Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1885)
- Article
- Das Gutachten des Herrn Rabbiner Dr. Ehrenfeld
- Date
- 1885-12-10
- Page
- 787 (sequence 3)
- Language
- German
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787 sein, wenn er nur in der Woche die סדירה bei seinem Lehrer gelernt hat. Maimonibeü setzt hier nicht das Wissen, sondern die tiefinnige Hörigkeit zur תורה bei Demjenigen voraus, der seinen ganzenLebensberuf in auSgesctzten לימוד התודה aufgehen läßt. (Schluß folgt.) ,»Dornmtg,. öder ,.Mmrirts"? Von Ludwig A. Nosenthal, Rabbiner zu Köthen. (Schluß.) II. Ist hiermit der Auffassung Genüge geschehen, welche R. Jose bar Abin dem פוחת ומוסיף gegeben, so entläßt unS jedoch R. Jose bar Sewida nicht, ohne uns mit einer andern Deutung bekannt zu machen, wonach der israelitische Brauch seine Begründung in Grundsätzen der Thora findet. ״ פוחת והולך כנכד פרי החגWie die Zahl der Opferstiere am Laubhüttensest von Tag zu Tag ab׳ nimmt, so sollt Ihr auch die Lichterrcihe der Ehanucka allabendlich um eins vermindern," so lehrt die Schule Schammai'S. Wendet sich da unser Blick nicht von selbst jener Opferbestimmung des Snkkotsestes zu, und müssen wir nicht in den Quellen nach einer Deutung suchen, wie unsere Weisen sic diesem Umstande geben? Da lehrt uns ja R. Elieser (Sukka 55b), daß die Anzahl der Opferthiere für das Sukkotfest den siebzig Völkern entspräche, für die hier ein Sühnopfer dargebracht würde. Spricht doch Sacharja in der Hapthara des ersten Sukkotfcsttagcs die Strafandrohung für jene Völker aus, die das Laubhüttenfest dereinst nicht mitfeiern würden. Muß man nach alledem das Sukkot nicht auch ein Friedensfcst sein, und soll es vielleicht die FriedcnSernte andeuten, die der Ewige freudig als schönsten Ertrag seiner Welt annehmen würde? Freilich sind die Völker noch von einander durch wilde Leidenschäften getrennt, sie gleichen keineswegs an Einigkeit den Pflanzen des Lulabgebindes, und die einfache Sukka ohne Befestigung würde gewiß nicht genügen, feindliche Angriffe fernzuhalten. Aber in den sich mindernden Öpferthieren des Hüttenfestes spricht sich der Gedanke auS, daß mit der Zeit auch die Unterschiede, die. so viele blutige Opfer fordern, sich vermindern, daß die Grenzen nicht mehr feindliche Gesinnnngen kennzeichnen werden, sondern die Gesammtheit der Völker sich dereinst als eine Einheit vor dem Ewigen fühlen wird. Die verschiedenartigen Ziele der Völker brachten den Kampf,.die Vereinigung der menschheitlichen Bestrebungen soll den Frieden erzeugen und befestigen. Denselben Gedanken wendet nun die Schule Schammai'S auf die Chanuckabräuche an. Blicken wir zurück auf die dem Mathatia vorangegangenen Mißstände — worin werden wir deren erste Quelle erkennen? Doch wohl darin, daß so viele verschiedenartige Richtungen in Israel emportauchten, von deren Vertretern ein jeder sein besonderes Licht wollte leuchten lassen und nur dann zufrieden war, wenn dasselbe auf ihn zurückstrahlte. Da waren eS Priester, die einander befehdeten, um die ersten zu sein in Israel, da legten sich Andere die Thora so zurecht, daß ihnen nur ja Gelegenheit geboten würde, als erleuchtete Glieder ihrer Zeit zu gelten. Wie stand cS aber bei so vielen Flammen, die in so verschiedenartigen Farben strahlten, um das Licht der Thora? Sein bescheidener Strahl verblich vor dem anspruchsvollen Glanze so vieler sich für Thora ausgebendcr Bestrebungen. Welche andere Thätigkeit lag nun vor Mathatia, als jenes eine unverfälschte Licht emporzuhebcn, cs zum Banner für Alle zu machen, alle Sondcrgelüste des Ehrgeizes und der Genußsucht dem einen Ziele dienstbar zu machen, all die Lichter erlöschen zu lassen vor der leuchtenden Gewalt der Thora? Nur auf diesem Wege gelang cs ihm, Großes auözusühren und den geordneten Schaaren der Griechen ein durch den Thoragcist geeinigtes und dadurch gewaltiges Heer entgegenzustellen. פוהת והולך ״ כנכד פרי ההגLasset also von Abend zu Abend immer mehr Lichter schwinden aus der Reihe des Chanuckalcuchtcrs; wie die sich mindernde Anzahl der Opferstiere am Hüttenfestc auf die dcreinstige Friedlichkeit aller Menschen deutet, so möget ihr hier lernen, nicht allzuviel Sonderlichter anzuzünden, sondern euch immer inniger zu einigen im Strahle der Thora." Die Jünger Hillel's bekämpfen jene Anschauung nicht, sie vervollständigen nur den Gedanken ihrer schammaitischen Genossen. ]מוסיף והולך כנגד מעלי ״ בקדש ואץ מורידי[Lasset die Zahl der Lichter von Abend ZN Abend wachsen, da man in heiligen Dingen nur ein AufwSrtSklimmen und kein Nied er steigen kennt." Nicht nur, daß man einen dem Hähern Gottesdicnste geweihten Gegenstand in keinen nieder» verwandelt (Menachot 32a), nicht nur, daß beim Ausrichten des heiligen Zeltes Mose mit dem Allcrhciligsten endete — auch die zerbrochenen Tafeln mußten ihrem hohen Zwecke gemäß geachtet und in der Lade aufbewahrt werden; ja. die Opserpfannen Korahs und seiner Geführten, die doch nur scheinbar einem heiligen Zwecke gedient, mußten au« einem bloßen Opfcrgeräthe zur Bekleidung deö Altars werden (Das. 99 a). Nicht nur beim Baue des HeiligthumS macht sich jener von Hillel angeführte Grundsatz geltend, auch bei Dingen, die einst heiligen Bestrebungen gedient, ja, selbst bei denen, welche das Heilige nur zum Vorwände hatten, um menschlichen Sondcrgelüsten zu dienen.