Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1885)
- Article
- Bemerkungen zu den Verhandlungen und Beschlüssen der Rabbinerversammlung zu Berlin
- Date
- 1885-10-29
- Page
- 691 (sequence 2)
- Language
- German
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Grunde nur das gesagt, was wir Alle wünschen, ihr müßt ihn nur recht verstehen. Kollege Wedell will auch gar nichts Anderes und Kollege Horowitz auch. Nur ruhig Blut, steckt die Säbel in die Scheide und paßt einmal gehörig auf — ich will cS euch explizircu! ״Selbstverständlich sind wir Alle der Ansicht, daß es w ü n s ch e n s w e r t h ist, uns zu b e m ü hen, soweit der NcligionSunterricht der Lehrbücher ermangelt, solche neu zu beschaffen." Es sind ja auch ״schon ganz vortreffliche Bücher, sei cs für den Religionsunterricht im engeren Sinne, sei eS für den Unterricht in Neligionsgeschichte, vorhanden. Wollen wir durch unsere Ne׳ solution zu weiteren nützlichen Produktionen anregen, so ist das gewiß zu loben." Ist das nicht fein? Wie Oel in hochgehenden Wogen, so beschwichtigte diese weife Rede die aufgeregten Gcmüther und brachte sie zur ruhigen Ueberlcgung. Herr Joel fuhr aber fort und wies nach, daß sie ״ein offizielles Ncligionsbuch gerade nach ihrem Programm nicht gut Herstellen könnten." ״Wir haben ja die Prinzipimfrage ausgeschlossen in der Voraussetzung, daß eine Vcrsammlung positiv gesinnter Männer viel Segensreiches bewirken kann, wenn gewisse prinzipielle Differenzen nicht Gegenstand der Debatte sind; das ist aber unthunlich, wo es sich um die Anfertigung eines Religionsbuches handelt." Herr Di30 .׳el soll ein feiner philosophischer Kopf sein. Nach Berlin scheint er aber die Philosophie nicht mitgebracht zu haben, oder er hat seine ehrwürdigen Herren Kollegen nicht für reif gehalten, seine Philosophie zu verstehen. Hier erscheint er als der glatte Diplomat mit dem überlegenen Lächeln auf den Lippen. Mit dem Kompliment ״positiv gefilmte Männer" und der Versicherung, daß sie vereint ״viel Segensreiches" bewirken könnten, schmeichelt er den Kollegen. Aber, Freunde, ״gewisse prinzipielle Differenzen" müßt ihr hübsch unberührt lassen. Weiser Salomo! ״Positiv ' gesinnte Männer," herrliche Be« Zeichnung, würdige Erfindung deiner diplomatischen Klugheit, ganz geeignet für den gedankenlosen, unphilosophischen Haufen, dem du damit ein neues Stichwort als Spielmarke geschaffen! Es soll uns Wunder nehmen, wenn diese neue Bezeichnung nicht allgemein adoptirt wird, um damit die Halbheit, Hohlheit und Leere zu decken, um eine große Partei-zu bilden, die nichts Gemeinsames hat. als die Unklarheit ihrer Anschauung, als die absolute Prinzipien- und Planlosigkeit. Denn wo giebt eS einen Mann, der nicht ״positiv gesinnt" wäre? Etwas will ein Jeder, nur über das Was gehen die Ansichten auseinander. Die Flagge ״positiv gesinnte Männer" können Alle aufhissen, sie deckt Lüge und Wahrheit, Thorheit und Weisheit, Verrath und Treue. Und Herr Dr. Joel will seinen Kollegen und der Welt glauben machen, daß ״viel Segensreiches bewirkt werden kann", wenn alle diese ״positiv gesinnten Männer" Zusammengehen, der die Lüge positiv Wollende mit dem Vertreter, der positiven Wahrheit, der positive Thor mit dem positiven Weisen, der positiven Verrath Sinnende mit dem positiv Treuen? Ach nein, der Herr ist schlau genug; er blinzelt uns verständnißvoll zu: beachtest du denn nicht die hinzugefügte conditio sine qua non ״wenn gewisse prinzipielle Differenzen nicht Gegenstand der Debatte sind." Sichst du denn nicht, Lieber, daß ich weislich mir den Rücken gedeckt habe? Wir wollen hier den jüdischen Religionsunterricht traktiren, daS müssen wir thun, um unserer Gemeinden Witten thun, welche dergleichen sehr lieben. Nun sind wir weder über das Wesen der jüdischen Religion einig, noch über den besten Unterricht in dieser Disziplin. Doch wir wollen Alle etwas, wenn wir auch manchmal nicht recht wissen was, wir sind ja alle Rabbiner, also sehr positiv gesinnte Leute ex officio, das sage ich demnach doch mit Fug und Recht. Viel Segensreiches, behaupte ich, können wir positiv Gesinnte bewirken, welches Segensreiche, das mag Jeder sich selbst nach seiner Fac'-on zurechtlegen. Dieses aber auch nur dann, wenn die Gegensätze gar nicht erörtert werden. A. will die Lüge, B. die Wahrheit, C. die Thorheit, D. die Weisheit — mag Jeder das zu Erstrebende sich denken wie er will — wir sagen einfach: es muß Etwas geschehen. Dieser Beschluß ist gemeinsam, einhellig, in cinmüthiger Begeisterung gefaßt worden, also verkünden wir der Welt. Das Weitere wird sich finden und geht uns gemeinsam überhaupt gar nichts an. Also: wenn meine positive Bedingung erfüllt wird, daun können wir Etwas thun, nämlich eine durchaus nichtssagende Erklärung proklamiren; haltet ihr diese Bedingung aber nicht, nun, dann können wir natürlich nichts thun, weil wir uns dann selbstverständlich zanken müssen, da doch ein Jeder sein ״Positives״ genannt wissen will. ״Wo eS sich um die Anfertigung eines NeligionSbucheS handelt," fährt er fort, da ist dieses aber ״unthunlich". Also lassen wir solches gefälligst bleiben, — ״obwohl ich eine große Verschiedenheit der Ansichten unter uns nicht voraussctze!" sagt er mit der harmlosesten, lindereinfältigsten Miene von der Welt. Denn cs ist doch schon ״das Mehr und Minder" geeignet, endlose Debatten heraufzub.'schwören. Folgt mir, Kinder, ich verstehe mich auf dergleichen Materien, die sind heikler Art: ״ich traue der Ausführbarkeit der Sache nicht recht," — gut ist gut, besser ist besser, Vorsicht ist besser denn Nachsicht — bleibt davon, — ״ich halte eS nicht für gut, wenn unausführbare Dinge beschlossen werden," — ״so wollen wir unsere Wünsche auf dem Altäre des Friedens zum Opfer bringen und uns an einer Resolution genügen lassen," kein Beschluß, nur kein