten diktiren wollen, dessen strikte Befolgung eine völlige Stagnation alles edleren Geisteslebens, ein trauriges, unabsehbares Chaos von Verwirrungen bewirken mußte bei jenem Volke, welches im Begriffe stand, Depositär der zwei höchsten Güter der Menschheit, der körperlichen und geistigen Freiheit zu werden, cs hätte cs mit einem mächtigen, titanischen Wurfe weit von sich geschleudert. Moses hätte aber auch gewiß ein Volk von sich geschleudert und mit Ekel abgcschüttelt, welches von Gottes Zorn in so grauenhafter Weise gegeißelt worden wäre, wie Schiller haben will, daß ן cs wirklich geschehen sein soll. Die Einsicht Rousseau's j darf nran doch wohl auch einem Moses Zutrauen, und j Rousseau sagt, sein Schüler müßte ein körperlich voll- ■ kommen gesunder Knabe sein, widrigenfalls er seine; Erziehung nicht übernehmen würde, da zur Erreichung hoher Ziele ein starker, widerstandsfähiger Vollstrecker nothwcndig sei. Weun dicö schon von einem Menschen gilt, so gilt es sicherlich von hundcrttausendcn Menschen in hunderttanscndfachcm Maße. Also schon die menschliche Einsicht des MoscS hätte mehr als genügt, um einen so desoiaien Volksstamm für untauglich zum Vollstrecker einer so erhabenen Absicht zu erkennen; wie erst, wenn wir die Vorsehung ans der cigcnthnmlichen, zwischen wcltrcgierendcr Vollkommenheit und unbegreiflicher Stupcndilät abwechselnden Stellung befreien, welche ihr Schiller aufhalst, und sie in ihre alten Rechte als allweise, nimmer fehlende Ordnern! aller Erscheinungen einsctzcn! Dann erscheint cs geradezu als Einfalt, einen Tropfen Tinte ans die Zurückweisung einer derartigen Uudcnkbarkeit zu verwenden. Wir glauben, mit gutem Recht der Ucberzcug'.mg sein zu dürfen, daß cS uns bisher gelungen, die leidige Aussatzgefchichte zu mindest unwahrscheinlich zu machen und zu erschüttern.. Im Folgenden werden wir uns bestreben nachznwcisen, daß sie sogar unmöglich, ein Absurdum ist. Das soll und wird ans folgendem Fragenregrsier erhellen: Wenn bei den Inden schon die Quellen der Zeugung und des Lebens vergiftet waren, wie ist es zu erklären, daß eben Moses ungeschädigt diese Quellen pafsirt habe? Ist es denkbar, daß ein mit Aussatz behaftetes Kind zum Hofe zngclasscn worden sei, und wenn auch eine Prinzessin seine Protcktorin gewesen? Angenommen, daß Moses durch eine wunderbare Fügung von der Ererbung des Nebels bewahrt worden, welches einem seiner Erzeuger doch gewiß anhaftctc, — wird eine Prinzessin ein Kind, welches sie adopliren will, für die Dauer einiger Jahre einer Sphäre überlassen, die mit den Miasmen der abscheulichsten kontagiöftn Krankheit geschwängert ist; wird sie es bereitwilligst an Brüsten saugen lassen, mit deren Milch cS den stranlhcitskeim ciuschlürfcn muß; wi'-d sie es gestatten, daß cS in verwandtschaftlich innigem Verkehr mit. Menschen, deren einzige Berührung es schon zu einem Abscheu, zu einer Scheuche eines Jeden machen muß, die erste Kindheit verlebe??? (Fortsetzung folgt.) Kollektiv-Berichte ans Ungarn. L. (Fortsetzung.) Die 638 314 jüdischen Bewohner des Landes haben 465 Matrikenbezirke erhalten. Inwiefern das Kultusministerium dem wiederholt ausgesprochenen leitenden Prinzipe, es so ciuzurichtcu, ״daß jeder Malrikcnbezirk so groß sei, um einen qnalisizirtcn Matrikcnführer erhalten zu können," gerecht geworden, wollen wir ans den zahllosen Anomalien nur durch ein Beispiel illustriren. Die 70879 jüdischen Bewohner der Hauptstadt Budapest sind in drei, sage drei Matrikenbezirke gethcilt, während z. B. in drm 103. Bezirke 223 jüdische Seelen — 44 Familien cxistircn. Hat sich das hohe Kultus- Ministerium die Gewißheit verschafft, daß diese materielle Kraft dieser 44 Parteien eine Gewähr dafür bietet, daß sie einen gehörig qnalisizirtcn Matrikenführer zu erhalten im Stande sind?! Exempla .snut odiosa, das ist mir e i n Beispiel im Kleinen.*) Was war cs, das Hcrru Schweiger bei der erwähnten Enquete so sehr in Harnisch brachte, daß er ״jede Theilnahme entschieden ablehnte" und voll Pathos ausgernfcn hat, ״daß die Gemeinden zu solchen Vcrsügungcn keinen Anlaß gegeben?" Es waren Haupt- *) Es ließen sich noch viele Beispiele annrhren als: den 8. Bezirk mit 28» Seelen, 186. Be;, m. 237 S., 192. Bez. m. 226 S., 191. Bez. m. 285 S., 196. Be;, m 263 S. «. v. A., während der 95. Bezirk aus 1755 Seelen der Gemeinde selbst und 3500 des Bezirks, also aus 5255 Seelen besteht. - In dem Normativ fehlen auch sehr wesentliche Bestimmungen. Wenn;. B. in einer Ortschaft, welche dem Matrikcubezirk zu A., aber dem NubbinatSbezirk zu B. angchört, eine Herrath stattstnden soll, wo soll da das gesetzliche Aufgebot stattstndck?

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