Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1885-11-12 · Heft 46 (12.11.1885) · p. 724

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 46 (12.11.1885)
Article
Henne am Rhyn über den Antisemitismus
Date
1885-11-12
Page
724 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2933101-2933146-2963256--20281-2963322
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

724 dasjenige, was der Verfasser über die nach seiner Meinung veralteten jüdischen Religiousgcsctze, als: Sabbath, Spcisegesetze. Eircumcision, ansührt, unberührt lassen, lieber diese Besorgnis einer Judenhcrrschaft aber fährt er fort: Aber ist das ein Grund dazu, daß ״urkräsligc Germanen", 39',2 Millionen an der Zahl, fürchlen müssen, von einer halben Million Semiten unterjocht zu werden, unterjocht von Leuten, die ״wegen ihrer krummen Körperbeschaffenheit nicht mehr als ein Seidel Bier vertragen können'?"- Pfui über solchen germanischen Männermulh! Pfui vielmehr über solche undcutsche Altweibcrangst Die antisemitische Agitation verlangt Ausschließung der Juden von Richter- und Lehrcrstellen in gewissem Maße. Wir möchten das Gesetz sehen, das eine solche Maßregel in Worte zu kleiden hätte! ״Inden sind .... ausgeschlossen". Wer sind aber Juden? DaS müßte doch näher präzisirt werden! Angenommen, cS hieße: Anhänger der mosaischen Religion; — die nach Stellen der angegebenen Arten lüsternen Juden ließen sich aber taufen? Getaufte Juden sind doch nach Versicherung der ״Antisemiten" (und die müssen eS doch wissen!) nicht besser als die ungetansten! Was wollten da die Judenfeinde machen? Oder die stellenlustigen Juden erklären sich einfach' als konfessionslos, versichern, Mitglieder keiner Synagogengcmciudc zu . sein? WaS dann? Nun, da würden sich vielleicht die Antisemiten damit helfen, daß sie in den ersehnten Gesetzen zu sagen Vorschlägen: ״Leute von israelitischem Stamme". Glaubt man aber wirklich, es ließen sich ehrbare Gesetzgeber in Deutschland finden, die einer solchen den Stempel der Gehässigkeit an der Stirne tragenden Bestimmung zur Geltung verhelfen würden? Und wenn auch, — wie wollte man getauften oder konfessionslosen Juden beweisen, daß sie dem Volke Israel angehören? Nach der Physiognomie? Es giebt Nichtjuden mit entschieden jüdischem Typus und Juden ohne allen solchen; eine Rücksichtnahme darauf würde׳ zu eben so viel häßlichen wie lächerlichen Szenen führen! Oder nach dein Namen? Wo entscheidet denn der noch? Welche Löwcnbcrg. Bremer, Meyer sind Inden und welche sind cs nicht? Giebt cs nicht gute Christen und Germanen, welche die alttcstamcntlichen Namen David und Zacharias führen? Nicht echte Juden mit dem Familiennamen Hermann? Kurz, man möchte sich flüchten hinter welchen Wortlaut mau wollte, so stieße man auf einen Anachronismus und zugleich aus eine unüberwindliche Schwierigkeit! Und schließlich. — wer steht denn den Antisemiten dafür, wie lange ihr AuSschlicßnngsgcsctz in Kraft bleiben würde? Könnte nicht eine Gegenströmung cs schon nach kürzester Zeit wieder wcgblasen? Tendenzgefttzc sind immer eine gefährliche Waffe und lockern die Achtung, welche das Gesetz unter dem Volke genießen soll. Diejenigen den Juden gemachten Vorwürfe endlich, welche in das sittliche Gebiet gehören, wird man uns erlassen auSführ-!ich zu behandeln. ES giebt, was keinem billig denkenden und gerecht urtheilenden Menschen näher auseinandergesetzt zu werden braucht, unter jeder Nation und unter den Anhängern jeder Religion gute und schlechte Menschen und zahllose Zwischenstufen verschiedener Mischungen von Charakteren. Der jpatikan und die Ausweisungen Der offiziöse päpstliche ״Osscrvatore Romano" hat, so schreibt die ״N. Pr. Ztg.", die Behauptung des ״Diritto" widerlegt, daß die Ausweisungen aus Preußen als eine exclusiv antikatholische Maßregel aufznsassen seien. Der ״Osservatore" widmet dieser Polemik in der Nummer vom 29. Oktober einen Leitartikel, der unter Anderem folgende Stelle enthält: ״Wir antworten dem ״Diritio" nur deshalb, damit das traurige und skandalöse Schauspiel aufhöre, daß in Italien und in Rom ein Blatt existirt, welches seine Freude über diese angeblichen Beschimpfungen der katholischen Religion keineswegs verhehlte. Wenige Worte genügten uns, um zu beweisen, daß seine; Konjunkturcu mehr auf Mißgunst als auf Vernunft beruhten. ’ Die kategorische Erklärung der ״Berliner Politischen Nachrichten", welche die Insinuation von einem Kreuzzug gegen den Katholizismus entschieden dcmcntirten, hätten den ״Diritto" eines Besseren belehren sollen. Wer und von welcher Abstammung die Ausgewiesenen eigentlich sind, das beweist schon das Faktum, daß sehr viele in Galizien ortszuständig sind. Es sind Juden, d. h. sie gehören zu der vagabondirenden Nasse, welche die Welt durchirrt und stets dahin fluthet, wo sich die beste Gelegenheit bietet, um dem Volke durch seine Wuchergeschäfte das Blut anSzusangcn, eine Nasse, die alles verpestet und vergiftet, wo sic sich cinnistet. DaS unglückliche Polen — unglücklich gerade in dieser Beziehung — besitzt bau■ stärkste Kontingent davon. Von dort aus überschwemmt sie die angrenzenden Länder. Oer Jude, der kein Vaterland hat, der durch Betrug auf alles spekulirt, der Jude, der theils aus Haß gegen jedes zivilisirle und christliche Regiment, theils aus Rassen-Entartung sogar den Militärdienst verabscheut, ist daran gewöhnt, im Auslande herumzuvagaböndiren. AuS Galizien zieht cr nach Posen. Dort figurirt cr daun als Ausländer, und so.entzieht er sich der Militärpflicht. Genau so machen cs die russisch-polnischen Juden. Der polnische Katholik hangt an seiner Scholle und zieht nicht in die Fremde.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.