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Jeschurun · 1885-09-03 · Heft 36 (3.9.1885) · p. 568

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 36 (3.9.1885)
Article
Reb Mausche
Date
1885-09-03
Page
568 (sequence 3)
Language
German
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hundert — — Gulden. Al—les — Andere theilt ' un—tcr — Euch-Andenken!" | Die letzten Worte hatte er nur noch mit äußerster j Mühe und unverständlich Hervorbringen können. Wieder! verrannen einige Stunden in trüber Stille. Der! Sterbende murmelte nicht mehr, nur ein schweres Keuchen entrang sich noch seiner schwer arbeitenden Brust. Da — eö mochte gegen drei Uhr nach Mitte!׳- nacht sein — erhob er plötzlich beide Hände ein wenig und öffnete für einen Moment die Augenlider. ״Ich segne Euch, meine Kinder!" rief er mit geisterhaft hohler Stimme, ״Heil — Hallelujah!" Die Arme sanken zurück, die Augen brachen sich und der Athen! wurde immer kürzer, abgehackter. Entsetzt riefen wir: ״Schema JiSracl Haschen! Elokenu Haschen! Echod!" Die Lippen des Sterbenden bewegten sich kaum nierklich, er murmelte uns das Schema nach, aber wir hörten cs nicht mehr. Dann folgte ein schweres, tiefes Aufseufzen — und in einem Tempel der reinsten Gottesfurcht, des hehrsten Seelenadels war die heilige Opferflamme erloschen! Und jetzt lag es vor mir da, das milde, edle Antlitz meines alten Freundes mit dem unheimlich fremden, dem überirdisch Durchgeistigenden und zugleich unnennbar Wehmüthigen in den Mienen, sowie cS mir im Traume erschienen war. * * * Seit der weisheitsprudclnde Mund Neb Manschet sich für innner geschlossen, seit er selbst sein schmales Bretterhcim am Friedhöfe draußen bezogen hat, läßt es sich Niemand mehr angelegen sein, auf Gassen und Märkten nach jungen Leuten zu fahnden, deren Mienen cs vcrrathen, daß sie wcrth seien, den heiligsten idealen Gütern der Menschheit: dem Glauben und der Sitt-- lichkcit, unter mannigfachen Opfern gerettet zu werden, daß ihr Abfall, ihre Verirrung auf den Abwegen des Alltagslebens für die gute Sache einen bedauerlichen. Verlust bedeuten würde. Seit jener Zeit kümmert sich auch kaum mehr Jemand darum, das 'durch Tausende von Entbehrungen verbitterte Dasein der Elenden um Einiges freundlicher zu gestalten. Sein Tod war heroisch groß wie sein Leben. Er siel auf den! Felde der Ehre. Indem er für die Menschcnbcglückung stritt, holte er sich den Todeskeim. Schlummere sanft, alter freundlicher Mann, gewaltiger Heros der Liebe und des edlen Menschenthums. — Doch was wünsche ich dir das erst? — Kann eS sich denn nach einem solchen Leben auch anders schlummern lassen als sonst? Korrcspoildcilzcll und Nachrichten. Deutschland. -st- Hamburg, 31. August. Tief schmerzen muß cs jeden wahren Freund des Judcnthums, wenn er sieht, wie die Frivolität cs wagt, sogar das bis jetzt für unantastbar Geltende in ihren Schmutz und Koth herabzuziehen. Dieser Tage trat ich in ein Papier- Warengeschäft, um mir zur kürzeren und bequemeren Erledigung meiner Nofch-Haschanah-Korrespondenz eine Anzahl gedruckter Gratulationskarten 2c. zu kaufen. Bei der Auswahl fiel mein Blick aus einen Bogen, dessen Inhalt eine solche Blasphemie aus unser Heiligstes enlhält, daß ich mir, wenngleich sich fast meine Fedrr sträubt, denselben wiederzugeben, nicht versagen kann, denselben wenigstens in seinen Hauptpunkten zur Warnnng vor einer derartigen Herabwürdigung unseres gottlob heutzutage trotz der traurigen Zustände dennoch von allen denen, welche noch nicht ganz zu den vom alten Glauben Abgefallencn zu zählen sind, hoch und heilig gehaltenen Nosch-Haschanahsestes wiederzugcben. Das Ganze ist in Form eines Fakrnra gehalten. Als Firma steht darüber verzeichnet: ״Göttliche Vorsehung, Himmelreich, Adresse für Tclegramme noch uncrfunden, Telephon im בית הכנסת, Fabrik und Lager aller Sorten Wünsche, Export nach allen Ländern der Erde." Als Fabrikmarke ist ein Magen-David mit בע״ה in der Mitte bezeichnet. In dem Begleitschreiben der Faktura zeichnet sich der ״General-Agent der Göttlicher Vorsehung." Die Ueöerfcfjrift der Faktura selbst ist: ״Faktura von der Göttlichen Vorsehung". Und nun konnnen in noch dazu höchst geschmackloser Weise folgende ״Kolli" verzeichnet: ״I Kiste Glückwünsche, reinste Waare, 2 Originalsässer Segen und Heil Ia Qualität, 1 Tonne Masel und Brache 100 ,על ר״ה Flaschen honigsüße Freude, 1 Balleu Gesundheit und Zufriedenheit, 11 Dosen Humor (unfehlbares Mittel gegen Grillen.") — Bemerkt wird endlich, daß ״Jahreswechsel mit Berbindlichkeit augeuommeu, Reklamationen nicht berücksichtigt werden, da ich nur die besten Wünsche sende." — Wir müssen gestehen, daß wir — abgesehen von der Abgeschmacktheit — von jüdischer Seite nicht leicht eine größere Verunglimpfung des Heiligsten gesehen haben. Wir wagen cs nicht, den schmachvollen Vergleich näher auseinanderzusetzett. welcher in diesem Machwerk enthalten ist. Es bedarf übrigens gar keines Kommentares. — Möge man doch in der Sucht, Neues und Witziges zu finden, nicht so weit gehen, sich an dein Göttlichen selbst zu vergreifen! Uebcrdies ist cS am allerwenigsten am דאש השגה — dem יוס תתעה — an! Platze, seinem Witze freien Lauf zu lassen.

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