Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1885)
- Article
- Bemerkungen zu den Verhandlungen und Beschlüssen der Rabbinerversammlung zu Berlin
- Date
- 1885-08-28
- Page
- 548 (sequence 2)
- Language
- German
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drucks, welchem später Jeder eine ihm beliebige Deutung! zu geben vermag, ohne in einen nachweisbaren Widersprach mit den heute gesagten einmüthigen Beschlüssen; zu gelangen. Darum oklrohirt der erste Herr Präsident : den Ausschluß dcS ״obligatorischen Religionsunterrichts" von der Debatte, darum verbannt der ihm an Weisheit ebenbürtige zweite Herr Präsident die einleitenden ״Erwägungcn" der Kommission aus dem Bereiche der Verhandlungen, darum erfährt die darauf folgende ״Begründung" das gleiche Geschick, darum ereilt dem Anträge Groncmann und Genossen eben dasselbe Schicksal, darum gestattet er nur auf den Antrag der Gesammtkommission, nicht aber auf den der ad hoc eingesetzten Subkommifsion, eine allgemeine Ausführung. Interessant ist die elegante Leichtigkeit, mit welcher Herr Di׳. Joel einer Erörterung ״über die Nothwendigkeit dcS obligatorischen Religionsunterrichts״ den Weg in die Debatte verlegt. Sie scheidet dadurch aus, vcrkündet er den Kollegen, ״daß Niemand sie bestreitet, daß Keiner von uns sich etwa erwärmt für das privilcgium odiosum der Zeit, ihre Kinder, wenn eS ihnen (den Kindern?) paßt, auch nicht in Religion unterrichten zu lassen;" und ferner: ״etwas, was nicht in unserer Macht steht, können wir nur anstreben, nicht beschließen." Als ob die Frage nach obligatorischem Religionsunterricht dadurch erledigt wird und keine disserircnde Meinung zulasse, wenn auch Niemand dafür spredien möchte, daß die Jugend ohne religiöse Unterweisung bleiben solle! Hub ferner: derselbe Mund, welcher cs hier als Grundsatz ausspricht, daß die Vcrsammtung nichts beschließen könne, was nicht in ihrer Macht steht, redet nach einer kurzen Weile einem anderen Anträge das Wort, ״ich meine, meine Herren! schreiben wir diesen harmlosen, unverbindlichen Wunsch hinein!" Es würde also gar keinem Bedenken unterliegen, auch in Betreff des obligatorischen Unterrichts irgend einen gemeinsamen Wunsch zum Ausdruck zu bringen. Sein Kollege im Präsidium, Herr Dr. Bamb erg er, machte sich die Sache noch leichter. Er begnügt sich, seine Verfügungen einfach als ״selbstverständlich" zu bezeichnen, und damit abgemacht! Die Herren Kollegen waren sämmtlich klug!genug, die vorsorglichen Maßnahmen ihrer beiden Präsidenten vollauf zu würdigcn und dieselben stillschweigend über sich ergehen zu lassen. Freilich trat später im Laufe der Debatte eine gewissermaßen unbedachtsamer Weise sich dagegen auflehnende Haltung einzelner Redner zu Tage; dieselbe konnte aber ohne Mühe leicht bewältigt werden. Trotzdem seitens des Kounnissionsmitgliedes, Herrn Dr. Groncmann, ausdrücklich konstatirt wurde, daß die der Versammlung vorgelcgten Abänderungsvorschläge der Kommission nicht vollständig die Beschlüsse derselben wiedcrgebcn, ein Umstand, welcher dem Präsidenten nicht bekannt war, und bei welchem es bedauerlichst nicht festgestellt wurde, worin diese Unvollständigkeit liege und wer daran Schuld trage, ließ Dr. Bamberger den ganzen Entwurf der Kommission zur Verlesung bringen und schloß dessen ersten Theil von jeder Debatte aus. Das ״Selbstverständlich", mit welchem Herr Dr. Bantbcrger also verfuhr und damit ״sclbstvcrständlich" allseitigstc Zustimmung fand, ist in der That köstlich. ״Für uns handelt cs sich nur um das Materielle, was wir erklären sollen und wosür wir die Verantwortung allein übernehmen." Wir möchten demgegenüber uns die bescheidene Anfrage erlauben, was denn eigentlich die ״Erwägungen" für einen Werth haben und wer denn zu denselben Gevatter stehen will? Gerade in der ״Erwägung" zu einer Erklärung liegt der letzteren Bedeutung. Und nun gar zu Erklärungen in einer so bedeutsamen Angelegenheit, wie der hier vorliegenden. Da vereinigen sich Männer, deren ernstes Amt keine andere Obliegenheit kennt als den ״religiösen Sinn" im Volke ״zu heben", und die als oberste Lehrer der Religion die Berufensten sind, in der ״Förderung des Religionsunterrichts" eine heilige Zuflucht zu erblicken, zu einer gemeinsamen Berathnng, um über die ״Mittel" zu sinnen, wie sie diesen Pflichten am zweckmäßigsten genügen können. — und sie erachten cs für ersprießlich, eine Erklärung in die Oesfenllichkeit zu senden, deren Wirkung auf das Volk durch die Einmüthigkeit der glänzenden Versammlung von Rabbinern, aus deren Erwägungen sie hcrvorgegaugen, erhöht werden soll — und scheuen sich, für die Erwägungen, welche sie zu dieser feierlichen Erklärung veranlaßt haben, die Berantwortung zu übernehmen! Ja, sie sürchten, sich in eine Diskussion über diese ״Erwägungen" und ״Begründnngcn" zu ihrer ״Erklärung" einzulassen! O, meine hochverehrten Herren, wenn es Ihnen wahrhafter, heiliger Ernst mit Ihren heiligen Pflichten ist, und Sie aus der gemeinsamen Berathnng die Erkenntniß der besten Mittel für die Erfüllung derselben als einzige Frucht ihrer Zusammenkunft erzielen wollen, dann haben Sie doch nichts zu scheuen, dann geben Ihre Gemeinden Ihnen gern noch ein Paar Wochen Urlaub, dann gebricht es Ihnen nicht an Zeit zur ernsten eingehenden Erwägung. Daun wird Ihnen auch vor Allem daran gelegen sein müssen, gerade diese Erwägungen in ofsizicllster und eindringlichster Weise dem Volke zur Kcunlniß zu bringen, auf daß es für Ihre Erklärungen ein um so ossmereö Ohr haben und um so williger sein wird, Ihnen zu folgen, wohin Sie eö zu leiten gedenken, Ihre Absichten zu fördern und sich Ihnen'mit allen seinen Kräften zur Verfügung zu stellen. Da Sie aber so ״selbstverständlich״ die Erwägungen von der Debatte auSschlosscn, so diskrcditiren Sie Ihr eigenes Werk. Man muß sich ja sagen, die Herren fürchten