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Jeschurun · 1885-12-10 · Heft 50 (10.12.1885) · p. 793

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 50 (10.12.1885)
Article
Aus der Amsterdamer Gemeinde
Date
1885-12-10
Page
793 (sequence 1)
Language
German
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M 50. 793 Zeschnnm. a Aus der KiLßerdaiM ®mtitit 1795-1812. (Fortsetzung.) Am Sabbathmorgen ließ der Vorsitzende der provisorischen Parnassim nur Leute zur Thora rufen, die zur Neuen Gemeinde gehörten. — Abends wurden die zuletzt sungirt habenden und früheren Parnassim in das Versammlungszimmer entboten und definitiv von ihrem Posten enthoben. Sonntag, 18. März, wurde in der Synagoge abgekündigt, daß fortan an Stelle von Parnaß die Benennung Manhig gelten solle. Die fünf Manhigim haben zwölf Personen als Beisitzer ernannt, darunter auch Unverheirathete. Ihr Sekretär ist Lion Cok. Vierundzwanzig Personen wurden von den Manhigim für die Vertheilung von Mazzoß an Arme ernannt. Abends kam der Sekretär Lion Cok in die Synagoge und verlas auf Holländisch ein Plakat, das von der Kommission im Haag empfangen war und also begann: ״Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Untheilbar!" Der Inhalt war, daß die Parnassim abgesetzt und alle früheren Verordnungen aufgehoben seien. — Am folgenden Montag Morgen wurde dasselbe Plakat durch den Schamesch auf Hebräisch (Indisch-Deutsch?) abgekündigt, während er zugleich die Verlesung auf Holländisch vom vorhergehenden Abend entschuldigte, da keine Zeit zum Uebersetzen gewesen sei. Samstag, 24. März, ließen die provisorischen Manhigim in allen Synagogen zweimal abkündigen, daß die Bekanntmachung vom 18. März 1797, bezw. der zu der sogenannten Neuen Gemeinde Gehörenden außer Kraft, gesetzt sei, und es wurde wieder Allen ¬הכשרות zuerkannt. Samstag, 7. April, wurde im Aufträge des ®^ ueral-Prokurators in der Synagoge vom Schamesch abgckündigt, daß Alle, welche mit dem Bezahlen ihrer Gemeindesteuern oder Synagogen-Ptatz-Gclder rückständig seien, es sofort nach den Feiertagen zu bezahlen hätten. Auch wurde bekannt gemacht, daß die Vortheile aus der Ucischhalle seit der jüdischen Revolution 2650 fl. betragen; ferner, daß die Parnassim-Rcihe auf dem Vcgräbnißplatze zu Muiderberg aufgehoben sei, so daß nunmehr auch Andere dort beerdigt werden könnten. Sonntag, 22. April, meldete sich eine Kommission von jungen Leuten und Nichtswürdigen in dcr Kcrkeraads- Sitzung an, daß sie bei Manhigim etwas vorzntragen hätten. Manhigim bestimmten, daß fünf im Berathungszimmer erscheinen dürften. Als diese nun kamen, rissen sie die THLr weit auf und fragten sogleich. ob sie sofort über den Stand der Gemeindegelder Nechnungsablage erhalten könnten. Der Vorsitzende erwiderte, daß sie dieselbe noch nicht geben könnten, da sie noch mit anderen Sachen beschäftigt seien. Hierauf zog Benjamin S. Hartog, einer der fünf, so heftig an der Schelle, daß sie brach, riß die Thür auf und rief: ״Bürger, herein!" Es drangen hierauf wohl an die sicbcnzig Personen ins Zimmer und verlasen die Namen der Manhigim, welche abgesetzt werden müßten. Sie setzten auch faktisch fünf ab und er« nannten andere dafür. Als MoscS Asser von dem Vorgefallenen Kenntniß erhielt, begab er sich mit einigen Nachtwächtern nach dem Hontmarkt, ließ die Versammlung auseinandertreiben und sagte zu ihnen: ״Ich werde Euch morgen schon finden!" ins Versammlnngszimmer kam er jedoch nicht. Am folgenden Tage wurde den abgesetzten Manhigim angesagt, daß sie ihr Amt weiter wahrzunehmen hätten und SatiSfaktion erhalten würden. Sonntag, 29. April, sandten die provisorischen Manhigim an die Gemeindemitglieder Reglements, sowie eine Liste auf Holländisch, in welcher die Namen Derer zu verzeichnen waren, die man zu Manhigim wählen wolle. ES mußten nämlich für ein Jahr fünfzehn Manhigim und fünfzehn Stellvertreter gewählt werden. In dem Reglement war bestimmt, daß Niemand zum Manhig wählbar sei, der nicht das gegenwärtige System anerkenne. Besonders von der Wahl ansgeschlossen waren die, welche für ihr Lebelang kein Amt in der Gemeinde mehr bekleiden sollten, nämlich die abgesetzten Parnassim; auch בעי בועז war nicht wählbar, weil er zu der früher gewählten Kommission von Parnassim gehört hatte. Samstag, 19. Mai, wurde überall die Annahme der Konstitution gefeiert. Was Amsterdam betrifft, so wurden des Morgens Kanonen abgeschossen, und alle Stadtsoldaten, das französische Militär, die Kavallerie und Miliz waren unter den Waffen. Inter den Kavalleristen befand sich ein Jüngling יחזקאל בן אברהם בינג. Viele Juden und auch ich haben ihn gesehen, es war jedoch damals eine Zeit von Sehen und Schweigen. — In der großen Synagoge wurde abgckündigt, daß das MinchahGebet um sechs Uhr verrichtet und hierauf der Obcrrabincr in der Großen Synagoge und ר' יוסף ל זנוויל in der Neuen Synagoge predigen würden. 24 Psalmen wurden gesagt. Die Chasonim mit ihren Sängern mußten das Minchah- Gebet und den Kaddisch nach der Melodie des gegenwärtigen Systems singen (בניגון מן דש יעציגע סיפטעמא). Alles geschah bei offener heiliger Lade. Die braven Manhigim ließen vor dem Lokale des BerathungSzimmcrs eine Illumination vorbereiten, was am heiligen Sabbath geschah. Ebenso ließen sie an diesem Tage

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