Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1885)
- Article
- Bemerkungen zu den Verhandlungen und Beschlüssen der Rabbinerversammlung zu Berlin
- Date
- 1885-09-09
- Page
- 581 (sequence 2)
- Language
- German
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581 diese These von der Fernhaltung ungeeigneter Elemente entspinnmdcn Debatte zn gelangen. Wir glauben uns jetzt genügend vorbereitet, 11m dein Gange der Vcr- Handlung folgen zu können. Also: ״Dr. S ch rv a rz findet das Wort ״ungeeignet" nicht passend und wünscht einen präziseren Ausdruck." beider verschweigt uns der Präsidialbericht, welchen präziseren Ausdruck der .Karlsruher Stadt-- und Konfcrcuzrabbiucr Herr Di׳. Schwar; eigentlich ״gewünscht" hat und warum er das Wort ״ungeeignet" für nicht geeignet halt. ״Di׳. Werner möchte den Antrag Schwarz noch erweitern," heißt es weiter. 9a, welchen Antrag hat denn derselbe gestellt? Das bleibt ja ein ewiges Gchcimniß. Mit dem Worte ״ungeeignet" theilt er uns darauf weiter mit, ״habe man gewöhnlich nicht nur pädagogisch unfähige Männer, sondern ״religiös nicht geeignete" gemeint. Er bittet, im Protokolle auSzusprcchcn, ״daß cS sich hier namentlich um Fcrnhaltung irreligiöser Lehrer handelt." Das war eine kühne Leistung des Danziger Kollegen, so kühn, daß der Präsident darob heftig erschrak und sofort mit bewunderungswürdiger Geistesgegenwart und Präsidialgcwandthcit der drohenden Gefahr sich entgegenstellte. ״Irreligiöse Lehrer" wollte der Herr Kollege aus Danzig von dem Unterricht in der Religion fern, halten und das sollte gar noch zu Protokoll genommen werden! Nein, das war eine zu starke Znmuthung an die Versammlung der achtundsechzig frommen gcistliehen Herren! Da galt cS rasches, energisches, desonncnes Handeln, bevor cs zu spät ist. Er erhebt sich deshalb von seinem Präsidentcustuhlc und erläßt folgende Botschaft: ״Da Herr Kollege Werner den Antrag nicht schriftlich cingercicht, so nehme er au, daß er nur die Aufmerksamkeit der Kommission auf den Ausdruck ״ungeeignet" habe lenken wollen, daß derselbe auch für irreligiöse Lehrer gelte." Damit war dem gefährlichen Antrag geschickt die Spitze abgebrochen. Der Herr Präsident interprctirt des Antragstellers Antrag in souveräner Gewalt dahin, daß cS eigentlich gar kein Antrag, gar nicht an die Versammlung, gar nicht für die dem Volke zu verkündende These berechnet sei, sondern nur eine schüchterne Hindcutung für die — Kommission! Welche Kommission? Hier wird ja ein wahres Bcrstcckcnspic! getrieben. Haben die achtnndscchzig Männer, welche sich zu einer Rabbiner- Versammlung konstitnirten, diese Thesen zu erlassen, oder existirt irgend eine gchcimnißvollc Macht, welche sich ״die Kommission" nennt, welcher diese achtnndscchzig Männer als Trabanten dienen? Das ist ein durchaus ungelöstes Näthscl, verwirrender um so mehr, da Niemand widerspricht. UnS überlvmmt ein wahrhaftes Granen vor der unheimlichen Macht des Präsidenten und der mysteriösen Kommission. — Der allmächtige Herr Präsident fährt aber fort: ״die ganze Bersammlnng sei ja darin in llebercinstinnnnng. daß irreligiöse Menschen nicht geeignet sind, ReligionSlchrer zu sein" (wie konnte dieses der Herr Präsident wissen, da bislang nur zwei aus der. Versammlung gesprochen?) ״aber er halte cS nicht für thnulich, hier in eine direkte Desinition des Wortes einzntretcn." Welche Gewalt mußte diesem Herrn Präsidenten zur Seite stehen, daß ec unbedingten Gehorsam finden konnte! Der Herr Kollege ׳Werner ist mäuschenstille, der Herr Kollege Schwarz rührt sich nicht, nur Herr Kollege Groncmaun wagt, nach dem auf dem Präsidcntensesscl thronenden Jupiter tomuis noch das Wort zu nehmen. (Fortsetzung folgt.) Ra- EmuicniillM 111111 Sir Moses Moiltesiore's Leben. Unter diesem Titel sind in ״The Jcwish World" eine Reihe von Episoden ans Sir Moseö Montesiorc'S Leben veröffentlicht, von denen wir einige der iutcr* cssantestcn in freier Ucbersetznng nach dem Original folgen lassen wollen. ES ist wohl selbstverständlich, daß der Mann, welcher die Sache seiner Brüder vor Königen und Fürsten mit unvergleichlichem Math und Unerschrockenheit vertrat, zu rechter Zeit nicht umS rechte Wort verlegen war. Bekannt ist die scharfe Antwort, welche Sir Moses den! .Kardinal Aiitonclli bei Gelegenheit der Mortara- Asfairc crthcilt hat, da dieselbe jedoch in verschiedenen Versionen kursirt, so will ich dieselbe hier wiedergeben, wie ich sic aus dem eignen Munde Montesiorc'S vernommen habe. Der Kardinal bemerkte, daß Montefiove ohne Zweifel viel für die erlangte Konzession zu bczahlen habe — doch sprach er diese Worte in solchem Tone, daß Montcfiore die boshafte Anspielung nicht entgehen konnte. Montefiorc crn iderte darauf: ״Weniger, als ich Ihrem Diener gab, um meinen Mantel mir im Vorzimmer abzunehmcn." Noch besser war die Antwort, welche Montcfiore dem französischen Geschichtsschreiber Guizot auf eine sehr ungebührliche Bemerkung desselben gab. Guizot hatte nämlich eine große Abneigung gegen Juden, ans welcher er auch gar kein Hehl machte. Besonders unsympathisch waren ihm die Rothschild'S, so daß er B. von der durch ihre Wohlthätigkeit bekannten Frau von Rothschild nie anders als von ״diesem Indcuweibe" sprach. Einmal war Sir MoscS tnit Guirot zusammen, als Frau von Rothschild angemcldet wurde. ״Ach! schon wicdcr dies Iudcuweib!" rief Guizot aus. Montefiorc, der eine solche Aenßerung über diese Dame nicht gewohnt war,