Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1885-11-05 · Heft 45 (5.11.1885) · p. 711

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 45 (5.11.1885)
Article
Das todte Meer
Date
1885-11-05
Page
711 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2932754-2933101-2933145-2963146--20211-2963216
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

711 Meere eigen. In allen Uebergängcn und Zuständen, als flüssiger pcLroleumhaltigcr Theer, als reiner, fester Asphalt, oder mit Mergel und Kreide vermischt, ist daß Erdpech hier anzutresfen. Letzteres ist das im Alrerihum berühmte Bitumen, das bei Flamme brennt, mit b£2i man die Schisse!a-fatcrle und die Leichen balsauurte. Daß Gebirge am Westnfer ist von RaS Feschka bis Dschebel Usdnm von diesem schwarzen Stein durchzogen, so daß diese ganze Kette bituminös duftet. Nach den! Erdbeben am 1. Januar 1837, das die ganze Jvcdanspalte und die Umgegend erschütterte, zeigte sich auf dem See eine so ungeheure Menge Asphalt, daß die Beduinen auf dem Markt zu Jerusalem dafür nach und nach 6000 Gulden lösten. Darnach bergen auch der Seeboden oder die Felswände, die unter Wasser stehen, Asphaltschichten, die sich nach ErderfchnL!erringen losreißen und da der Asphalt noch spezifisch leichter als das Wasser deß todten Meeres ist, auf die Oberfläche steigen. Asphalt kommt also wohl irr Menge am todten Meere vor, doch deshalb sind die Berge am See keineswegs ausgebrannte Krater. Weil die Heilige Schrift von der Katastrophe, die über Sodom und Gomorrha hereinbrach, erzählt, machte man das todte Meer zu einem Schwefelpfuhl und fabelte von alten Lavaströmcn und schauerlichen schwarzen Wänden, die am Ufer noch zu sehen wären. Nun enthalten zwar die heißen Quellen in! Wadi des Zerka Main auch Schwefel, aber nur in geringen! Maße. Man hat überhaupt nirgends am See Schwesekgnrbeu entdeckt. Die Berge am See zeigen keine Spuren einstiger vulkanischer Thätigkeit. Dies stet schon den! Geologen Russeggcr auf, und Lynch erzählt, daß die einzelnen Schichten der Berge in so regelmäßigen Bänken übereinanderliczcn, daß sie von weitem wie eine wunderbare Stadt voller Walle und Kastelle aussehcn, während sie in der Nähe zum merkwürdigen FelSgebirge mit vorspringenden Lagen werden. Und Dr. FraaS erzählt, daß er nie so enttäuscht war, als bei seiner Ankunft am todten Meer. Denn während er nach den Berichten der Reisenden niindestcnS phlcgräische Felder hier zu sehen hoffte, fand er, daß die Schichten nicht schöner übereinander liegen konnten. Aber auch Fraas sagt. Laß ü! solch tiefen Erdspalten die heftigsten Erderschntlerungeu nichts Seltenes sind, wie die großen Erdbeben von 1834 und 1837, bei denen 6000 Menschen in den Städten TibcriaS und Safed umkamen, beweisen. Auch 1759 erschütterten vom 30. Oltsoer an drei Monate hindurch immer neue Erdbeben die Jordanspalte, wobei mehrere Lausend Menschen zu Grunde gingen. So kehren die neuesten Forschungen unter BeseNgtuig Lee bisherigen Armrrhmc eines LavastromS immer mehr zu der Erzählung der Heiligen Schrift zurück. ___ Mann ZeßsMtz. Von Naphtali Simon. . ־׳'״ (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Und so kam n!an denn auch endlich an dem Ende des Orts an, wo Jankel wohnte. Sein Nachbar, der Krüger Moschte Kroski, war durch die furchtbare, an seinen Berufsgenossen, Chaskel Plotzkow, und dessen Familie verübte Grausamkeit gewitzigt worden. Er hatte eilig sein weniges baareS Geld und einige uothwendige Kleidungsstücke zusammengerafft, sodann das Haus verschlossen und war mit seinem Weibe, und seinen Kindern querfeldein gezogen, um unter Vermeidung der Landstraße, auf welcher er Schaaren von mord« und plünderungssüchtigem Gesindel anzutreffen fürchtete, die Gouvernemeuts-Hauptstadt zu erreichen, wo er sich geborgen hoffte. Ach, es ist ein bitteres,, herbes Leid, der Heimstätte den Rücken kehren und das unter Arbeit und Sorgen mühsam Errungene der Beutcgier blutdürstiger Naubgesellcn überlassen zu müssen. Wer vermag aber den Schmerz der Verzweifelung uachzuempfinden, wenn man gezwungen ist, mit Weib und Kind aru! und schutzlos ins Weite flüchten zu müssen, nicht wissend, ob man der entfesselten Mordlust entrinnen und das nackte Leben wird retten können? Da verstununt die Klage, da versiegt die Thräne; das Weh, das die Brust erfüllt, ist zu schwer, als daß es durch wilden Ausbruch Linderung suchen sollte, lieber Moschte Kroskis Lippen drang kein Laut. ' Schweigend schritt er eilends daher, den Quersack auf den Schultern, schweigend wandelte neben ihm sein Weib, den Säugling an der Brust, schweigend gingen die drei älteren Kinder an ihrer Seite. Armer Mann, bcjammernswerthes Weib, beklagenswürdige Kinder, ihr hattet nicht lang zu wandern! Ein Trupp betrunkener MuschikS stieß auf sie und plünderte sie aus. Nicht genug. Einer der Rotte legte die Hand an MoschkeS Frau, um seine Lust an ihr zu stillen, da ergrimmte der Mann und schlug; den geilen Gesellen zu Boden. . Seine Genossen aber warfen sich auf Kroski, stießen ihm ein Messer in die Brust, schändeten sein Weib, Lödteten auch eS, trieben bestialische Kurzweil mit den Kindern und schlachteten sie.dahin. Derweilen hatten daheim die guten Leute in ihrer Harmissen Freude MoschkeS Branntewein bizum: letzten Tropfen vertilgt, und weil es schon sich zum Abend neigte und das Wetter trübe war, so war cs in der ThaL ein ganz ausgezeichneter Gedanke

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.