Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1885)
- Article
- Die Gefährdung des Rechtsschutzes des jüdischen Gottesdienstes
- Date
- 1885-09-03
- Page
- 566 (sequence 6)
- Language
- German
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an קריאת שמע, auch einer Verlesung von Thora-! dienstes durchaus entgangen ist und es sonst unmöglich abschnitten, erinnert. Wir fügen daran noch einige einen I in jene beklagenSwerthe irrthümliche Ansfassung gerathen Theil der Liturgie ansmachc-nden Auszüge ans dem! sein könnte. Die Opferhandlungen wurdet! von חצוצרות schriftlichen und mündlichen Gesetze, als איזהו מקומן; und שיפר, die beiden Seiten des Gottesdienstes um- 11 פטום הממ-רת ,פרשת התמיר, s. w. au, und fragen: i fassend, begleitet: als die Erhebung der menschlichen würde der Erstatter 'des ®utadjicaä eine Störung des! Seele zu Gott und die Verkündigung des GotteSwillenS Gottesdienstes darin erblicken, wenn während der Rezitirung des 7,קרבן מום in der תפלה, ober der eben genannten Stücke Unfug verübt worden wäre? Wir müssen allerdings daraus gefaßt sein, daß er diese Frage verneinen und uns sagen wird, das; auch diese Stücke lediglich belehrenden Inhalts und deshalb nicht Theite des Gottesdienstes seien. Und doch wäre nichts falscher. Daß solche Stücke in die Liturgie ausgenomnten sind, geschah nicht zum Zwecke des Unterrichts sondern weil sie dem wesentlichsten Ziele dcö Gottesdienstes in einem besonderen Grade förderlich erscheinen. Unser Gottesdienst, עבודה שבלב, steht in innigem Zusammenhänge zu der עבודה, die in dem Heiligthume zu Zion in den bedeutungsvollen Handlungen sich vollzog, und wie unsere Synagoge sich als מקדש מעט, als ein Gotteshaus darstellt, welches.ein schwacher Abglanz der Heiligkeit des Tempels aus der Moriahöhe umstrahlt, also ist unser Gottesdienst ein leiser Nachhall der durch den Gottesdienst im Beth-Hanrikdosch zum Ausdruck gelangten ewigen Wahrheit und eindringlichen Mahnung. וגשלסח פריים שפתינו, das schwebte den großen Männern, die unseren Gottesdienst ordneten, stets vor der Seele, das war zu allen Zeiten in Israel ein lebendiger Gedanke. תפלות כנגד תמירים תקנום*), die stete Vergegenwärtigung der durch die Opfer- Handlungen gepredigten Lehren sollte durch die Einfügung der entsprechenden GesetzeSvorschristeu in die Liturgie im Volke erhalten werden, und so begreift man Vorschriften wie אומרים פ׳ התמיד מעומד דומיא דקרבנות שהיה בעמידה u. dgl. m. (Siebt cö einen erhebenderen Moment in uuserm ganzen Gottesdienst, als die עבורה am Jom-Kippur'? Nun wohl, in folgerichtiger Entwickelung der Ansicht des Gutachtens müßte auch dieser Theil ans dem Gottesdienste Ausscheiden, so zwar, daß, wenn in dem Augenblicke, in welchem die Gemeinde sich mit demselben beschäftigt, eine Schaar Betrunkener hcreinstürmcu würde und sie störte, der Artikel 167 des Strafgesetzbuches nicht zur Anwendung gelangen könnte, weil die עבורה ja nur eine Unterrichtsstunde wäre, in weicher der historische Vorgang des Dienstes im Tempel zu Jerusalem vorgc-Lragen wird. Wir hüben absick׳ck-!ck? om die Erwähnung der מרבנות in unserem Gottesdienste erinnert, weil dem Gutachten dieses einzige Vorbild des jüdischen Gottes- . ,ברכות כ״ו (* an die Menschen. Eine Scheidung ist durchaus unmöglich, will man nicht das Wesen des Gottesdienstes überhaupt aufheben. Wir beklagen ans tiefster Seele den Jrrthnm des Gmsener rabbinatlichen Gutachtens, durch welches dem jüdischen Gottesdienste der Schutz des Gesetzes entzogen ist. Wir wiederholen unsere Verwahrung gegen dasselbe mit aller Entschiedenheit und erachten es als hettige, ernste Pflicht der Gesamnttheit, dagegen Protest einzu legen. Der Urheber jenes auf einer vollständigen Verkennung des strasgesetzlichen Begriffs ״Gottesdienst" und einer nicht minder bedauerlichen totalen Außerachtlassung des Wesens des jüdischen Gottesdienstes beruhenden Gutachtens kann sich der Verpflichtung nicht entziehen, vsscntlich seinen Jrrthnm zu bekennen, sobald er dessen iune geworden, um der Wahrheit die Ehre zu geben und, was an ihm ist, zu thun, um den gefährdeten Rechtsschutz unseres Gottesoienstes wiederherzu stellen. ___ Keb Mansche. Ein jüdisches Lharütterbild von Samucl Berthold Ro Sner. (Nachdruck verboten. Uedcrscyungsrcchl Vorbehalte».) (Schluß.) Ich ging an diesem Tage früh zu Bette und dank meiner Müdigkeit und Abgespanntheit war ich schon nach einigen Minuten eiugeschlasen. Es war aber kein ruhiger Schlaf, in welchen ich verfiel, ein wilder, alpartiger Traum löste den andern ab, und in allen den unheimlichen Traumbildern erschien mir das milde, edle Antlitz meines alten Freundes. Aber immer war in die wohlbekannten Mienen etwas so unheimlich Fremdes, ein so überirdisch Durchgeistigtes und zugleich unnennbar WehmüthigeS eingeflochten, daß cs mein Herz im Schlafe selbst ängstlich zusammenpreßte. Plötzlich fuhr ich mit laut pochendem Herzen und aufgerissenen Augen im Bette empor — ein gellender Glockenton hatte mich aufgeweckt. Ich lauschte, von einer gespcnsterhcrftm Furcht befallen, mit angehalten em Aihem und wollte schon, in der Meinung, eine Traumphantasie habe mich aufgeweckt, schweiß- -riesend in die Kissen zurücksinkeu, als ein abermalig^ heftiges Läuten das Hans dnrchhaüte. Jetzt hörte ich die Gassenpforte knarren, einst flüchtige Worte wechseln, woraus man an meine Thi