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Jeschurun · 1885-11-26 · Heft 48 (26.11.1885) · p. 759

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 48 (26.11.1885)
Article
Aus der Amsterdamer Gemeinde
Date
1885-11-26
Page
759 (sequence 3)
Language
German
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759 und wollten mit Gewalt das BrettHm haben, das bereits fortgenommen war. Einige Personen, die noch in der Synagoge waren, beschworen ihnen, daß der Onderschont das Brettchen mitgenommen habe. Hierauf ließen sie ab und entfernten sich mit den Worten: ״Gute Nacht, Bürger1י< (Fortsetzung folgt.) Von Naphtali Simon. (Nach druck verboten.) (Fortsetzung.) ״Du bist lein Deutscher/׳ meinte der Andere. ״Man-hört es Dw an. Woher stammst Du?" ״Aus Rußland. Man hat uns von dort vertrieben, und wir sind froh, hier unser Stückchen Brod verdienen und es in Ruhe verzehren zu können " ״Und Jude bist Du auch? Das versteht sich von selbst, das sieht und hört man meilenweit." ״Ob Jude oder Christ," nahm der Andere das Wort, ״das ist ganz egal. Alle, die zusehen müssen, wie Andere im Reichthum wühlen, während sie ihre paar Nickel zählen, sind Brüder und sollen sich gegenseitig helfen." ״Da habt Ihr Recht," nickte Zestowitz, ״nämlich mit der Hülfe und mit der Brüderschaft. Aber neidisch darf man nicht sein. Gott giebt dem Einen mehr, dem Andern wenig. Der Arme, welcher ein Stückchen Brod mit Salz zun! Mittag hat. spricht darüber denselben Segen wie der Reiche über -sein feines Mahl." ״Ach, Du bist auch einer von den Frommen, die den lieben Herrgott beständig im Munde führen!" spottete der Erstcre ״Die Juden sind alle fromm," sagte der Andere. ״Das geht Niemandem etwas an, das hält Jeder wie er will. Die Katholischen sind auch fromm. Wenn'S an's Geschäft geht, dann ist das was Anderes. — Höre mal, Jude, wir wollen vom Geschäft sprechen. Willst Du waS verdienen?" . ״Das versteht sich, sehr gern." ״Nun sieh, wir sind keine Handelsleute und verstehen uns nicht auf den Handel. Es kommen aber manchmal Kunden und bringen uns Sachen, die wir für sie verkaufen sollen. Die Leute gebrauchen Geld. Feine Leute, die sich geniren zum Versatzamt zu gehen. Wenn Du diese Sachen verlaufen willst, kannst Du ein schönes Stück Geld verdienen." ״Was giebtS denn zu verlaufen," frug Zestowitz. ״Einen alten Rock, etwas Kupfer oder Eisen?״ ״ ׳Das kommt auch wohl vor," lautete die Antwort. ״Heute haben wir aber etwas ganz Feines, ein halbes Dutzend silberne Löffel." ״Silberne Löffel?" fragte Zestowitz. ״Silberne Löffel?" ״Nun, was ist da zu verwundern? DaS kann Dir gleich sein, oder auch nicht. Was kannst Du denn an ein paar Pfund altes Eisen verdienen? Aber bei . einem halbes Dutzend silberner Löffel da fallen immer ein paar Mark ab." Zestowitz maß die Beiden mißtrauischen Blicke-. Wie konnten diese Strolche zu silbernen Löffeln kommen? Wer würde ihnen solche zum Verkaufe anvertraueu wollen? Er antwortete nichts, sondern stand auf, um am Schenktisch sein Glas Brcmntewein zu bezahlen. ״Nun, wie ist eö mit dem Geschäft, Jude?" frug der Eine. ״Das ist nichts für mich, darauf verstehe ich mich nicht," antwortete Zestowitz und verließ die Kneipe. Am andern Abend, es war der Freitagabend, saß Zestowitz in der wonnigsten Sabbathstimmung mit den Seinen beim Mahle. Der ar;:e Lumpensammler dünkte sich heute reich und glücklich wie der Reichsten und Glücklichsten Einer. Vergessen war die Sorge und Mühe der Woche; das enge Dachstübchen in der armlichen Vorstadt war zu einem Palaste geworden, in welchem. für Sorge und Mühsal keine Stätte ist. Der von der Heimath verjagte Jude war ein König geworden, welcher hoch erhaben ist über das Getriebe des nieder» Erdenlebens. Er stimmte in der heiligen Vatcrsprache die Jnbcltieder an, in welchen die ganze Wonne und Seligkeit des Sabbathgefühls austönt, und sein Weib und seine Kinder sangen mit ihm die innigen Gesänge nach uralter Weise. Und weil heute Sabbath Ehanucka war, gesellte sich zu diesen biedern noch der besondere Chanucka-Sang. Sie hatten ihn freilich schon einmal heute Abend angestimmt, als der Vater mit dem Sohne aus dem Gotteshause zurückgekehrt war und die Chanuckalichker noch ihren Schimmer in den engen Raum entsandten. Aber das selige Hochgesüh! rang immer wiederum nach neuem Ausdruck, und da sangen sie, die Glücklichen, immer aufs Neue. Sabbathluft und Chauuckafreude erfüllten die Herzen,- wer vermöchte sie zu schildern in ihrem vollen Ausmaße? Der nur kennt sie, der sie empfunden, — sie sind der unermeßliche Schatz, den der Herr den Seinen verleiht. Tief in des Menschen Innern ruht er in herrlicher Schöne, von keinem profanen Blick entweiht, von keinem Uneingeweihten gewürdigt. Er ist das Erbtheil der wahrhaft reichen und glücklichen Erdensöhne,, die um seinetwillen gern Verzicht leisten auf Alles, was die-Erde beut — eine Vorahnung der ungetrübten .Seligkeit, die ihrer in der ewigen Zukunft harrt. •—!׳: Horch, was ist das? Das Geräusch' von Trittes Wer klomm die schmale, steile Treppe empor? Wer wagt es einzudriugen m das Paradies:derDachstube?

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