Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1885)
- Article
- Die Ewigkeit der Mission Israels
- Date
- 1885-11-05
- Page
- 707 (sequence 3)
- Language
- German
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707 und Sara aber treten vor die Großen und Mächtigen hin, welche für die Ewigkeit gelebt zu haben wähnten. Ach, deren Zukunft ist gefährdet, wenn ihre Jugend nicht ans dem Born des abrahamitischen Zeltes den Trunk schöpft, der allein ihr Kraft und Dauer zu gewähren im Stande ist. Trotzdem zweifeln sie noch immer an der Wunderkraft der abrahamitischen Wahrheit und vermeinen, dieser Born könne nur von außen her daö erquickende, stärkende Naß ziehen. Wenn aber erst der ungetrübte Blick der Welt in der frischen Heilesknospe das alte Gepräge des AbrahamstammcS erkennt, dann erst schwindet aller Zweifel, dann erst erkennen Alle eitlmüthig an, daß von Abraham das Heil der Welt heraufzieht. . Wenn aber heute kein Mensch sich der Erkenntniß verschließt, daß Abrahams Hoffnung nicht getäuscht worden und die von ihm verkündete. Wahrheit und die über ihn ausgesprochene Verheißung, sich bewährt haben, wenn aus dem alten Stannn ein Volk hcrvorgcgangen, das —. was Niemand leugnet — der Träger der göttlichen Heilcsbotschaft an die Menschheit geworden — wie sollte man uns da schelten oder unser spotten, wenn wir an die endlich vollendete Verwirklichung dieser Verheißung unerschütterlich glauben? Wahrlich, unsere Zeitgenossen haben weit weniger Grund zu Zweifel und Spott! Schöpsen sie doch Alle aus dem jüdischen Born, nähren sie doch ihre Jugend mit der Milch, die dem jüdischen Busen entquillt! Freilich behaupten auch sie trotzdem, daß das, was der Menschen Heil ausmacht, nicht dem alten Judenthum entsprießt. Die Zeit aber wird kommen, wo ihnen die Binde von den Augen fällt und sie die Wahrheit erkennen, daß das sehnsüchtig erhoffte Heil der Zukunft nichts Anderes ist. als die alte Verkündigung, die das jüdische Volk getreulich bewahrt hat in dem Dunkel und dem Ianrmer der Jahrtausende. Was von dem wahren Leviten gesprochen, cs gilt auch von Israel, dem Leviten der Menschheit כי מלאן ד, צבאית היא, ein von Gott gesandter Bote ist cs. Es wandelt den Pfad, dm Gott es führt, unabhängig von allen irdischen Konstcllationen, und vollbringt die ihm zuerthcilte Mission im Dienste Gottes für die Menschheit. UaZkler's AtttjfkliiitiMlS. ״Liegt nicht der Antipathie gegen die Juden eine gewisse historische Animosität zu Grunde?" Keinem Geringeren als Professor Adolf Wagner entstammt dieser Ausspruch. Am Abend des 26. Oktober d. I. hat er denselben in seinem Vortrage ״Zu den Landtags- Wahlen", laut dem darüber erstatteten ausführlichen Berichte der ״Kreuzzcitung" in Nr. 252, gethan, und zwar zu dem Zwecke, um dadurch die antisemitische Bewegung zu rechtfertigen. Herr Wagner ist ein viel zu bedeutender Mann, als daß nicht ein jeder von ihm geäußerter Gedanke der reiflichsten Erwägung wcrth wäre. Ein Ausspruch aus feinem Munde über das Wesen und die Berechtigung des Antisemitismus verdient aber um so mehr die sorgfältigste Beachtung, da er, als Freund und Genosse des MatadorS der reichShauptstädtischen Bewegung, des Herrn Hofprediger Stöcker, sicherlich einer der kompetentesten Beurthciler des Objektes ist, welchem dieser Ausspruch gilt. Wir bemerken vorweg, daß wir die Wahrheit des Wagner'schcn Satzes durchaus anerkennen und vor dem Muthe der sich darin bekundenden strengen Selbstbeurtheilung und Verurtheilung alle Achtung haben. Scharfer und präziser kann der heutige AntiscinitiStnns nicht in seinem innersten Wesen gekennzeichnet werden, aber auch vernichtender kann ihm der Stab nicht gebrochcn werden, als eben durch diesen Ausspruch eines seiner vornehmsten Vertreter. Der AntiftmitiSmus ist demgemäß nichts Anderes, als die gegen die Juden gehegte Antipathie, welche in einer historischen Animosität ihren Grund hat. Damit ist er aus dem Bereiche der vernunftgemäßen Erscheinungcn gewiesen und ihm die Berechtigung abgesprachen, als ein zu beachtender Faktor in der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten zu gelten. Damit sind alle Bekundungen, welche über Inden von antisemitischer Seite lautbar werden, dergestalt verdächtigt, daß sie eines jeglichen Anspruchs auf objektive Wahrheitsbezeugnng durchaus entbehren. Antipathie ist doch nichts Anderes, als eine sich der Kontrolle des Verstandes entziehende, den niedcrn thierischen bewußtlosen Trieben angehörende unbehaglichc Stimmung, welche gcwisie Vorstellungen erregen, ohne daß über dieses widrige Gefühl irgend welche vernünftige Begründung angegeben werden kann. Mancher empfindet eine Abneigung gegen bestimmte Farben, Töne, Gerüche, gegen bestimmte Pflanzen, Thiere, Menschen, ohne daß durch diese Abneigung irgend ein zu beachtendes allgemein gültiges Urtheil über diese Gegenstände seiner Abneigung abgegeben ist. Der Dust der Nose, der Klang der Violine bleiben für die ganze übrige Welt angenehm, wenn auch eine bestimmte Person dagegen eine Antipathie bekunden sollte. Es liegt nur an der Mangelhaftigkeit der Organe dieser Person, daß sie nicht im Stande ist, die betreffende Vorstellung in ihrer Objektivität auf sich einwirken zu lassen, oder sie verbindet damit nicht nothwcndig dazu gehörige Nebenvorstellungcn, die ihr dieselbe verhaßt machen. Einer Person ist z. B. an einem bestimmten A