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Jeschurun · 1885-10-22 · Heft 43 (22.10.1885) · p. 681

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 43 (22.10.1885)
Article
Amerikanische Skizzen
Date
1885-10-22
Page
681 (sequence 1)
Language
German
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M 43. Jesch!!r!!»> AmerikMislhe Mm* Von Ben Jonathan. III. Ich habe Ihre Leser mit den Ehrwürden Mobiles und Grccnvilles bekannt gemacht; ich will sie jetzt in bessere Gesellschaft führen. Achtung vor Reverend D. Davidson in Des MoineS (Iowa)! Von ihm hört man noch ein ernstes Wort, ein schwerwiegendes Wort, das keine leere Phrase ist, ein Wort, das aus dem schmerzerfüllten Herzen eines Mannes kommt, der das Hebet kennt und es für unheilbar erklärt. Aus der Bitterkeit der Seele schreibt dieser. Mann die folgenden unsere hierländischen Verhältnisse in prägnanter Schärfe kennzeichnenden gedrungenen Sätze: ״Ihr Schreiben vom 1. Mai habe ich empfangen. In Betreff der Frage habe ich zu sagen: Wenn die Leiter der Union den ernsten Willen haben, unser Volk in diesem Lande von der Sklaverei des Atheismus, Indifferentismus und Mammonismus zu erlösen, und wenn es der ernste Wille unserer ״First-.Claß"-Rabbiner ist, die Heranwachsende Generation zu dem hohen Standpunkt wahrer Israeliten zu erheben, — dann laßt uns inbrünstig beten, daß Gott uns einen zweiten Moses senden möge, dessen Aufgabe es wäre, uns mindestens vierzig Jahre lang in die Wüste zu führen bis die Alten tobt nnd begraben sind und die Jungen erkannt haben werden, daß die Synagoge kein Theater und die ReligionSschnle nicht ein Tummelplatz von Mißachtung und Unehrcrbietigkeit ist. — Sapienti sat■.״ Jawohl, Herr Davidson hat Recht. Unsere Alten taugen nichts, und unsere Jungen werden nichts taugen. Unsere Führer und Rabbiner laugen nichts, und wir taugen nichts. Wir — Rabbiner, Vorsteher und Gemeinde — haben das Iudenthum auö unseren! Leben hinaus nnd in die Synagoge hinein gewiesen, und auch da war es uns im Wege. Wir haben an Stelle des wahrhaften Gottesdienstes eines wahrhaften Israeliten, welcher Gott nicht mit den Lippen, sondern mit Herz und That dient nnd der Religion nicht nur eine Handvoll lumpiger Dollar zur Erbauung eines prächtigen Gebäudes für Instrumentalnnd Vokalunterhaltung und für Besoldung von schwarzröckigen Akteurs, die wir Reverend und Rabbi nennen, sondern unser ganzes Leben und all unser Gut zum Opfer bringen, um das Grundgebot des Jndenthums: ״Du sollst Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deinem ganzen Leben und deiner ganzen Habe" buchstäblich zu erfüllen, — ich sage, wir haben an Stelle, des Judenthums und des wahrhaft jüdischen Gottesdienstes Humbug und abermals Humbug bei uns heimisch gemacht, haben das Judenthum vergessen und sind arm und elend geworden. Die Männer, 681 welche sich als Geistliche gcrircn und die Priester-, Lehrer- und Prophetcnrollcn bei uns spielen, sind meistens die größten Verächter des Judenthums, leichtfertig, 1mwissend, genußsüchtig, eitel. Da müßte ein Moses wiederum erstehen, der deS Erziehungsamts deS kommcuden Geschlechts walten konnte, der es lehrte, die Wege Gottes, der die Idole zertrümmerte, welche von den bcthörten Alten umtanzt werden. Da müßte ein Pineas anftreten, welcher den Kampf mit den Großen aufnähme nnd für Gott und die geschändete jüdische Religion eiferte, — und ein Elia, der die Baals- Pfaffen vernichtete.- Nach Herrn Davidson gelangt Reverend Moritz E i s e n b e rg in NewortcanS (L. A.) zum Wort. Er - hat die aufgeworfene Frage sorgfältigst studirt, erklärt sie für sehr schwierig, für eine solche, die einer befriedigenden Lösung geradezu spottet. Es sei nämlich nur zu offenbar, daß das moderne Judenthum in Amerika sich in einem sehr bejammerungßwürdigen Zustande befinde. Die Krankheit steigere sich fortwährend, das Leben sei säst ganz entflohen und gleiche nur noch dem ersterbenden Funken in der erkaltenden Asche. Auf die Männer setzt er keine Hoffnung, nur noch auf die Frauen. Deren Interesse müsse geweckt, deren Mitarbcit erlangt werden. Die Rabbiner sollten sie hierzu begeistern. — Ach, das wäre recht schön und gut, ehrwürdigster Herr Eisenbcrg, wenn unsere Rabbiner nur durch ihr eigenes Beispiel einem solchen Appell an die Frauen die nothweudige Unterstützung gewähren würden. Glauben Sic denn, daß unsere Frauen nicht Augen hätten, um zu gewahren, daß auch den Predigern und Priestern die wahre Hingebung nnd Begeisterung fehlt? Wosür sollten sie sich begeistern? Für den Tempclbesuch und die Predigtanhörung? Ist daS die jüdische Religion? Der Tempeldienst, wie die Reverends ihn gestaltet haben, ist unseren Frauen langweilig geworden, und bei den phrasenhaften Predigten schlafen sie ein. Wenn wir Theater und Konzert besuchen, sprechen sie, so wollen wir unterhalten werden, nicht immer und ewig daß Gleiche sehen und hören. Wir haben auch am Tage dazu keine Zeit. — Wollen die Rabbiner aber sie in der That an den hehren jüdischen Frauenberuf erinnern und dafür wicderun! begeistern, wollen sie zu den Frauen sprechen: seid die Priesterinnen der Religion in euren Häusern, leuchtet euren Kindern voran in treuer, gewissenhafter Erfüllung der Gebote des Judenthums, bringt auf euren Tisch keine verbotene Speise, kochet, sticket, nähet nicht am Sabbath, schmücket eure Kleinen mit dem von Gott gebotenen Erinnernngszcichen an seine Gebote, lehret eure Kinder beten, weiset sie an. bei jedem Genüsse ברכח zu sprechen, wehret sie, den Sabbath zu entheiligen, kurz, erziehet sie in dem Geiste des unbedingten Gehorsams gegen

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