Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1885)
- Article
- Skizzen aus Palästina
- Date
- 1885-09-17
- Page
- 598 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2932754-2933101-2933139-2962512--19761-2962567- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
OCR text
588 eines äffierifanifdjen Missionars, ein anderes das des j amerilanischen Konsularagenten. Die Hauptzierde der! Stadt sind bu sie umgebcnbcn Banmgärten, in welchen,! wie in Jaffa, die Orangenbäume vorherrschen. Sie ist vermöge der Wasserleitungen von den Bergbächcn her reichlich mit Wasser versorgt. Wegen dieser Wasserfülle ist überall, wohin das Auge sieht, frisches Grün; die schönsten Akazien und Tamarisken reichen bis an den Fuß des Gebirges. Die Bevölkerung der Stadt, aus MoSlimen, Juden, uniierten und nichtuniierten Griechen sowie aus Maroniten bestehend, ist seit etlichen Jahren in stetigem Wachsthum begriffen, sie überschreitet bereits die Zahl 12,600. Die Hauptbeschäftigung der Einwohner ist, wie zu den alten Zeiten, der Handel. Dis ersten Handelsleute der Stadt sind jetzt Griechen, unter welchen der Name Catafago obenan steht. Sidon nimmt übrigens gegenüber von Beirut, das sich zum Seehafen von Damaskus emporgeschwungen hat, nur eine untergeordnete Stellung ein. Seine HauptauSfuhr ist Seide, Baumwolle und Galläpfel. Unter seinen sechs Waarenmagazincn (Khan) trägt das bedeutendste den Namen ״französisches". Die Franzosen hatten nämlich früher in Sidon eine Faktorei. Die Ueberrcste des AltcrrhumS sind von nicht hoher Bedeutung. Es sind zumal Gräber alter Sidonischer Könige. Der merkwürdigste Fund in neuerer Zeit ist der Marmorsarg des Königs Eschmunazar, welcher im Jahre 1855 von Franzosen unter Renan in einem auSgemauerten Felsengrab gemacht wurde und der nun im Louvre untergebracht ist. In der Grabschrist fordert der König unter Hinweis auf seine Verdienste um den Sidomschcn Staat und unter Androhung der Rache der Götter, daß man seine Gebeine in diesem Sarge ungestört ruhen lasse. Dieser König hat wahrscheinlich in der ersten Hülste des 4. Jahrhunderts v. Ehr. regiert. TyruS, einst ״die Königin der Meere" genannt, weil eS zur Zeit des phöuizischen AlterthumS die Be- Herrscherin des Handels, gewesen ist, ist jetzt unter dem arabi'icheu Namen Sur (der hebräische Name ist Zor, der assyrische Surru) eine unbedeutende Handelsstadt, doch, auch seit neuerer Zeit wie Sidon stark im Aufschwung begriffen. Die ursprüngliche Stadt, Palätyrus, auf dem festen Lande gestanden, ist spurlos verschwunden. Sie ist vielleicht in der Nähe der Quelle RaS-el-ain zu suchen. An diese Altstadt hatte sich bald als Neustadr die prächtige, durch Meer und Felsen wohl beschützte Jnstlstadt gereiht. Die heutige Stadt ist eine Hülviuftlstadt, ds düö Meer vermittelst eines Dammes mit dem Acstlande verbunden wurde; sie steht da, wo dis Insel und die Landenge zusammenstoßcn, auf den! östlichen Theile der früheren Hauptinsel. Die Haupt- Luäsuhc des Platzes besieht jetzt in Taback, Baumwolle, Hslzkshlcn und Holz. Was der unansehnlichen Stadt einige Zierde verleiht, sind die darin besmdlichen ziemlich zahlreichen Palmbäume. In Bethlehem sind in neuerer Zeit auf einem der zwei Hügel so viele neue Häuser, sämmtlich von Stein und mit platten Dächern versehen, erbaut worden, daß mau von einem Neu-Bcthlehem sprechen kann. Am westlichen Ende der Stadt, ganz auf der Höhe, weshalb eine prächtige Rundschau bietend, ist das evangelische Missionshaus mit Schule und Kirche, das der Berliner Jerusalems-Verein hat erbauen lassen. Die im Jahre 1873 vorgekommenm, wiederholten blutigen Reibereien in der Gcbnrtskirche zwischen Mönchen des lateinischen und des griechischen Ritus haben zur Erbauung einer türkischen Kaserne in der Nähe dieser Kirche, der ältesten Basilika der Welt, Veranlassung gegeben. Sek dieser Zeit wissen die Mönche sich in den Schranken der Ordnung zu halten. Wie früher, ist die Beschäftigung der Bethlemiten immer noch neben Feldbau und Viehzucht die Verfertigung -von allerlei Kunstgegenständen aus Perlmutter und Asphalt und von Rosenkränzen allerlei Art. Die Fabrikation der letzteren wird vorzugsweise von Frauen und Kindern auf offener Straße vor den HauSthüren betrieben. Nicht .unbedeutend ist in Bethlehem die Bienenzucht, Aus den Trauben Bethlehems wird ein sehr gewürziger und starker Wein gewonnen. Hebron hat von jeher als eine besonders fanatische Stadt gegolten: sie ist mit ihren 17,000 bis 18,000 Mohamedaner« für Christen bisher als unnahbar erschienen. Man mußte sein Absteigequartier bei den Juden, von denen gegen 1000 dort wohnen, suchen, wenn man nicht Zelte bei sich führte, um in denselben, birüian auf dem heiligen Gebiete der uralten Abrahamseiche aufschlagcn kann, zu wohnen. Es ist etwas besser geworden. Die Mohamedaner sind nicht mehr so feindselig und aggressiv wie vor 20 Jahren. So konnte denn im vorigen Jahre in Hebron eine MisssonsstaLion von einem Deutschen errichtet werden. Die Missionsthätigkeit daselbst ivi.) vorerst von einem Arzt und einem Lehrer ausgeübt. Beide sind geborene Araber die in den christlichen Lehranstalten Beiruts ihre Bildung erhalten haben. In der Klinik des Arztes haben sich bald der hülfesuchenden Mohamedaner nicht wenige eingestellt. Die Schule zählt bis jetzt sechs Kinder. Die Beziehungen des Arztes und Lehrers zu den maßgebenden Persönlichkeiten in der Stadt haben sich freundlich gestaltet. Was bis jetzt in Hebron fabrizire wurde, waren Glaswauren aller Art, namentlich gläsern! Arm- und Fingerringe für die Weiber und;Kinder von Fellachen, und Wasserschlauche. Zn diesen Manufaktursu sind nun auch Töpfereien gekommen, wie sie schon seit längerer Zeit in Gaza bestehen. Wie die Töpfer von Gaza, verfertigen die von Hebron Trinkkrüge