Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1885)
- Article
- Bemerkungen zu den Verhandlungen und Beschlüssen der Rabbinerversammlung in Berlin
- Date
- 1885-10-15
- Page
- 662 (sequence 3)
- Language
- German
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662 abzulehnen, als völlig :ahlnngSnnfähig den Bankrott anzumelden und bei! ManifcstationScid dahin zn leisten, das;!nan eben gar nichts besitze, was als eine theilweise Befriedigung der Gläubiger betrachtet werden könnte. (Fortsetzung folgt.) a Aus -er Äntllcrkiucr Gemtiil-e 1795-1812. (Fortsetzung.) Als König Ludwig Bouaparte die Zügel der Regiernng ergriff, schien den Inden eine frohe Zukunft bevorzustehcn; ans seinen später erschienenen Memoiren ist klar zu ersehen, wie sehr ihm eine Besserung des ungünstigen Zustandes und der Armuth eines großen TheilS der Inden am Herzen lag. Die kurze Dauer seiner Negierung gestattete ihn! nicht die Ausführung seiner Pläne. So ließ erB. die Markttage in Utrecht und Rotterdam, welche stets Samstags abgehalten wurden, verlegen, weil die Inden durch ihr Sabbathgebot sonst großen Schaden hatten; der alte Indeneid, welcher harte und anstößige Verfluchungen enthielt, wurde abgeschasst und durch eine einfachere, vor! dem Christcneidc weniger abweichende Formel ersetzt n. s. w. Was das Militär betrisst, so waren die Juden von den Bürgerwchrcn (8c butterten), die man als eine Art von geschlossenen Gilden betrachtete, ausgeschlossen, dagegen waren sie seit einigen Jahren zur Armee zugclasjen. Letzteres war jedoch mehr ein Zeichen von dem geringen Ansehen, in tvelchem das Heer stand, als ein Beweis von Verträglichkeit. Da kam der König aus die Idee, ein Korps zu bilden, welches nur auö jüdischen Soldaten bestehen sollte, und eS erschien ein Ausruf an die Juden, welcher in allen Synagogen abgekündigt wurde, um in dem zu errichtenden KorpS Dienst zu nehmen. Es wurde ein Infanterieregiment formirt, bestehend ans zwei Bataillons von je acht Kompagnien; jedes Bataillon zählte einschließlich der Offiziere und des generalen Stabes 883 Mann. Als Holland dem französischen Kaiserreiche eiuvcrlcibt wurde, wurde dieses Regiment ausgelöst. Auch dem Zustande der Juden im Innern wandte der König Ludwig seine Aufmerksamkeit zu und bcmühte sich, den Frieden innerhalb der Amstcrdamer Gcrneindc wieder herzustcllen,-doch wir wollen uns nun unserem Chronisten zuwenden; der vorstehende historische Ueberblick dürfte zum besseren Verständniß des Folgenden genügen. Am 31. Januar 1795 פרשת בשלח haben sowohl Inden als Nichtjuden in den Iudcnvicrteln für vierzehn Tage französische Einquartirung erhalten, je zwei oder drei Mann, auch einen Offizier mit dessen Frau; man kann sich denken, ivclchcn Spektakel das verursacht hat, doch ist Alles in guter Ordnung abgelausen. An demselben Tage wurden auch vier Juden gesanglich eingezogen, unter der Beschuldigung, falsche Assignationcn verfertigt zu haben, sie wurden jedoch wieder frcigelassen. Im Februar bildeten sich unter den Nichtjuden viele Klubs, größtcntheilS aus unbedeutenden Personlichkciten (ערב רב), welche sich als wahre revolutionäre Patrioten aufspicleu. Tag und Nacht halten sie Sitzungen ab. Auch entstaub eine sogenannte Sozietät oder Klub Felix libertate, auö 40 — 60 sogenannten Juden, welche die Gleichstellung der Inden mit den Nichtjuden verlangen (וועלכע האבען וואללין היהודי עם ערל גלייך מאבני; אין דיא רעכטי פו; דע; מענש). Ihr Vorstand ift:*) M. S. Asser, Jakob Saportas und H. Bromct, ihr Sekretär H. de Lemon. Joachim van Embdcn und Sohn, Abr. Levi Holländer und Sohn, Isaak de Jong, Mchcrß und Söhne gehören zu den Vornehmsten unter ihnen, und sonst noch Leute, die nicht des Erwähneus wcrth sind; kurz, wer nur etwas Böses gegen unsere heilige Lehre im Schilde führt, ist ihr Manu (בקיצור דער נור איי; שלעבטי נדאנקי; האט אום צו סוה; נגד דת תורתינו הקדושה איז איחרה הברתה). Ihre Verhandlungen und ihre Ansprachen für die sogenannte Freiheit sind gedruckt in dem Buche unter dem Titel: Verhandlungen des Klubs Felix libertate. Am 4. März תענית אסתר fand die Zeremonie mit dem FreihcitSbaume statt, in der ganzen Stadt wurde Fest gefeiert. Auf Befehl der Behörde mußten zwei Waisenkinder der aschkanasijchcn und zwei der sephardischcn Gemeinde, je ein Knabe und ein Mädchen, an dem Zuge theilnchmcn. Von den jüdischen Klubisten nahmen Bromct, SaportaS, Asser und ihr Sekretär De Lemon nebst verschiedenen Anderen daran Theil; ebenso waren auch die anderen Klubs, sowie die ganze Ntgicrung vertreten. Der Zug war sehr lang und ist in den TageSblättcrn ausführlich beschrieben. Nachts war der Baum illumiuirt, auch der Freiheitsbaum aus dem KoningSplcin; auf dem Stadthause war Festessen und Ball, die Opern und Theater mußte spielen, und איז ת״ל הבל בשלום ובשלוה אב נלאפק. Nun ersuchte der Vorstand dcS Judenklubs das ..Komitee von Wachsamheit", die Parnassim unserer Gemeinde zu beauftragen, in allen unseren Synagogen die Menschenrechte auf Jüdisch-Deutsch abkündigen zu lassen; da dies jedoch mit unserer heiligen Lehre streitig ift, haben Parnassim die nöthigen Schritte gelhan, *) Die Chronik führt stets die jüdischen Namen an, ich zitrre jedoch die bürgerlichen, soweit sie der ״Letterbode" nach genauer Ermittclnng angiebt.