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Jeschurun · 1885-11-05 · Heft 45 (5.11.1885) · p. 709

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 45 (5.11.1885)
Article
Wagner's Antisemitismus
Date
1885-11-05
Page
709 (sequence 3)
Language
German
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709 Das Vaterland würde dem weisen, muthigen Manne, der zum Heile der Gesittung seines Volkes also gesprochen und nach diesem Worte handelt, ewige Dankvarkcit bewahren und ihn feiern als seinen Erloser von dem seinen heiligsten Interessen gefährdenden antisemitischen Banne. Da aber Herr Professor Wagner augenscheinlich nicht diese Konsequenzen aus feinem Ansspruche zu ziehen geneigt ist, so liefert er selbst den betrübenden Beweis von der Stärke des dunkeln, instinktiven Triebes mtd der Macht der anererbten oder anerzogcnen Leidenfchaft, des Antisemitismus. Das Orggkk der KeMim Hule. die irwn Herrn Di׳. M. R a h in c r in Magdeburg Hel׳- ansgegebcne ״Israelitische Wochenschrift" setzt das in Nr. 43 begonnene Werk in ihrer Nr. 44 mit ungeminderter Kühnheit fort. Sic bringt an der Spitze dieser Nummer eine «Aufforderung znr Bildung einer freien Vereinigung für die Interessen des konservativliberalen Judenthums", deren Inhalt den in unserer jüngsten Ausgabe gekennzeichneten Artikel noch übertrumpft. Die Leistungen Pfefferkorns, Eisenmengers und deren Nachfolger werden dadurch in den Schatten gesetzt. Diese israelitische Wochenschrift wird fortan zn den klassischen Erzeugnissen jener Literatur zählen, welche die genannten Heroen angcbaut haben. Auch diese zogen gegen das orthodoxe Judcnthum zu Felde, ein konservativ-liberales war dazumal noch nicht erfunden. Wenn der Schreiber dieser Aufforderung zur Bildung einer freien Bereinigung für die Interessen des konservativ-libcralen JudenthumS jüdischer Abstimmung ist, so denunzirt er die Religion seiner Ahnen, indem er die Orthodoxie durch die hier folgenden Anführungen als ei» Scheusal stigmatisirt. Än derselben Nummer steht auch ein Mann ״vom Rhein" gegen das orthodoxe Judcnthum auf und rivalisirt mit dem Leitartilclschreibcr. Die Redaktion, welche ihn als ״einen greisen erfahrenen Theologen" dem Publikum vorstellt, hat anzugeben übersehen, welcher Religion dieser Theologe angchört. Zu einer der in Deutschland anerkannten Religionen gehört er offen׳ bar nicht. DaS orthodoxe Judcnthum ״rcpräscntirt und kultivirt" nach diesen beiden Kundgebungen der von Herrn Rabbiner Dr. Nahmer zu Magdeburg herauSgegebcncn ״Israelitischen Wochenschrift*״ ׳nichts weiter als eine cynische Gleichgültigkeit gegen den liefen Kern des JudenthumS", ihm ist >,bic Lehre Mosis gar nichts, der klare Wortlaut unserer gottbcgcisterten Propheten gar nichts." Die Orthodoxie ״muß", nach diesen Offenbarungen der ״Israelitischen Wochenschrift", ״wie Alles, was der Vernunft und Humanität Hohn spricht, im Strom der Zeit Schifsbruch erleiden." Und dabei hat man die eiserne Stirn ״von den Separationsgelüsten der Orthodoxie" zn reden! Wahrlich, cS gicbt keinen eklatanteren Beweis für die Noth- Wendigkeit einer Vereinigung zur Wahrung der Interessen des orthodoxen JudenthumS als diese öffentlichen Schmähungen desselben in dem Organe der Breslauer Schule. Das Me Meer. (Schluß.) Steigen wir nun von den Bergen an den See herab. DaS Gestade, sowie der Grund des SceS in dessen Nähe, besteht aus kleinen Steinen, die nur Splitter und Schutt des nahen Gebirges sind. Daran reiht sich gröberes Geschiebe, große Felsblöcke, die im Osten und Westen eine Art Wall bilden. Oberhalb desselben liegt hie und da wie im Süden von Enge di und zwischen dem Wadi Modschib und dem Zerka Main, ein Streifen bebauten Landes, von dem dann Berge anssteigen. Ein Meer nach unseren Begriffen ist die Salzfluth freilich in keiner Weise. Auf diesen Namen kann sie höchstens mit Bezug auf ihren außerordentlich reichen Salzgehalt Anspruch machen. Es ist ja nur 73 Kilometer lang und in der Mitte 1.7,8 Kilometer breit. Durch die Landzunge (Lijnn-Zunge) an der Südostknste wird es in einen kleinen südlichen Theil geschieden. Diese Landzunge verdank! ihre Entstehung dem Gebirgsstronle des Wadi Kerak. der einst den Schutt der Moab- Berge mit sich sortgerissen und hier abgelagert hat. Sie ist in der Mitte über 10 Meter hoch und fällt nach beiden Seiten wie ein faltenreiches Zeltdach ab. Sie erstreckt sich so weit in den See hinein, daß er׳ hier nur 3,5 Kilometer breit ist. Hier ist er auch nicht mehr tief und die davon südlich gelegene Bai ist nur Lagune, die höchstens 2 bis 3 Meter Tiefe erreicht und bei niedrigem Wasserstande am Ertde des Sommers wohl auch durchwatet werden kann. Wie der Everest im Himalaya der höchste Berg der Erde ist, so ist das tobte Meer die tiefste Kluft derselben. Steigt man, von der Küste von Jaffa und Ramleh aus, das Juda-Gcbirge hinan, so erreicht , man bei Jerusalem die Höhe von 760 Meter. Von hier geht cs dann zum tobten Meere 1154 Meter hinab, Bei dieser Wanderung wird man jedoch dieser ungeheuren Einsenkung der Erdrinde durchaus nicht gewahr, und so ist es erklärlich, daß man bis in unser Jahrhundert hinein, ja bis zum Jahre 1837, wo Dr.

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