Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 39-40 (23.9.1885)
- Article
- Der Gottesschutz
- Date
- 1885-09-23
- Page
- 610 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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610 wir erst vierzig Jahre in der Wüste weilen, um uns in die rechte Benutzung der Selbstständigkeit und den weisen Gebrauch der uns zu verleihenden irdischen Güter zu üben und uns die wahre Bedeutung dessen, was unsere Hände zu schassen vermögen, erkennen zu lassen, auf daß wir nicht in dem, was unserer Kraft und Klugheit entstammt, unsere Götter erblicken und uns als den Schöpfer unseres Friedens, unserer Freiheit, unseres Genusses und unseres Glückes betrachten, daß wir darum aber auch nicht verzagen und verzweifeln, wenn unsere Kraft und Klugheit sich als unzulänglich erweist und wir in dem Ringen nach den Erdengütern hinter Anderen Zurückbleiben. Manna und Snckoth, das waren und blieben die ewigen Erinnerungszeichen an diese vorbereitenden, erziehenden vierzig Wanderjahre Israels. ״Ein Omer voll davon bleibe für eure Nachkommen zur Bewahrung, damit sie das Vrod sehen, welches Ich euch in der Wüste essen ließ, als Ich euch auS dem Lande Mizraim führte" (2. B. M. 16, 32) lautet der Befehl Gottes in Betreff des Mannas, welches an dem heiligsten Orte vor der Lade des Gesetzes niedergelegt wurde. Und ״in den Hütten sollt ihr sieben Tage wohnen — wer in Israel eingeboren ist — sollen alle in den Hütten wohnen; damit eure Nachkommen es wissen, daß in den Hütten Ich Israels Söhne habe wohnen lassen, als Ich sie aus dem Lande Mizraim führte" (3. B. M. 23, 42 u. 43) lautet das Gebot Gottes in Betreff der Suckoth. Gott ist es, der jedem Menschen das ihm Be׳ stimmte gewährt. Das, was wir als Frucht unserer Arbeit zur Fristung unseres und der Uuscrigen Dasein heimbringen, ist p, ist uns von Gott gewährt, ist eine ״Spende" seiner vorsehenden Waltung, eine .,Gabe" seiner väterlichen Liebe. Was wir erringen, wird uns nur, weil cs Ihm gefällt, es uns zu gewähren. Wir haben zu arbeiten und zu streben in der Erlangung der Crdengüter nur so wie Er es uns geheißen, in redlichem Flciße und bescheidenem Sinne, auf den Wegen, die Er uns gewiesen, und nur dann und so lange Er es verstattet. Im Angesichte des göttlichen Gesetzes haben wir unser Manna zu halten, vor Gottes, des Spenders, Augen haben wir uns des Genusses zu freuen und nach Seinem Willen die von Ihm uns gewordenen Gaben zu verwenden. Und בסבות, in den Hutten, wie wir sie uns noch heute nach Seinem Gebote gestalten, hat Gott uns wohnen lassen während der langen Wanderung durch die Wüste. Auf der Wanderung sollten wir zu wohnen lernen, und selbst in der Steppe, in der Einöde, wo kein Acker grünt und kein Quell rieselt, die sorgenlose behaglicb? Ruhe zu finden wissen mit Weib und Kind. Wir sollten es inne werden, daß nicht das Dach, das der Mensch sich künstlich wölbt, ihm Schutz verbürgt, sondern, daß außerhalb der menschlichen Machtsphare unmittelbar in Gottes Hand der Schutz und Schirm einer jeden Menschenhütte ruht. ״Mit Seiner Schwinge deckt Er dich und unter Seine Flügel suchst du Schutz", — ״denn Seinen Engeln gebietet Er für dich, dich zu hüten auf allen deinen Wegen" — diese Erkenntniß, daß wir Alle unter der unmittelbaren Waltung Gottes stehen, sollte nimmer aus unserem Bewußtsein schwinden. Mit ihr sollten wir in das Land unserer Väter eintreten und diesen Geist der Sucka in. unsere Häuser und Paläste einführen. Die auf eigenem Boden gereifte Frucht sollte uns immer Manna sein, nichts anderes, als die von GotteS Liebe uns gereichte Gabe. Die rechte Würdigung unseres Daseins und der Bedingungen zu einem heiteren, zufriedenen, glücklichen, Gott wohlgefälligen Leben sollte von der Wüste uns in das eigene Land begleiten und uns für alle Zeiten unverlierbar bleiben. Darum tritt mit jedem Jahre diese N2v-Mahnung aufs Nene an uns heran und ruft uns in die Hütte, auf daß wir dort den Aufbau unseres Erdenglücks, die schützenden Genien unseres Daseins, den rechten Lebensgenug kennen lernen. סכה אזכרה מעללי נורה singt unsere Festhymne. Die Hütte erzählt׳ die Waltung Gottes, wie Er von jeher über die gewacht, die in Seinem Schatten sich geborgen. Seine Waltung war es, die unfern Ahn geschützt, die unsere Vater wunderbar geführt. Und dieser allmächtige Gottcsschutz ist es, der auch uns schirmt zu allen Zeiten, der uns wunderbar erhalten in der langen Wanderung durch der Völker Reihen, die uns; als unwirthbare Wüste entgegenstarrt?. Sie ist es, die dem gehetzten und vertriebenen Jakobssohne immer aufs Neue den freudigen Muth gab, die ihm gegönnten paar Spannen Raum zum Aufbau seiner Hütte zu benutzen. Sie war und ist eS, welche uns davor bewahrte, zu einer Zigeunerhorde zu entarten, sie ließ uns überall eine ירת עראו כעין דירת קבע finden. Uns schreckte nicht das uns umwogende Toben einer von Leidenschaft-erhitzten Menge, wir bauten friedlich unsere Hütte, die Sicherheit unseres Daseins nicht in den דפנות, in den von Menschenhand errichteten Mauern suchend, sondern in dem סכך findend, in der von Gottes- Hand gewobenen Decke, die nicht מקבל ממאה ist, die überall sich über dem gottvertrauenden Sterblichen wölbt, der zu dem מציין מעל ההרכיס aufzublicken vermag. Mag darum auch die Gegenwart noch so trübe uns entgegenstarren, wir wissen, daß unsere Feinde nur die ohnehin schwachen, von irdischen Stoffen aufgeführten Wände einreißen können, daß aber unser wahr- Hafter ewiger Schutz dem Bereich ihrer Macht entzogen ist. Gott deckt uns mit Seinem Fittig und trägt