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Jeschurun · 1885-09-17 · Heft 38 (17.9.1885) · p. 599

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 38 (17.9.1885)
Article
Skizzen aus Palästina
Date
1885-09-17
Page
599 (sequence 3)
Language
German
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aller Art, Wasserkrüge, die von den Frauen auf dem Kopfe getragen werden, Brunnenkrüge, Schüsseln s. w. Jerusalem wird immer mehr eine viel aufgesuchte Stadt. Der langjährige amerikanische Neise- Üntcrnchmcr Cook hat auf die Ostcrzeit dieses Jahres über 200 Fremde gebracht, der Berliner Stange auch eine ansehnliche Zahl. Andere Fremde kamen unter der Anführung der neuen Reise-Unternehmer Howard und Floyd. Die Zahl der frommen Pilger aus Frankreich, Deutschland u. s. f. wird jedes Jahr größer. Das größte Kontingent solcher Pilger liefert Rußland. Die Vorstadt Jerusalems vor dem Jasfathor erweitert sich immer mehr. Viele der neuen stattlichen Häuser verdanken ihren Ausbau jüdischer Industrie. Der Besitzer des ersten GasthofeS, deS ״Mediterranean Hotel", hat weitere Wohnungsräume für seine Gäste in dem seinem Gasthof gegenüberliegenden Hanse (das einst Bischof Gobat und nach ihm Bischof Barclay bewohnt haben) eingerichtet. Wo sich das neue deutsche Konsulatsgebäude erheben und wann zur Erbauung desselben geschritten werden wird, läßt sich noch nicht sagen. Das frühere durch den Konsul Dr. Schultz erworbene und dann durch seinen Nachfolger Dr. Rosen verschönerte ist in den Besitz eines Juden übergegangen. IIWjii. Israel Goldstern. Ein Bild aus der neuesten Juden-Mission. Herausgegeben vom Rheinisch- Westfälischen Verein für Israel in Köln. Köln 1985. Welchen Nutzen Schriften wie die vorliegende haben können, vermögen jüdische Augen nicht zu erkennen. Eine langweilige, inhalt- und gedankenlose Geschichte, wie solche nicht ermüdender erfunden werden kann. Wie man daran denken kann, damit auch nur eine einzige verlorene jüdische Seele zu gewinnen, ist durchaus unbegreiflich. Der Täufling Herr Isidor Goldstern aus Lemberg, welcher jetzt als Judenmissionar wirkt, muß doch ein gar einfältiger Herr in seinem früheren ungetansten Zustande gewesen sein,״wenn er in der hier geschilderten Weise den Weg zur Kirche gefunden und ein aufrichtiger, überzeugungstreuer, ehrlicher Christ geworden sein konnte. Er wird uns als ein Ausbund talmudischer Gelehrsamkeit vorgeführt, der sich ״immer tiefer in die tatmudischen Jrrgänge (?) verlor", dennoch, aber von dem Rath des Arztes zur Antretung einer Erholungsreise in dem Augenblicke überrascht wird, in welchem er ״gegen Verbot und Gebrauch damals gerade bei einem ״christlichen" Buch (nämlich Heines Reisebilder) saß." Warum mußten es aber gerade die Reisebilder sein? Wink der Vorsehung: ״schnell stand sein Entschluß fest, den Gegenstand der ״Reisebilder", Deutschland, kennen zu lernen." Warum gerade Deutschland? Neuer Wink der Vorsehung: damit er von Leipzig nach Dresden fahren kann. Warum gerade diese schöne Eisenbahnfahrt? Abermals höhere Fügung: damit ein freundlicher Herr, der gerade diese Strecke fährt, ihn ansprechcn kann: ״so oft ich ein Gesicht mit den Zügen des alten Bundes- Volks sehe, wird es mir fast heimathlich zu Muthe. Ich bin kein Jude, wie sie sehen, und bin doch ein Jude." Nur ein kurzes Gespräch und der ״Rabbi", i. 6. Goldstern, ist besiegt, ״die talmudischen Waffen sind stumpf geworden", und er ist aus dem sichern Pfad zum Taufbecken, das er nach mancherlei Fährlichkeiten als: Heirath, nicht bezahlte Schulden u. dergl. m. glücklich erreicht. Wenn solche Schriften zur Erbauung der fronunen Seelen des Rheinisch-Westfälischen Vereins für Israel geschrieben werden, so lassen wir uns das herzlich gern gefallen; hegt man jedoch die Absicht, damit unter ״Israel" Propaganda zu machen, so ist eS schade um die Druckerschwärze. ...n. Ichm! Zeßomtz. Non Naphtali Simon. (Nachdruck verboten.) Am äußersten Ende der Stadt gen Norden, zieht sich ein Gewirr von Gassen und Gäßchcn hin, die im schreiendsten Kontrast zu den breiten Plätzen und Straßen stehen, welche mit ihren hohen Prachtbauten die Bewunderung aller Fremden und den Stolz der guten Nesidenzstädtcr bilden. Welcher Fremde und welcher Bewohner der vornehmen Stadttheile verirrt sich aber auch in dieses armselige Viertel? Wer fragt sich, wo die fleißigen Menschen, welche die Steine zu den Palästen in dem Schweiße ihres Angesichts zusammengetragen und zusammengefügt, oder wo die emsigen Leute, die die herrlichen glänzenden Gegenstände, welche hinter den Spiegelscheiben der Kaufläden paradiren, verfertigt, oder wo die geschäftigen, hurtigen Handlanger und Dienstmänner, die bleichen Näherinnen und Stickerinnen eigentlich ihr müdes Haupt niederlegen, wo sie das kärgliche Erträgniß ihres Fleißes verzehren, wo sie geboren werden und sterben, wo sie dulden und ihres Daseins sich freuen? Ach, daran denkt Niemand; nicht die Dame, welche in den-Bazaren ihre Einkäufe macht, nicht der Edelmann und Groß- Händler, welche die Paläste bevölkern, nicht der Provinziale, der die Herrlichkeit seiner Hauptstadt zu bewundern kommt. Ist cs da zu verwundern, daß Niemand der HäuS-

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