Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1885)
- Article
- Aus der Amsterdamer Gemeinde
- Date
- 1885-11-26
- Page
- 758 (sequence 2)
- Language
- German
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dem Haag berichtet, daß auch Dr. De Scmon zum Anisterdamer Abgeordneten gewählt worden; darob große Freude bei der Neuen -Gemeinde. ' Am 6. September haben sich 45 Gen-eindemitgttedcr vereinigt und aus ihrer Dritte eine Kommission von sechs Personen an Parnassim abgeordnet, ob sie damit einverstanden seien, daß die Vereinigung darnach strebe, Friede zwischen unserer und der Neuen Gemeinde Zu stiften. Die Antwort lautete: ״Mit dem größten Vorgnügen geben wir die Erlaubniß dazu; nichts ist uns angenehmer, als Friede zu haben." — Eine andere Kom!11ission dieser Vereinigung begab sich mit der gleichen Frage in die Versammlung der Opposanten. erhielt aber zur Antwort: ״Wohl sind wir zum Frieden bereit, doch mit Euren Parnassim schließen wir und können wir keinen Frieden schließen, da wir sie nicht als gesetzlich anerkennen; wohl aber mit Euren Gemeindemitgliedcrn. Wollt Ihr deshalb mit diesen zusammenkommen und deren Stimmen aufnehmen, dann sind wir bereit, alles Mögliche zu thun. Doch nichts mit Euren Parnassim." — Mit dieser Antwort verfügte die Kommission sich zu den Parnassim; diese beriefen sofort eine KerkeraadSversammlung. Herr Benjamin Cohen, von welchem wir früher berichteten, daß er nicht auf Seiten unserer Parnassim stehe, nahm jetzt eine ganz andere Haltung an. Er erklärte sich mit aller Entschiedenheit dagegen, sich noch weiter mit den Opposanten einzulassen, es sei denn, daß sie die Parnassim anerkennen. — Es wurden denn auch alle Unterhandlungen abgebrochen, und Parnassim gaben Ordre, alle Opposanten zur Bezahlung der ihnen auf-׳ erlegten Bußen vor das Jnsiizkomitee zu laden. Am 20. Februar 1798 begann die Miliz sowohl bei Juden als Nichtjuden von Haus zu Haus zu gehen, um für eine Reorganisation die Namen und das Alter der jungen Leute aufzunehmen. In den Judenviertetn sind zwei לופזים וחצופים, Senj. Sam. Hartog und שלמה שין יננלכיע, mit den Offizieren der Miliz rundgegangen, um ihnen zu zeigen, wo junge Leute wohnen, damit diese Waffen tragen sollten. Bei der NcorganisariottskO.kNNkission war von den Aschkenasin! Moses Asser, von den Sesardim Da Costa AthiaS ernannt. Am 13. März kam eine Kommission (Pietcrse, Nonswinckel, Pompeira mit ihrem Sekretär) aus dem Haag hierher, die am 15. die ganze Negierung, sowie den Generalprokurator und Maire absetzte und Andere an deren Stelle einsetztr. Unter die Rüths wurde M. Moresco ernannt und MoseS Asser in das Justizkomitte berufen. An diesem Tage herrschte unter den - respektablen Nichtjuden große Bestürzung. *'־ Freitag, 16. März, kam Namens der Kommission aus dem Haag an den Parnaßpräsidrnten בעבדיש חלפון der Befehl, daß die jetzigen und früheren Parnassim sich um vier Uhr Nachmittags in der großen Synagoge eiusinden sollten. Zur bestimmten Zeit waren alle anwesend. Nun erschien die Kommission gleichfalls iu der Synagoge und sofort stürmte auch der Pöbel unter den Inden und Nichtjnden, welche etwas gegen Parnassim Hütten, herein. Bor der Synagoge waren Stadtsoldaten ausgestellt und die Reiter patrouillirtcn. Die Mitglieder der Kommission begaben sich auf den Almemor und lasen nichts als verläumderische Beschuldigungen gegen Parnassim vor, daß sie das Volk so lange unterdrückt hätten, daß sie gegen das jetzige RegierungSsystem agitirten und die frühere Oranje-Regierung zurückerstrebten. Auf die heilige Lade zeigend, sagte der Sprecher: ״Hier auf diese Lade habt Ihr Euren Abgott gepflanzt, Oranje- Bäume waren hier oben gepflanzt" und mehr derartige Schmähreden. Sogleich wurden die Parnassim abgesetzt. Die Gegner waren voller Freude, und an solch heiliger Stätte schwenkten sie ihre Hüte und riefen: ״Hurrah! Bravo! Die Despoten und Unterdrücker unter den Parnassim müssen fort!" Offiziere standen zu beiden Seiten des Almemor mit gezücktem Degen, und die Soldaten in der Synagoge hatten scharf geladen. — Als die Kommission geendet hatte, wollte der Schlamesch Emanuel Tal sie bewegen, einige Personen anzustellen, damit die Gemeinde nicht ohne Verwaltung bleibe. Da rief Samuel Hartog: ״Meint Ihr, daß die Oranje-Zeiten noch bestehen? Nein, wir werden selbst wählen; keine Despoten, denn wir sind nun frei, und ein freies Volk kann und wird selbst wählen." Er verlas nun eine bereits vorbereitete Liste; bei jedem Namen antworteten einige leichtfertige Jungen mit ״ja" oder ״nein". Zu provisorischen Parnassim wurden auf solche Weise gewählt: Samuel Hartog, Simon Emanuel Cohen, David Abraham Marcus, Joseph Aron Jochems und ein Jüngling Jonas Moses Metz. Die abgesetzten fungirenderr und früheren Parnassim gingen in Trauer nach Haus. Bei allen Rechtgesinnten herrschte Trauer und Betrübniß, bei der triu.׳uphircnden schlechten Partei dagegen Freude und Frohsinn. Den ״Käsig׳'׳ mit den Namen der Opposauten, welcher in der Vorhalle der Synagoge aufgehängt׳ war, ließ die Kommission herunternehmen nnd übergab ihn. dem Gcneralprokurator. Auch ging ein Junge שמואל שפיייאר mit dem Ondmchout Musguetiers und einem Psüzcidicner in die Synagoge in der Lauge Hontstraat und nah!!; dort das Brettchen fort, auf welchem die Namen derer verzeichnet waren, die aus dieser Synagoge und der Beerdigungsgenossenschaft susgestoßm waren m\b nahm es mit. Später kamen einige böse Buben in Lieft Synagoge, brachen daselbst in Gotteslästerungen aus, schlugen auf den Almemor