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Jeschurun · 1885-11-19 · Heft 47 (19.11.1885) · p. 748

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 47 (19.11.1885)
Article
Über die jüdischen Ackerbau-Kolonien in Rußland
Date
1885-11-19
Page
748 (sequence 3)
Language
German
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748 Widerwille gegen die Kolonisation Platz griff. Selbst vom herrlichsten Klima begünstigt, und unter den günstigsten Bodenverhältnissen wären Kolonien bei solcher Wirthschast nie zur Blürhe gelangt. An den indischen Kolonisten hat es wahrlich nicht gelegen, wenn die Dinge eine unglückliche Wendung nahmen. Freudig, muthvoll hatten die Juden sich dem schweren Berufe zugcwcndet; cs gehörte sicher ein gewisscr Muth dazu, besaßen sie doch kein Vcrständniß von ber Lündwirthschaft, hatten sie doch auch mit Rücksichtslosigkciten seitens der Behörden und der Bevölkerung zu kämpfen. Sie ließen sich durch nichts beirren; das hehre Ziel einer geachteten gesellschaftlichen Lebensstellung vor Augen, war ihnen nichts zu hart, nichts zu schwer, sie wollten zeigen, daß sie arbeiten konnten, daß sie würdig waren, den übrigen Russen gleichgestellt zu werden. Den Beweis haben sie geliefert, die Zuhmft freilich, auf die sie ihre Hoffnung gesetzt und für deren Sicherung ihnen kein Opfer zu groß und zu schwer gewesen, die haben sic nicht erreicht. Daß der jüdische Bauer wirklich ein echter Bauer geworden ist, das zeigt sich am deutlichsten daran, daß der deutsche Grundbesitzer zu landwirthschaftlichen Arbeiten am liebsten Juden ans den Kolonien engagirt. Es nlögen heute in diesen Kolonien noch 20000! Bauern anzutrefsen sein, die durch ihre fleißige Arbeit den vollen Beweis bafür liefern, daß die Inden auch zur Landwirthschaft wohl befähigt sind. KsmsMldmM und Nachrichten Deutschland. * Hannover, 1 8. Novbr. Herr Adolf Wertheimer hat der zu gründenden AltervcrsorgnngSanstalt mit der bannt verbundenen Krankenstation den Betrag von 6000 Mark zugewendet Möge dieses hochherzige Beispiel recht viele Nachahmung finden. -L- Berlitt, ] 6. November. Also cs ist jetzt wahr und gerichtlich festgestellt, daß der deutsche Krön- Prinz den AnnsemilismnS als eine Schmach unseres Jahrhunderts bezeichnet hat. Die geehrte königstreue ״Krenzzcitnng" ist aber anderer Ansicht. Ihr ist die antisemitische Strömung eine wirthschaftliche und politische Nothwehr des deutschen Volkes, wie sie in einer Auseinandersetzung unterm!3. November sich ausspricht. Dabei will sie sich von Haß frei wissen. Nun drängt sich die Frage auf: erstens — warum ist die antise« mitische Strömung eine politische und wirthschaftliche Nothwehr? und zweitens — wodurch unterscheidet sich dieselbe von dem gewöhnlichen Haß, der doch auch meistens das Crzeugniß des Gefühls ist, daß der Gegenstand derselben uns unbequem ist? — Endlich möchte auch die Frage zu erwägen sein: sollte der er׳ lanchtc Fürst nicht ebenso einsichtig die politischen und wirthschaftliche!! Verhältnisse Deutschlands zu beurtheilen im Stande sei? 11. A. w. g 6. Berlin, November. AuS den Standes- Verhältnissen für den Monat September sind folgende Daten von Interesse. Unter 1012 Eheschließungen waren 21 jüdische Paare. Ferner gingen 3 jüdische Frauen mit evangelischen Männern und 4 jüdische Männer mit evangelischen Frauen eine Zivilehe ein. Ein Dissident, heirathete eine jüdische Frau. M. Ans MitLelfrankctt, 12. November. Gewähren Sie der folgenden Mitthcilung ein bescheidenes Plätzchen in Ihrer geschätzten Zeitung. Sie liefert gewiß einen kleinen Beitrag zu der Geschichte der Gegenwart. Ans der jüngst zu Ansbach abgehaltencn evangelischcn Generalsynode war von der Syitodc WinSbach beantragt worden, der regelmäßigen Kirchenagcnde auch eine Bitte um Bekehrung der Heiden und Inden ein-;rffngcn. Hiergegen machte der Herr Dekan Seßner auS Fencbtwcmgen und der Herr Senior Breudel ans das Ungeeignete einer solchen Fürbitte für die Bekenner des alten Bundes geltend, die man doch unmöglich mit den Heiden ans eine Linie stellen könnte. Andererseits, und .zumeist von Herrn Dr. v. Stachlin, wurde auch geltend gemacht, daß man um so weniger jetzt eine solche Bitte für die Bekehrung der Israeliten adoptiren dürfe, da man damit leicht der bedauerlichen antisemitischen Strömung des Gottlob bislang von derselben befreit gebliebenen Bayern erschließen könne. Dieser Ansicht schloß sich auch die Mehrheit an und die evangelische Kirche bleibt von der Fürbitte um die Belegung Israels verschont. H Köln, 12. November. Der wackere Verein des jüdischen Lehrerseminars im Rheinland zu Köln hat soeben seinen Bericht über die Jahre 1882, 1883 und 1884 ausgegeben. Dem Vereine ist die Qualität einer juristischen Person beigelcgt worden, der Lehrplan und demgemäß auch die Lehrkräfte sind erweitert worden. Im verflossenen Schuljahre haben 13 Zöglinge die Staatsprüfung gut bestanden und Anstellung in Synagogengemeinden gefunden. Es ist dem Verein möglich gewesen, ein schönes, geräumiges Gebäude nebst einer Synagoge für seine Zwecke zu errichten. Oas neue Schuljahr beginnt mit 27 Zöglingen. Möge der Verein ferner wachsen und gedeihen, möge die von ihm gegründete und unterhaltene Anstalt unter Leitung ihres gelehrten und verdienstvollen Direktors, des Herrn Rabbiner Dr. Plato, segensreich walten zur Ehre Gottes, zum Heile des Judenthums. ~ Dresden, November. Von Herrn Dr. Wünsche wird folgende Erklärung veröffentlicht: Schon im Vor-

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