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Jeschurun · 1885-12-10 · Heft 50 (10.12.1885) · p. 789

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 50 (10.12.1885)
Article
Die wirkliche Sendung Moses
Date
1885-12-10
Page
789 (sequence 2)
Language
German
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78$ PariadaseinS das: Schema Jisroet! hauchend! Hat Jemand da noch den traurigen Muth zu witzeln!? Und trotz dieser tausendjährigen bangen Existenz, unmenschlicher Bedrückung und Entwürdigung wurden die Juden doch nicht zu einem Hausen seiger, auf die niedrigste Stufe herabgedrüätcr Kreaturen; bewahrten sie doch tief im gemißhandelten Herzen einen Schatz an geistiger und moralischer Intelligenz, welcher, kaum daß die Wcltenlast hier und dort ein wenig gelockert wurde, in einem so mächtigen Strahle cmporsprang, daß eine Horde, von jedem höheren Werthe baarcr Individuen zu fürchten anfing, von ihm verschlungen zu werden. Im ferneren Verlaufe der Schrift werden jene Momente betont, von welchen der desolate Zustand der Juden in dem, dem Auftreten Moses zunächstliegcnden Zeitraum sich herleitet. Hier gicbl sich das auffällige und höchst undankbare Bestreben kund, die bestialische Verordnung Pharaos, die männlichen Kinder zu tödten, zu idcalisiren und in ein milderes Licht zu setzen. Nach der Darstellung der Bibel steilich, welche gleichwohl auch Schiller übernommen hat, erscheint diese Verordnung als die fluchwürdigste That, die je ein Despot mit kalt berechnendem Sinn befohlen hat. Müttern die Säuglinge von der Brust reißen und wie reudige Hundsbrut ins Wasser werfen zu lasten! Wer kann sich im Angesichte einer solchen unerhörten Barbarei einer aufquellenden Empfindung zu Gunsten der schutzlos preisgegebenen Hebräer erwehren? Nun wird aber Diesen nicht einmal eine freundliche Geflnnuug gegönnt, und man sucht nach einem Vorwände, um die Juden als selbst von der Vorsehung gebrandmarkt, Pharaos That aber als eine Konsequenz dieser brandmarkenden Schicksalsfügung hinzustellcn, für welche der transzendentale Wille allein verantwortlich gemacht werden muß. Dieser Vorwand ist bald in der boshaften Erdichtung von der allgemeinen Verbreitung des Aussatzes unter den Juden geschaffen. Von diesem Gesichtspunkte betrachtet, gewinnt die Geschichte wirklich ein ganz anderes Gesicht. Pharao thul nun Ln einer etwas kitzligeren Form nichts Anderes, als was eine moderne SanitätSkommission vielleicht auch thun würde: einen unheilbar kranken Volksstamm, bei welchem schon die ״Quellen des Lebens und der Zeugung vergiftet" sind, auf den Aussterbeetatsetzen. Wenn in einem Rayon eine epidemische Krankheit auSbricht. dann wird an der Grenze desselben ein Kordon ausgestellt, welcher mit unerbittlicher Strenge Jeden zwingt, innerhalb deö verpesteten Gebietes zu verbleiben. Obwohl unter den sich flüchten Wollenden Tausende. Kauz gesunder Personen sind, denen eine Entfernung von dem Seuchen- Herde eine sichere Rettung wäre und welche dadurch, daß sie zurückgehalten werden,, unschuldig zum Tod verurtheilt sind — gleichviel! Daö Wohl der Gesammtheit fordert ihren Untergang und die Institution» die ihn angeordnet hat, gehört zu den wichtigsten Ergebnissen eines human fortgeschrittenen Zcitgeistes. Daßunschuldige Menschen den! Tode geweiht werden muffen, das fällt dem zur Last, welcher den Landstrich mit der Cholera hcimgesucht hat, dem Herrn des Todes und des Lebens. Es hat den Anschein, als ob Schiller selbst das- Lendenlahme dieser Behauptung gefühlt habe, denn,er behandelt sie mit einer säst von Besorgniß zeugenden Sorgfalt und Liebe. Er ist bestrebt, ihr ein gesichertes Fundament zu verschaffen, besten Hauptbestandtheile sind: die Zeugenschaft .,Mariethos, DiodorS, TacituS, LysimachuS, Strabos und vieler Anderer; der Umstand, daß der Gesetzgeber eine Menge ״Vorkehrungen dagegen gemacht hat" und endlich die enge Wohnung, die schlechte kärgliche Nahrung und die Mißhandlung. Es handelt sich nun zunächst darum, die Stichhaltigkeit dieser Argumente, auf denen das dem jüdischen Volke unterschobene ärztliche Attest beruht, zu prüfen, und ferner zu erwägen, ob die fragliche Verordnung Pharaos von dieser Wurzel logisch hergeleitet werden könne. Wendenwir uns zuerst der heraufbeschworcncn Zeugenschaft der Geschichte zu. Wir überlassen, hier das Wort, behu/S Charaktcrisiruug der ägyptischen Geschichte in diesem Zeiträume und zur Feststellung der Verläßlichkeit der von Schiller angeführten Autoritäten, insoweit sie sich auf die ältesten Vorgänge in Aegypten beziehen, einem Manne, vor dessen historischem Urthekle sich wohl Jeder beugen wird. Wir meinen keinen Geringer« als Karl von Notteck. ״Von den Quellen der ältesten ägyptischen. Geschichte abhandclnd," sagt Nottcck: ״An Monumenten, die aus dem grauesten Altcrthume zu uns sprechen, ist Aegypten wohl reicher als irgend ein Land in der Welt. Hier finden wir Trümmer von Städten, Palästen und Tempeln, künstliche Grotten, Kanäle und Seen,. Pyramiden, Obelisken, Sphynxe, Säulen und Statuen, Mumien und Mumiensärge. Die meisten dieser Monn-, mente sind mit Hieroglyphen bedeckt und werden zum. Theil durch jetzt noch lebende Sagen erklärt. Aber diese Sagen sind schwankend und märchenhaft, die Hyroglyphen, ihrer Natur und ihrem Alter nach, für uns meist unauflösliche Räthsel, und alle Monumente nur stumme Andeutungen einzelner Fakten ohne Zusanlmenhang und Bestimmung. Auch was von schriftlichen Nachrichten über das ägyptische Alterthum zu uns kam, dessen Charakter ist Dunkelheit, Widerspruch und Fabel. Am Zuverlässigsten noch — die Wunder abgerechnet — ist, was von Aegypten in den biblischen Schriften, als in den mosaischen Büchern und dann von Salomo au tu den Büchern der Könige vorkommt; aber es sind solches nur. dürftige und weit auseinanderstcheude Fragmente. Was aber

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