Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1885)
- Article
- Vorwärts oder "Rückwärts"?
- Date
- 1885-12-03
- Page
- 773 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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773 Die pflichtvergessenen Lehrer des Gesetzes konnten sich selbst für die größten Lichter halten, )nenn sic nur auf die kommenden Geschlechter, auf ihre Schüler blickten — was für Größen waren sic nicht denen gegenüber! Wie gesctzcStrcu kamen sich Diejenigen vor, welche noch bessere Zeiten gesehen hatten, wenn sic die Gleichgültigkeit und Zügellosigkeit der Vertreter kvmmcnder Tage, der vernachlässigten Jugend, betrachteten? Mußte da nicht von Geschlecht zu Geschlecht der Umfang dessen einschrumpfcn, waö man für wesentlich ansah? Verstehen wir nun die Schule Schaniniai's, die, um uns das warnende Bild eines derartigen Verfalles recht vor die Seele zu führen, lehrt: ״ ,פוחת והולך כנגד ימים הנכנסיםzeigt es an den Chanuckakerzen, wie das Licht der Thora abnimmt, wenn man einseitig, ohne stete Berücksichtigung der Vergangenheit, nur auf die kommenden Tage blickt? Wie war unter solchen Verhältnissen ein Mathatia möglich? Weshalb ließ er sich nicht beschwichtigen, um sich mit den Verhältnissen seiner Zeit zu befreunden? Woher kam ihm der klare Blick, daß seine Zeit keines- Wegs der Begeisterung für das Judcnthum, der Kenntniß des Gesetzes, der Treue gegen dasselbe sich rühmen könne? Er hatte sein Auge eben nicht von der Ucberlicfcrung abgcwandt, und diese ließ ihn jeden Augenblick in die Vorzeit schauen. Er maß seine Zeitgenossen, ja, sich selbst an den Gestalten seiner eigenen Lehrer, sein -Blick schweift zurück von Jose den Joescr und Jose den Iochanan zu AntigonoS von Socho, zu-Simon dem Gerechten, zu dem großen Nathe, den Genossen Esra's und Nehcmia's, — da erschien ihm das Juden- Lhnm seiner eigenen Zeit in seiner ganzen Leerheit und Zwerghaftigkeit. Er selbst mit seinem redlichen Streben, das Gesetz zu durchdringcn und auSzuführen, wahrt sich so seine Bescheidenheit, und sein Eifer ward rege, in wohlthätigcr Beeinflussung seiner Zeitgenossen den Frühereu in etwas ähnlich zu werden. Darum trat er mit der rechten Kraft und Entschiedenheit zur Aufrichtung des gesummten, nicht verkürzten Judenthnms auf; in seinem Kreise hatte man sich stets gewöhnt, mit seinen! Blicke die Verhältnisse zu überschauen. Er vermochte mit seiner Heldcnschaar Anderen, die ihm im Verborgcncn längst geglichen, seine Entschiedenheit mitzuthcilen, weiter und weiter dehnte sich der Einfluß der begeistcrtcn Schaar aus — die Gleichgültigen merkten, hier war etwas, wofür sich kämpfen ließ — die Erkalteten rafften sich auf .... sollen wir weiterhin das Bekannte wiederholen, wie nach Niederwerfung der Feinde der Geist der Thora in Israel wuchs, wie die Lehrhäuser zu Pflanzstätten der echten Thorakcuntniß, wie die Schüler zu eifrigen Lehrern wurden und so der Strom der Thora durch unzählige Leitungen Israel zugeführt wurde? מוסיף והולך; so hatte durch Mathatia's Wirken die Thora zugcnommen, das Wachsen dieses Lichtes gebot uns die Schule Hillel's von Abend zu Abend dcS Chcurucka anzudeuten, בנגד ימים היוצאים, indem wir zurückschanen auf die immer wachsendeAnzahl der vergehenden Chauuckatage — war es doch der Rückblick auf die verflossenen Zeiten, ans die Bestrebungen der Früheren gewesen, die dem Mathatias den rechten Standpunkt angewiesen. Hat uns die Schule Schammai's zur Abschreckung die dunkele Seite der Ehanuckageschichtc gezeigt, so hält uns .Hillel zur Ermuthigung das Bild vom Wachsen der Thora entgegen. (Schluß folgt.) Die mirliMjc Zkllduug Moses. Ein Essay von S. B. Nvsenhain. (Nachdruck verboten.) (Forlsetzung.) Doch, halten wir uns bei diesem Punkte nicht zu lange auf, sondern nehmen wir an, Schiller habe schon hier die Zcugeuschast des Mauctho von Aegypten, deS Diodor, TacituS, Lysimachus und Anderer im Auge gehabt, welche er später anführt, obwohl sich auch in diesem Falle mit demselben blos die ״Unreinheit", nicht aber auch die .,Gemeinheit", ״Verworfenheit" und ״Unwürdigkeit'י decken läßt. Uebrigens bemerken nur schon hier, diesem historischen Zeugnisse später noch einige Worte widmen zu wollen. ״Wir müssen in ihr den Kanal verehren, den, so unrein er auch war, die Vorsicht erwählte. unS das edelste aller Güter, die Wahrheit, zuzuftchren." Wer von einer Vorsicht oder Vorsehung spricht, der meint doch zwciftlsohne eine göttliche; der kann hierunter nichts Anderes verstehen, als die von dem vollkommensten Wesen ansfließcnde Lenkung aller Erschcinungcn auf dem Gebiete der todtcn und lebenden Natur. Man kann aber unmöglich von einer allumfassenden, auf ein großes, unerforschlich weises Endziel hinwirkcnden Vorsehung sprechen, als von der Ansichtbaren bewegenden Kraft einer Aktion, die einen unversöhnlich scheinenden Gegensatz, eine nicht zu lösende Unbegreiflichkeit einschiießt, ohne sich zu einem Versuch gedrängt zu fühlen, den Gegensatz aufzuhebcn, zu der Unbegreiflichkeit einen logischen Schlüssel zu suchen. Und um wie viel mehr, daß man freudig nach dieser Lösung greifen wird, wenn sie sich von selbst darbietet, und man nur die Hand auszustrecken braucht, um sie zu fassen. Höchst merkwürdigerweise Iheilt Schiller nicht die gleiche Gesinnung. Er stoßt ein ebenso bequemes wie einleuchtendes Mittel zur -Hebung der Schwierigkeit von sich und läßt, sich aus vorgefaßte Pöbclurtheile und einige unzuverlässige geschichtliche Stimmen stützend, die Vorsehung in dem Lichte stupen-