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Jeschurun · 1885-10-29 · Heft 44 (29.10.1885) · p. 690

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 44 (29.10.1885)
Article
Für die Ausgewiesenen
Date
1885-10-29
Page
690 (sequence 2)
Language
German
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690 in Elend und Noth durch die Welt ziehen müßten und keine Heimftütte finden könnten? Es dringt zu uns die trübste Kunde von dem Schicksal unserer ausgewiesenen Brüder. Wir wollen uns heute darauf beschränken, ein uns von dem Vorstand der ״Montefiore-Stiftung zu Rotterdam", den Herren: Obcrrabbiner I)!׳. Ritter, LntomirSki, Bosman, vau Gelder, Kick und Schnitzler, zugehcndcs Schreiben zur öffentlichen Kcnntniß zu bringen. Dasselbe lautet folgendermaßen: ״In Folge der in Preußen genommenen strengen Maßregeln gegenüber Ausländern ist am hiesigen Orte, einem Hafenplatzc, ein großes Zusammenströmen fremder Israeliten, welche gewöhnlich hülfsbedürflig hier ankommen. Wohl besteht hier seit wenigen Jahren eine Vereinigung zur Unterstützung mittelloser Passanten — Montefiore-Stiftung — doch reichen ihre Mittel unter den gegenwärtigen Umständen nicht aus. Täglich kommen zahlreiche Schaaren, Männer mit Frauen und Kindern, die theilweise nach England und Amerika ihr Augenmerk richten, theilweise im freien Holland sich anzusiedeln bestrebt sind. Alle nehmen sie vorübergehend hier ihren Aufenthalt, und wenden sich an uns um Hülfe und Beistand. Obwohl die hiesigen Israeliten uns nach Möglichkeit unterstützen, um daSLeid dieser Unglücklichen zu mildern, so können wir dennoch nicht allen Wünschen gerecht werden. Selbst die Kosten für Logis und Speise — geschweige denn Neiseunterstützuugen, denen jene doch auch bedürfen — sind wir nicht im Stande, aus den Mitteln unserer Vereinigung zu tragen. ES stellt sich die Nothwendigkeit heraus, selbst ein HauS für diese Passanten einzurichtcn, um sie nicht den Unannehmlichleiten, denen sie in den gewöhnlichen Gasthäusern ausgesetzt sind, prciszugcben, und hierzu bedürfen wir der Unterstützung Aller, welche sich ein warmes Herz für ihre bedrängten Brüder bewahrt haben." Möge dieses Schreiben dazu dienen, das thätige Mitleid wachzurufcn, mit v er ei n t er Kraft unseren Brüdern 'bcizustehcu. Wir können jedoch nicht umhin, nachdrücklich zu betonen, daß nach unserer Ansicht mit einer Gewährung von Mitteln zur Weiterreise den Unglücklichen kaum wirksam geholfen ist. Die betrachtlichcn Summen, welche seiner Zeit für die russischen Flüchtlinge aufgebracht wurden, sind zu einem großen Theile für deren Fortschassung verausgabt worden, ohne daß ihnen geholfen war. Man hat Tausende und aber Tausende nach Amerika spedirt, und von diesen Tausenden und aber Tausenden hat es nur einigen Hunderten geglückt, sich eine neue Existenz zu schaffen. Wir zweifeln nicht daran, daß für die aus Deutschland Ausgewicsenen früher oder später ebenfalls eine allgcuteine LiebeSthätigkeit sich entfalten wird. Dieselbe darf sich aber nicht darauf beschränken, die Aermstcn zu exspcdiren, sondern muß cS sich zum Ziele setzen, für sie gute Heimstätten ausfindig zu machen, wo sie sich mit Aussicht aus Gewinnung einer Existenz niedcrlassen können. Uns liegt ferner ein Ausruf vor, den die ״New- Aorker jüdische Zeitung" erläßt. Derselbe trägt die Üeberschrift ״Der Gern sch aus Deutschland" und wendet sich an' die amerikanischen Israeliten in eindringlicher Sprache. Er schließt mit den Worten: ״Sollen wir gleichgültig zusehen, wie unsere Brüder schreien und jammern um Hülfe und Beistand, soll unser Herz ungerührt bleiben? Brüder! וקל דמי אחיך ׳צועקים! Brüder, wird man uns nicht den Vorwurf macken: אבל אשמים אנחנו על אחינו אשר ראינו צרת נפשם ונם דמם הנה נדרש? Beweisen wir, daß in uns noch ein jüdisches Herz schlägt!" Ja, laßt uns einmüthig zusammenstehen für unsere Brüder in allen Ländern, in allen Orten. Laßt uns gemeinsam für unsere vertriebenen, herumirrenden Brüder wirken, ihnen eine Heimath ausfindig zu machen, daß sie nicht in Elend und Noth untergehen. Mögen die Sorge und der Jammer unserer Brüder überall die Herzen rühren, und wir mit weisem Rath und reicher That ihnen zu Hülfe kommen! ZeiuttkmM in den Uerhandlnüsen und JeMOn der Rühhineroersamünng in Derlin. (Fortsetzung.) Doch immer wenn einer von den verehrten Kollegen etwas unvorsichtig und unbedacht geredet und etwas zu sehr aus der Schule geschwatzt hatte, erschien der ehrwürdige Mentor und versuchte das Dekorum zu retten und alles wieder in das gehörige Geleise zu bringen. Wie oft mag dieser weise Herr Präsident Dr. Ioül unter der Mühseligkeit, die ihm die Wildheit, das Ungestüm und die Unbedachtsamkeit der seiner Führung anvertrauten Kollegen verursachten, geseufzt und den Wunsch gehegt haben: wären wir nur erst בשלום und ohne zu große Blamage wieder aus. einander! Bei dem Unglück, welches die Offenherzigkeilen deö Herrn Hahn anrichtcn könnten, war er deshalb auch schnell als der Erste an der Spritze, um das zum verheerenden Ausbruch drohende Feuer zu löschen mit feinem ״meine ehrwürdigen Herren Kollegen!" zur Stelle. Seid ruhig, lieben Freunde, vertragt euch! Denkt nur ein wenig ruhig nach, so werdet ihr einsehen, daß wir Alle einig sind! Nur hübsch ruhig und bedachtsam! Kollege Hahn hat ja im

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