Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1885)
- Article
- Herr Professor Strack und Herr Hofprediger Stöcker
- Date
- 1885-11-05
- Page
- 713 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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OCR text
M 45 713 Zeschurüit. Zerr Proftssör Strack mrd Zerr Kotzrckiger Stöcker. Herr Professor Strack erläßt folgende Erklärung: ״Bei der Verhandlung des seitens der Redaktion dcS ״Ncichsbotcn" durch den Mitarbeiter des ״NcichSboten Simon May gegen mich angestrengten Prozesses habe ich vor Gericht eine Erklärung abgegeben, welche nur für die mit den Ereignissen Unbekannten mit dem Prozesse nicht in Zusammenhang stand, — die Erklärung nämlich, daß diejenigen Beweise, welche ich hinsichtlich der Wahrhaftigkeit deS Herrn HofprcdigcrS Adf. Stöcker (meines eigentlichen Gegners) Vorbringen könne, für sein Verhalten zu einem ״schärferen Ausdruck als leichtfertig" Anlaß bieten. Mit Rücksicht auf die mir und Herrn Hofprediger Stöcker wesentlich gemeinsame Stellung, sowie auf die Beschaffenheit eines großen Theils seiner Gegner und in Erwägung der Wünsche christlicher Freunde bot ich die Möglichkeit zu einer Verhandlung. Eine Grundbedingung für jeden Ausgleich war mir, daß Friede nicht nur zwischen mir und Herrn Hofprcdiger Stöcker, sondern auch zwischen mir und seinem übereifrigen Anwalt, d. i. dem ״Reichsboten'׳, geschlossen und erklärt werde. Dic vorgekommcncn Fälle von Unwahrhastigkeit seitens dcS Herrn Hof- Prediger Stöcker ließen sich natürlich nicht ungeschehen machen, und nie würde ich freiwillig meine Erklärung vom 20. Oktober so mvdifizirt haben, daß zu folgern gewesen wäre, cs seien solche Fälle nicht vorgekommeu. Demgemäß gab cs nur eine Möglichkeit, den Eindruck, den meine Erklärung gemacht hat oder machen kann, abzuschwächen oder zu beseitigen: Herr Hofpredigcr Stöcker mußte mir durch ein von ihm für die Wahrheil gebrachtes Opfer ermöglichen, an jetzt bei ihm vorhandene Wahrheitsliebe zu glauben. Ein solches Opfer war ich bereit als gebracht anzuerkcnnen.׳ wenn Herr Hofprediger Stöcker Zurücknahme der vom ״Reichsboten" im Kampfe für Herrn Stöcker gegen mich verösfentlichten Angriffe und Entlassung des Simon May durchsetzte. Diese Forderung (eine andere mit dem Prozesse in Zusammenhang stehende wußte ich nicht zu »rc-chen, und eine andere Leistung ist mir nicht angeboten worden) war nicht schwer; denn Herr Hofprcdiger Stöcker weiß, daß der ״Rcichsbotc" mir Unrecht gethan hat, er kennt die Persönlichkeit dcS Simon May und hat, wenn er ernstlich will, den erforderlichen Einflnß auf den ״ReichSbotcn". Immerhin hätte der Haupitheil der gemeinsamen Erklärung dann nach einem vor mir am 23. Oktober ׳ gemachten und dem Herrn Freiherrn v. Hammerstein am 24. Oktober vorgelesenen Entwürfe lauten können: ״Die im ״Reichsbotcn" von Nr 106 an . . . vorgcbrachten Angriffe werden hiermit auf Grund neuer guter Information für unbegründet erklärt und znrückgcnommcn. Da sich hcrauSgestcttt hat, daß die Hauptschuld des Zerwürfnisses an dem bisherigen Mitarbeiter des ״Reichsboten" Simon May liegt, von dem auch jene Artikel zum Thcit herrühren, ist sein Berhültuiß zürn .,Reichsboten" hiermit für immer beendet. Dadurch ist auch die WahrheitSliebe des HofprcdigcrS Stöcker für Professor Strack in ein anderes Licht gerückt, und letzterer . . Die daun noch folgende Bezugnahme auf meine im Prozeß abgegebene Erklärung wurde ich natürlich je nach der schnelleren oder langsameren Anerkennung der Wahrheit durch Herrn Hofprcdiger Stöcker verschieden formulirt haben. In dem felsenfesten Ver׳ trauen auf den Sieg der Wahrheit und die Triftigkeit -meiner Beweise schlug ich sogar am 24. Oktober (siehe hernach) ein Schiedsgericht vor und erbot mich, meine Erklärung ohne Weiteres öffentlich zurückzunehmen, wenn dieses entscheide, daß Herr Hofpredigcr Stöcker ״nicht leichtfertig" gewesen sei. Ja ich bin, um, wenn irgend möglich, den positiv-christlichen Kreisen vffentlichcs Acrgerniß zu ersparen, im Streben nach Frieden so weit gegangen, daß ich, auch nachdent das Schiedsgericht die von mir vorgelegtcn Beweise anerkannt haben würde, zu weiterer Verhandlung bereit zu sein erklärte, — in der Hoffnung, daß cs Herrn Hosprediger Stöcker dann noch irgendwie gelingen werde, mich zu überzeugen, daß er wenig stcns jetzt der Wahrheit nachjage. Und nun hält der Herr Hofprediger Stöcker, dessen Verhalten vom 21. Oktober an bis zum Heutigen Tage ich hier nicht charakterisiren will, cs für erlaubt, dieses mein Entgegenkommen zum Ausgangspunkte einer Drohung zu machen! Zum Beweise, daß ich in meinem Verhalten gegenüber dem Herrn Hof- Prediger Stöcker die Oesfcntlichkcit nicht zn scheuen habe, theile ich in der Anlage das Protokoll vom 24. d., mit der Ankündigung von dessen Veröffentlichung er mich eittzufchüchteru meint, selbst wörtlich mit. Die durch Punkte bczeichuete Weglassung erstens des Beweismatcrials und zweitens der Namen derjenigen drei streuglutherischcn und konservativen Herren, auS denen das Schiedsgericht bestehen sollte,' branchc ich hier nicht zu begründen. Ich erwarte, daß alle ehrenhaften Zeitnngen, welche das nun folgende Protokoll mitthcilen, auch diese meine Erklärung aufuehmeu werden. Berlin, 30. Oktober 1885. Professor Dr. Hermann L. Strack." Das Protokoll selbst lautet: ״Verhandelt Berlin, 24. Oktober 1835,. Abends 5 Uhr. Infolge der am 22. Oktober zwischen Herrn Frcihcrrn v. Hammerstein und dem Herrn Gerichtsassessor Witting veranstalteten Besprechung fand sich