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Jeschurun · 1885-11-05 · Heft 45 (5.11.1885) · p. 714

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 45 (5.11.1885)
Article
Herr Professor Strack und Herr Hofprediger Stöcker
Date
1885-11-05
Page
714 (sequence 2)
Language
German
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heute Herr Professor H. Strack in der Wohnung des erstgenannten Herrn ein. Er erklärte, dag er, wie er überhaupt stets Frieden gewünscht und dies auch durch seinen Brief vom 2t. Oktober bcthätigt habe, so auch jetzt — schon um der Vermeidung öffentlichen Aergernisses willen — Frieden wünsche, aber nur ehrlichen und dauerhaften. Zu solchem sei es erforderlich, daß seine etwaige Einigung mit dem Herrn Hofprediger Stöcker auch im ״Reichsboten" zu unzweideutigem Ausdruck komme, weil er nur daun vor weiteren Angriffen, namentlich des ״Neichsbotcn", geschützt zu sein - glaube. Er schlägt vor, daß von Herrn Hofprediger Stöcker, Herrn Ned. Pastor a. D. Engel und ihm selbst eine gemeinsame Erklärung im .,Reichsbotcn" veröffcntlicht werde, dahin lautend: t) Die Angriffe im ״Reichsboten" gegen Herrn Professor Strack werden zurückgenommen; 2) May wird entlassen; 3) Strack nimmt seine Bezweiflung dcr Wahrheitsliebe Stöckers zurück. Als vorläufiges BewciSmaterial zitirt -Herr Professor Strack .... und gab über diese Punkte mündliche Erklärungen. Für den Fall, daß Herr Hofprcdiger Stöcker zu direkten Verhandlungen auf dcr Basis obiger Erklärung bereit ist, ist Herr Professor Strack zu solchen bereit. Andernfalls ist er bereit, die Angelegenheit vor einem Schiedsgerichte verhandeln zu Lassen, welches aus .... bestehen könnte. Wenn dieses erkläre, daß Stöcker, abgesehen vom Prozeß Bäcker, nicht leichtfertig gewesen, würde Professor Strack die Erklüruug vom 20. d. öffeuLllch zurückriehmen. Wenn es dagegen erkläre, Stöcker könne sich nicht öffentlich rechtfertigen, würde Professor Strack zur friedlichen Beilegung der ׳Angelegenheit auf Basis der oben skizzirtcn Erklärung auch dann noch bereit sein. Die Unterzcichuctcu find überemgekommen. daß in diesem Protokoll nicht erwähnte Punkte (dcr Unterredung) Niemandem mitgetheilt werden. (gcz.) F. v. Hamm er ft ein. (gez.) Professor H. Strack. Korrchöirdenzen und Nlichrichicil. Deutschland. 0. Berlin, 27.Okt. Das heutige ״Bcrl. Tagebl." bringt die bekannten Acußcruugen des deutschen Krön- Prinzen über die Antisemitenbewegung wie folgt in Erinnerung, wie sic seiner Zeit im Abgeordnetenhanse vollgültig bezeugt worden sind. Thatsache ist, daß dcr Krön- Prinz zuerst im Winter 1879/80 in einer Sitzung dcrViktoria-Jnvaliden-Nationalstistungzum Geheimen Kammerzicnrath Magnus. Vorsitzenden der jüdischen Korporation in Berlin, geäußert hat, daß diese antisemitische Bewegung ״eine Schmach für Deutschland sei, daher während seines voraufgegangenen Aufenthaltes in Italien den Ausländern gegenüber sich dieser Agitation geschämt habe." Diese Aeußeruugen wurden damals in der Presse sosort bekannt gemacht; sie wurden am 12. Januar 1881 vom Abgeordneten Eugen Richter in der großen Berliner Wahlmäuner-Bcrsammlung zitirt, nachdem als Ohrenzeugen schon früher der Reichstags- und Landtagsabgeordnete Geheimer Ober-NegicrungSrath Wulfsheim und am selbigen Tage noch Geheimer Kommerzienrath Magnus die Richtigkeit der Acußcruugen dem Abgeordneten Eugen Richter bezeugt hatten. Zwei Tage nach dieser Versammlung, am 14. Januar 1881, nahm dcr Kronprinz Veranlassung, — wiederum bei einer Sitzung der Viktoria-Jnvalidmstiftung — dem Geheimrath Magnus gegenüber aus jene frühere Acußerung zurückzukommen. Der Kronprinz äußerte: ״Daß er dieselben Anschauungen noch wie damals hege und die antisemitischen Bestrebungen aus das Entschiedenste mißbillige und verwerfe. Was seine Gefühle dabei am meisten verletze, sei die Hineintragung dieser Tendenzen in die Schute und Hörsäle. - In die Pflanzstätten des Edlen und Guten sei dieses böse Samenkorn hineingeworfen worden; hoffentlich werde cs nicht zur Reife gelangen. Er vermöge es nicht zu' fassen, wie Männer, die auf geistiger Höhe stehen oder ihrem Berus nach stehen sollten, sich zum Träger und Hülssmittel einer in ihren Voraussetzungen׳ und Zielen gleichmäßig verwerflichenAgitation hergeben könnten. Er gebe sich dcr sicheren Hoffnung hin, die Bewegung werde sich langsam im Sande verlieren, denn derartige ungesunde Dinge könnten keinen Bestand haben." 0. Berlin, 20. Okic^/r. Eine grausige Enthüllung, schreibt die ״Freist Zig.". bringt der ״Reichsbote" über die Stöcker-Versammlungen in London. ״Der dunkle Schleier ist gelüftet." Die ״schauerliche Rachsucht des JudenthumS" war cs, die im Kündniß mit den rot Heu Sozialdemokraten, den Anhängern Most's, Stöcker s. Z. von der Plattform in der öffentlichen Versammlung herunter und zum Hause hinaus geprügelt haben. ״So wird sicherlich die Zeit auch noch das Dunkel lichten, das jetzt über manchen anderen, an Stöcker verübten Bubenstücken jüdischer Rachsucht, um einen deutschen Mann zu verderben, liegt." — Hu, wie grausig! Leider enthüllt Herr Pastor Engel nicht, ob er oder sein antisemitisch jüdischer Unterredaktcur, der Di׳, philadelpliiae Simon May, diese Entdeckung gemacht hat. -a- Berlin 1. November. Es giebt nichts, welches nicht auf Sympathie rechnen könnte. Auch die Rumänen sind nicht so ganz menschenverlassen, sie finden wenigstens ein Herz, das mit ihnen fühlt. Wenn auch die gefammte Presse des Auslandes ihr MenschensrenndlichcS Verhalten gegen die Juden nicht billigt.

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