Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1885)
- Article
- Amerikanische Skizzen
- Date
- 1885-10-22
- Page
- 682 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2933101-2933143-2962960--20085-2963017- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
682 die Neligionsgcsetze?? Das wollen die Priester deS modernen Judenthnms in Amerika nicht, weil sie es nicht können, weil ihr eigenes Beispiel einer solchen Ansprache au das jüdische Weid Lüge strasc» würde. — tv* ist Alles Humbug, eitet und Phrase. Zchcr׳ UchH ilüfs illsule Are. Wir lönnen uns nicht versagen, die Gedanken, welche Sacher-Masoch an dem Sarge MontefioreS desecten, unfern Lesern nach der Zeitschrift ״Ans der Höhe״' (vir. 21) im Folgenden mitzutyellen. Der ehrwürdige Menschenfreund, welcher vor nicht langer Zeit erst von allen Nationen, von den Besten und Erleuchtetsten aller Stände und Konfessionen bei Gelegenheit seines hundertsten Geburtstages gefeiert wurde, wie selten ein Mann, ist nicht mehr. Alle, die reinen Herzens und freien Geistes sind, betrauern in ihm einen der edelsten Vertreter wahrer, opferfreudiger Humanität. Doch nicht ihn haben wir zu bedauern, sondern unS selbst; er ist heimgegangen zu den: ewigen Licht, dem seine ganze irdische Pilgerfahrt geweiht war; wir aber sind zurückgeblieben mitten in einer schlechten, hä glichen Zeit, in der die niedersten Instinkte, die brutalsten Leidenschaften das große Wort führen. Die Zahl Jener, weiche das Banner der Menschlichkeit, der alle Nationen und Koi'.fessiouen gleich umfassenden brüderlichen Liede, daü Banner deS Fortschrittes hochhielten, ist mehr und mehr zusammengeschmolzeu, das Schlachtfeld gehört Jenen, die den Haß und die Zwietracht. den;krieg des Annen gegen den Reichen den Kampf der verschiedenen Nationen und Religionen gegeneinander predigen. Nicht Tyrannei und Freiheit ringen um den Sieg; mag diese oder jene der fanatischen Parteien zur Herrschaft gelangen, das Ergcbniß wird in jedem Falle nur Rückschritt und Finsterniß sein. WaS uns jedoch Trost giebt und Hoffnung auf eine bessere Zukunft, das ist das stille, aber unaufhaltsame Be-rwärtsdräugen dcS MenscheugeisteS auf allen Gebieten, das ist aber auch die Gewißheit, daß die finsteren Mächte, die jetzt gegeneinander wnthen, sich früher oder später gegenseitig zerstöre!! und vernichten müssen, und daß daun, wenn, die Bethönen und Verführten statt der versprochenen HeSpcridensrnchte nur Unheil und Elend geerntet hüben werden, die'ewigen Ideen der Wahrheit wieder ihre heiligen Fahnen entfalten werden. KomspondenM und Nachrichten. Deutschland. -a- Berlin, 16. Oftobct. Interessant dürste es fein zu wissen, daß die. allgemeine Annahme, nach welcher der Kindersegen unter den Juden größer ist als unter den Nichtjndcn, wenigstens für den preußischen Staat, heutzutage nicht mehr gültig ist. Wie nämlich in! neuesten Hefte der Zeitschrift deS königlich preußischcn statistischen Bureaus zu lesen ist, entfielen zwar von 1820—1850 auf ein jüdisches Ehepaar durchschnittlich etwas mehr Kinder als aus ein christliches; doch änderte sich dieses Vcrhältniß späterhin, und seit 1850 sind bis in die neueste Zeit die christlichen Ehen im preußischen Staate durchschnittlich etwas fruchtbarer als die jüdischen gewesen. Aber trotz des nachgewiesenermaßen geringeren Kindersegens jüdischer Ehen — oder, wie der Verfasser des Berichtes will — vielleicht auch deshalb — überleben doch verhältnißmäßig mehr jüdische Kinder das erste Lebensjahr als nichtjüdische, wie die folgende Tabelle beweist. Von je 100 000 ehelichen Kindern überlebten durchschnittlich: Alter evangel. röm.'kathol. jüdisch die Geburt . , . 06 020 96 451 96 596 einen Tag. . . , 95 388 95 146 96 097 eine Woche . . . 93 768 93 469 '94 994 zwei Wochen . , . 92 466 92 131 94 006 einen Monat . . 90 360 90 051 92 379 zwei Monate . drei Monate . . 88144 87 941 90 721 . 86 348 86 264 89 561 sechs Monate. . , 82 352 82 617 86 979 neun Monate. . 79 460 79 933 84 693 ein Jahr . . . 77 125 77 685 62 848 Schon vor und in der Geburt starben von 100 000 ehelichen Geburten bei den Inden rund 430 weniger als bei den evangelischen und römisch-katholischen Christen. Nach Ablauf einer Woche hat sich dieser Unterschied bereits ans rund 1330 vergrößert, steigt nach Ablauf des ersten Monates auf rund 2120, am Schlüsse des ersten Vierteljahres ans rund 3240 und beim Schlüsse des ersten Jahres ans mehr als 5500. Freiherr von FirikS, Verfasser der vorliegenden Berichts, glaubt den Hauptgrund dieses günstigen Verhältnisses auf jüdischer Seite darin zu finden, daß den jüdischen Eltern durchschnittlich reichere Mittel für die Pflege ihres Nach- Wuchses zur Verfügung ständen; ferner daß im Allgemeinen die Art der Beschäftigung jüdischer Frauen deren größere Schonung während der letzten der Entbindung vorangehende Monate erleichtere. Wir möchten indessen diesen mehr äußerlichen Gründen um so weniger das Wort reden, als unserer Ansicht nach der durchschnittlich größere Wohlstand der Indem -wohl sehr