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Jeschurun · 1885-10-22 · Heft 43 (22.10.1885) · p. 674

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 43 (22.10.1885)
Article
Ausharren und Vertrauen
Date
1885-10-22
Page
674 (sequence 2)
Language
German
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674 reiche?ehre für alle Zeiten, für jedes Streben im Dienste Gottes, für Jeden, der sein ganzes Dasein der Förderung des Gottcsreichs weiht, für Israel, den zum Volke hcrangewachscnen Söhnen Abrahams, für jedes edle, wahrhaft gute Werk, das von schwachen Menschenhänden unternommen wird: auszuharren, nimmer zu verzagen und zu ermüden, wenn auch der Erfolg des redlichsten Strebens nicht ersichtlich ist, wenn auch anscheinend aller Arbeit Mühen umsonst, wenn auch des Tugendhaften Anstrengungen wegen ihres Mißlingens von der großen Menge verlacht und er selbst dem Spotte und der Verfolgung der Umgebung sich auSgesetzt sieht. Welchem Sterblichen ward jemals ein höheres Lebensziel gesteckt, wem eine herrlichere Verheißung zu Theil geworden, als Abraham, und wer wäre einer solchen Aufgabe gewachsener und einer solchen Verheißung würdiger gewesen, als er? Und dennoch war eS ihm beschieden, fünfundzwanzig Jahre laug zu harren, bis der erste Schritt zu der Erlangung jenes Zieles und zur Verwirklichung dieser Verheißung zurückgelegt schien. Dem kinderlosen Greise ward eine ein volles kräftiges Leben erfüllende Aufgabe übertragen und ein bis in die fernste Zukunft reichende, an seine Nachkommenschaft geknüpfte Verheißung verkündet, und cs währte noch ein Vierteljahrhundert, bis ihm der Sohn geboren wurde, auf welchem die ganze Hoffnung seines Daseins ruhte, welchen er für den erhabenen Beruf seines Lebens erst noch zu erziehen hatte. Wenn einem Sterblichen die Palme für die Bcthätigung der אפונה, der vollen Zuversicht auf Gott, der unbedingtesten Hingabe an den göttlichen Willen, des unerschütterlichen Vertrauens zu der Wahrheit, dem Werthe und dem Siege seines einzigen Ideals gebührt, so ist eS Abraham. Diese אפונה des Ahns ist das werthvollste Kleinod, welches auf die Enkel sich vererbt hat. Das Volk, das Abraham seinen Vater nennt, hat diese אפונה, diese feste Zuversicht auf Gott, und diesen Glauben an seinen eigenthünilichen Beruf sich nicht rauben lassen. Wie feindlich und abwehrend die Umgebung auch immer sich gegen die Botschaft verhielt, welche Abrahams Söhne zu verkünden berufen sind, wie auch die Stimme des Gottcshcrolds spurlos in der Zeiten Wechsel zu verhallen schien, Israel hat doch nicht gelassen von dieser אפונה, hat an die Wahrheit und den endlichen Sieg seiner Mission geglaubt und ein Martyrium auf sich genomnten, wie auf den Nöllen der Geschichte kein zweites cingczeichnet steht. Israel konnte zehn Zwölf-!heile feiner Glieder verlieren, sah seinen Staat unter» gehen und sein Heiligthum dem Erdboden gleich gemacht, eS trug das hehre Erbe seines Ahns, diese אפונה, in seinem Busen und ließ sich treiben nach allen Enden der Windrose, ließ sich quälen und bedrücken, verhöhnen und martern, hinschlachten und verbrennen, — und verlor nicht diese אפונה, die felsenfeste Zuversicht auf Gott, den unerschütterlichen Glauben an seine Ausgabe und das hoffnungsreiche Vertrauen auf deren gewissen Sieg. Und darum auch verzagen wir nicht und werden nicht ungeduldig, wenn in unserem eigenen Kreise die Reihen sich lichten, wenn der Abfall und die Täuschung, der Verrath und der Jrrthum die eigenen Brüder erfaßt und sie der heiligen Aufgabe untreu werden, für welche sie Gott ins Dasein rief. Und darum verzagen wir nicht und werden nicht ungeduldig, wenn das Streben der Trengeblicbenen bei den eigenen Brüdern nur Spott und Verkennung findet, wenn der Genossen immer weniger werden, die sich um das Gottesbanner schaaren und es in den Augen unserer Brüder fast lächerlich erscheint, wenn wir von unserer Hoffnung auf den Sieg der von uns erkannten Wahrheit in unserem eigenen Kreise sprechen. Wir wissen dennoch, daß über allen Wahn und Jrrthum endlich die Wahrheit obsiegt, daß die Lüge ohnmächtig ist, und ohnmächtig jede Gewalt, die dem Rechten und Guten sich hindernd in den Weg stellt. Nur allmälig reift die Saat des Guten und Wahren. Die Saat, die das Judenthum ausstreut, zeitigt unter Sturm und Frost ihre Keime auf dem Acker der Menschheit. Und ebenso bedarf es einer laugen, schweren, prüfnngsvollcn Zeit, bis sie auch auf dem eigensten jüdischen Boden zur vollen Reise gelangt. Stünde sie schon hier in vollen Aehren, so würde der eine Theil der jüdischen Aufgabe bereits gelöst sein. So aber erheischt es noch der fortwährenden Anstrcgung und der unausgesetzten Sorge, um hier den Boden empfänglich zu.machen für die Lichtsaat der Thora. Gott sei gepriesen, daß keiner Zeit, und auch nicht der unsrigen, treue Arbeiter fehlen für den jüdischen Acker, für deu Acker der Menschheit. nese Km uhIi des Men-Gh Nom, im September. Die neue Zeit haben auch Jene begriffen, welche sie heute noch mit dem Worte verleugnen,, und die Gerechtigkeit will es, daß mau jener stillen Mönche gedenke, die in der traurigen Einöde der Tre Fontane, da wo nach der Legende der Apostelfürst Paulus enthanpLci wurde, von der verderblichen Lust umweht, die ersten Versuche zur Gesundung der Campagna begannen ■*) Anmerkung der Redaktion. Wir entnehmen diesen Aussatz unverändert der Fr. Pr.-

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