Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1885)
- Article
- Bemerkungen zu den Verhandlungen und Beschlüssen der Rabbinerversammlung zu Berlin
- Date
- 1885-09-09
- Page
- 580 (sequence 1)
- Language
- German
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580 SklilttlMM?11 dk» yrtljanMuttgen Md KtWsstil kr ilabbittcrucrfanimlung?«; Berlin. (Fortsetzung.) Man gewahrt die Eilfertigkeit, mit der die Tagesordnnng dnrchgcdrückt wurde, und die Dürftigkeit der offiziellen vom Präsidium der Seffent! ichkeit übergebenen vorliegenden Darstellung der Verhandlungen zeugt entweder von der Jnl^altlosigkcit der Debatten oder von der Unterdrückung des besten Theils derselben, den man ans Klnghcitsrücksichtcn der allgemeinen Kenntniß und Bcnrthcilung zu entziehen für ersprießlich erachtete. Unverständlich erscheint die Anführung: ״Sämmtlichc Abänderungsvorschläge werden der Redaktionskommission zur etwaigen Benutzung überwiesen," nachdem dieselben diskntirt und abgelchnt worden waren. Es drängt sich die Frage-auf, erachtet die Versammlung ihre Beschlüsse für so nichtssagend, daß sic d r Nedaktionskommission freie Hand ließ, dieselben nach Gutdünken zu modisizircn? Es würde, falls diese Frage bejaht werden müßte, die Ansicht gewiß nicht so ganz ohne Berechtigung sein, daß die Verhandlungen mit dem ganzen Apparat der ernstesten parlamentarischen Formen eigentlich ein höchst harmloses Spiel gewesen sein dürsten, wenn nicht die wohlbcrechncte Absicht vorgelegen hätte, dieses Spiel dem Publikum als Ernst anszugcben. Die achtundscchzig Herren hätten ruhig zu Hanse bleiben und die ziemlich leeren Anträge der Kommission in aller Gemnthlichkcit stndircn, mit Vemerknngcn versehen, znrückscuden können, der Nedaktionskommission es überlassend, welchen zweckdienlichen Gebrauch sie davon zu machen für gut halten möchte. Nicht uninteressant ist die ein wenig ausführlicher mitgethciltc Debatte über den Kommissionsantrag, daß ״die Pflege des Religionsunterrichts und die Hebung des. jüdischen Schulwesens durch Fürsorge für den hebräischen Unterricht in Gemeinden, in denen derselbe noch nicht genügend berücksichtigt ist (Errichtung besondcrer Kurse für das Hebräische)" anzustrcben fei. Nach dem Zeuguiß des Herrn Dr. Fcilchenfcld verdankte dieser Antrag seine Anregung cinesthcils dem Kollegen Di. Ziemlich, welcher auf die Verhältnisse in Bayern hiuwics, wo vielfach an den Volksschulen nur zwei Stunden Religionsunterricht crtheilt werde; andcrntheils dem Kollegen Dr. Horowitz, welcher meinte, ״daß das Hebräische besondere Berücksichtigung" finden müsse. Dr. Ziemlich selbst wünschte allerdings, daß man sage ״durch Ergänzung dcS in öffentlichen Schulen erthcillcn NcligionsunterrichtS durch Errichtung gemeindlicher Untcrrichtskurse für das Hebräische". Hierzu wurde durch das Kommissionsmitglicd Dr. Grone m a n n bezeugt, daß das Wort ״Ergänzung" die Kommission ״sehr lauge beschäftigt habe". Dieselbe habe es aber ״schließlich abgclehnt", weil sonst dadurch der Eindruck geschaffen würde, daß das Hebräische nur etwas Nebensächliches, ״nicht zum eigentlichen Religionsunterrichte Gehöriges sei." 1)1׳. Dessau er hält dagegen den ganzen Antrag für überflüssig, weil ״die Pflege dcs NcligionsunterrichtS beim Inden Pflege der hebräischen Sprache heißt." 1)1׳. Landau stellt cS als ״unbestreitbar" hin, ״daß zum Religionsunterricht einiges hebräisches Wissen gehört." Dr. Joel meint in seiner gcmüthlichcn Art, es sei ja kein Gesetz, ״also schreiben wir diesen harmlosen, unverbindlichen Wunsch hinein!" Natürlich, selbstverständlicheS Resultat der Debatte: unveränderte Annahme dcs KommissionsantragcS. Welchen Werth hat dieser aber nach dem vorauSgcgangencn Worlkampfe, oder besser nach zuvor abgelegten Proben in der Klopffechtknnst? Diese scheinbar ungemein subtile Abwägung des Ausdrucks und das sich um denselben entspinncude Scheingefecht findet durch die nun folgende Debatte über den Kommissionsantrag, daß ״die Pflege dcs Religionsunterrichts und die Hebung des jüdischen Schulwesens durch Fernhaltnng ungeeigneter Elemente von dem NcligionS'Lchrcrstande" zu finden sei, eine noch charakteristischere Illustration. Man wird kaum behaupten können, daß in dieser These eine neue Wahrheit geosfcnbart wird. Daß ungeeignete Lehrer nicht geeignete Lehrer sind, daß cö den Unterricht nicht fördert, wenn ungeeignete Lehrer ihn crtheilcn sollen, daß demnach die Fernhaltnng ungecignetcr Individuen von dem Ncligions-Lchrerstandc höchst, wünschcnswerth und geboten erscheint, wenn man den Unterricht in der Religion heben will, — wir glauben, das ist auch dem gewöhnlichen, schlichten Verstände einleuchtend, und um diese wclterschütternde These zu proklamiren, brauchten sich achtnndsechzig ehrwürdige Kollegen wahrlich nicht nach der RcichShauptstadt zu bemühen. Wir ״betonen" mit dem zweiten Herrn Präsidenten ״nochmals, daß nur die eigentliche Erklärung", nicht aber deren Begründung Gegenstand der Debatte bildet und daß ״selbstverständlich" weder diese noch die Erwägungen verhandelt werden sollten, weil man nur für die Thesen selbst die Verantwortung übernehmen wolle. Werth und Geltung für das in erwartungsvoller Spannung auf die Offenbarungen dcs Berliner Konzils — harrende Volk haben deshalb nur diese nackten Thesen, wofür die ehrwürdigen Herren die Verantwortung übernehmen, während die armen Erwägungen und Begründungen als unächtc, namenlose Kindlcin umhcrirrcn müssen. Man muß sich dieses nach der früher» Mahnung des Herrn Präsidenten stets gegenwärtig halten, um zur Höhe der sich über