Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1885)
- Article
- Eine falsche Auslassung eines Rabbiners über die Schechita
- Date
- 1885-11-26
- Page
- 762 (sequence 2)
- Language
- German
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762 Lhieren, die nach dem Schächten erforderlichen Be׳ wcgungcn — פרכוס — wirklich stattsindcn, so hätte er immer noch zu beweisen, daß es statthaft ist, jedes zu schachtende Thier in einen Zustand zu versetzen, der gerade die unter unseren Weisen Hervorragenden destimmte, sich den Genuß von dem Fleische eines solchen ThiereS zu versagen. (Scdulchan Äruch Jorch Dcah Kap. 17.) Endlich hätte Herr Dr. JauluS, ehe er hk Betänbung vor dem Schächten für erlaubt erklärt, nachzuweiscn, daß die künstliche Einathmnng der betäubenden Gase — wie sie thatsächlich nach Rockel (Seite 141) eine Färbung des BlutS zur Folge hat. die dunkler ist wie z. D. eine Mischung von arteriellem und venerosem Blut — keine solche Verletzung der inneren Organe nach sich zieht, die etwa das Thier terephah machen. — Nach dem erwähnten Bericht hat Herr Dr. Iaulus ferner erklärt, ״cs dürfe, wenn der Akt des Schächtens vorüber sei, die vollständige Tödtung sofort nachher stattfinden." Auch diese Erklärung steht im Widerspruch mit dem Wortlaut der Gesetzesbestimmungen. — Schulchan Aruch Jorch Deal) Kap. 23, § 5 und bei den Dezisoren zur Stelle, wird deutlich betont, daß sofort nach erfolgten! Schächten jede andere Tödtung verboten ist. Erst wenn der Tod nach längerer Zeit nicht eingetreten — אם שוהה הבהמה או העוף למות heißt der!Wortlaut — und das Blut bereits ausgeströmt ist, kann durch Kopfschlag die Tödtung beschleunigt werden. — Jedoch schon vor circa 70 Jahren machte der Vcrsasser des vielfach verbreiteten Handbuchs für Schächter ״Ohel Jizchak" bereits auf den Mißbrauch aufmerksam, der aus fahrlässiger Handhabung dieser Bestimmung resultirt (Kap. 3, Kl und Anmerkung 4); sie aber heutzutage bei der Animosität, die gegen das Schächten allenthalben künstlich gezüchtet wird, in einer Weise zu empfehlen, die in offenem Widerspruch mit den' religionsgesetzlichen Bestimmungcu steht, heißt der Agitation gegen das Schächten geradezu Handlangerdienste leisten. Herr Dr. JauluS stellt, nach dem vorliegenden Berichte, die Möglichkeit, daß einst die gesummten Juden aus ihrem religiösen Bewußtsein heraus die Speisegcsctze fallen lassen könnten, nicht in Abrede; heute sei dies indeß nicht möglich. Daß Inden aus ihrem irreligiösen Bewußtsein die Speisegesctze fallen lasten könnten, wäre denkbar und sogar heute schon möglich, da es nicht an Rabbinern fehlt, die ihnen mit diesem Beispiel vorangehen. Aber woher Herr Dr. Iaulus die Wissenschaft hat, daß die gesarnmten Juden, aus ihrem religiösen Bewußtsein heraus, Gesetze ihrer Religion fallen lasten können, das ist ein vollständiges Räthsel. Von Herrn Dr. Stein, auf den sich ein Redner bezog, bemerkt Herr Dr. JauluS. daß er eine Ausnahmcstcllung in dem Judenthum einnehme und nicht maßgebend sei. — Wenn Herr Dr. JauluS in dieser Angelegenheit bereits das letzte Wort gesprochen hat, wenn derselbe wirklich nicht von der Ueberzeugung durchdrungen sein sollte שזאת התורה לא תהי מהלפת ולא תהי תורה אחרת מאת הבורא\יתברך שמו, dann steht derselbe mit den Herren Doktoren Stein und Stern auf einem Niveau und theilt selber die AnSnahmestellung, die er jenem vindizirt. Hoffentlich ist dies nicht der Fall. Die Unzuverlässigkeit der Angaben vieler Thierschutz-Vereinsorgane läßt die Möglichkeit zu, daß im Laufe der Diskussion erfolgte Aeußerungen des Herrn Dr. JauluS nicht korrekt wiedergegeben wurden. — Es wäre dann allerdings Pflicht des Herrn Dr. Iaulus, diesen Angaben entgegen zu treten, wenn derselbe sie nicht fernerhin durch fein Schweigen als der Wahrheit gemäß destätigen will. Trier. Rabbiner Dr. Ehrmann. Ms Organ der Areslaner ZWe. die von Herrn Dr. Nahm er, Rabbiner zu Magdeburg, herausgegebene und rebigivte ״Israelitische Wochenschrift" ergeht sich in ferneren Auslastungen, welche sich den früher von uns mitgetheilten ebenbürtig anschüeßen. Sic schreibt in ihrer Nr. 47: ״Die Orthodoxie konsolidirt sich; die Flügel sind ihr gewachsen und hohnlachend fletscht sic gegen de.n religiösen Liberalismus ihre Zähne", ״jetzt zeigt sie ihre Intoleranz mit größter Schamlosigkeit." ״Mir ist es kein Zweifel, daß, wenn unser Lehrer Moses, wie er leibte und lebte heute erschiene, er würde von Euch verketzert", ״denn unser Lehrer Moses würde am Sabbath sich kein Taschen- Luch un! den Leib binden", ״er würde euch sagen was Gott zu ihm gesprochen, und alle eure lächerlichen Interpretationen von הלכה למשה מסיג״ über den Haufen werfen". ״Wir sind der Ansicht, daß in der jüdischen Orthodoxie unserer Zeit sehr viel Unjüdi sch es ist, dem wir uns, um das Judenthum in seiner göttlichen Reinheit zu erhalten, mit aller Kraft widersetzen werden". ״Jeder Groschen für eine orthodoxe Institution ist ein Schnitt׳ ins Fleisch des Jndenthnms", ״fürchtet die orthodoxe Arroganz! fürchtet den Jesuitismus unserer Orthodoxie!" — Nach dem Zeugniß der Redaktion entstammen diese lieblichen Worte der Feder ״eines ihrer sehr geschätzten, treuen, von Begeisterung für das Judenthum erfüllten Mitarbeiter". Dieselben legen ein sprechendes Zeugniß von dem Geiste des Konser-