Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1885)
- Article
- Der Kriegsgefangene
- Date
- 1885-08-20
- Page
- 538 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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538 Das ist der Ton der frohen GotteSseste, Das ist der Ton, der uns die Thora sprach — Ich fomnic, Gott, der Du uns gabst das Beste, Der Auferstehung srend'gen Siegestag. So wird uns einst das Weltgericht ertönen! Blast die Posaunen, denn der Netter naht! Hör' Israel, hör' Israel, Dein Sehnen, Es wird erfüllt — es stirbt der Römer Staat!" Ein Blitz — ein greller Schein — die Wände beben — Todt liegt der Greis, der Götzendiener Spott — Es nahm Zu sich, zu bcsserm, freud'gcm Leben Den Sohn des Gottesvolkes — Judah's Gott. Km׳ch0lldc!lze!l lind Nachrichten. Deutschland. -$■ Hannover,!8. August. Es gehen uns von vielen Seiten Berichte über Kundgebungen zu Ehren des Gedächtnisses Sir MoseS Montefiore's zu. Wir danken unseren Herren Korrespondenten für diese Mittheilungen, welche die Thatsache bestätigen, daß der edle Verblichene von dem ganzen Hause Israel beweint wird. Wir müssen uns jedoch versagen, diese Berichte zur Verössentlichnug zu bringen, weil uns hierfür der Raum n!an gelt. ־& Hannvver, 18. August. Don Herrn Schuldirektor Ludwig Stern zu Wür.zburg, Vorsitzenden des israelitischen Lehrervcrcms für das Königreich Bayern, werden wir um die Erklärung ersucht, daß der in Nr. 82, li. d. Fürth, 30. Juli, gebrachte Bericht über die sechste. Generatversammlung des genannten Vereins vom 28. Juli nicht als eine offizielle, von der Verwaltung des Vereins ausgegangene Kundgebung zu betrachten sei Wir kommen diesem Ersuchen gern nach, indem wir bemerken, daß jener Bericht von einem der Herren Theilnehtner an der Fürthcr Vcrsammlung uns freund!ichst zugesandt worden ist. -n- Berlin, 16. August. Die fleißige ״Kreuz- Zeitung" hat nicht Wort gehalten. Nachdem sie die Welt auf ein ganz Neues und Gewaltiges in ihrem ״Einiges zur Iudensragc" vorbereitet hatte, brach sie plötzlich ab und läßt uns schon seit acht Tagen auf eine zweite Fortsetzung des mit so vielem Pomp angekündigten großen Angriffes sehnsüchtig harren. Ans welchem Grunde das neue große 'Geschütz plötzlich das Feuer eingestellt, vermag ich nicht zu begreifen. Wenn dereinst ein später Enkel die glorreiche Geschichte des antisemitischen Krieges in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts schreiben wird, dann wird es ihm vielleicht auch gelingen, in dem Archive des großen Generalstabes eine Erklärung dieser bedeutsamen Thatfache zu finden, und ich beneide meine Enkel Hegen dieser sensationellen Entdeckung. Die Zeitgenossen aber stehen vor einem strategischen Räthsel. Inzwischen wird das gewohnte Kleingcwehrfeuer kräftig unterhalten. DeS ewigen Feuers im Tempel der Vesta wurde kaum treuer gewartet als der heiligen Flamme des Antisemitismus, und nicht erhabener war die Tugend der Veslalinncn, wie die völlige Hingebung der Priester des Antisemitismus an ihren hehren Beruf. Auch diese schreiten im langen, schneeweißen Gewände einher, auch ihre Stirne ziert die keusche Binde, auch sie umfiicßt der wallende Schleier, als Zeichen der Unnahbarkeit, auch ihnen geht der Liktor mit den FasceS voran, aus welchen in der gegenwärtigen Kriegszeit die Secures drohend hervorlugen. — Nein, das Feuer erlischt nimmer, so lange die Vesta ״Kreuzzeitung" am Altar steht, deß dürfen wir uns versichert halten, und sie nährt die heilige Flamme mit dem wohl bewährten und erprobten Material, daß sie stets gleichmäßig leuchte zum Schutze für die theuersten Güter des VaterlandeS. Sie ist unermüdlich und findig in der Beschaffung des besten Brennstoffes. Wir staunen darob nicht mehr, wir bewundern aber stets aufs Neue. Da existirt in Berlin eine Zeitung unter dem Titel ״Berliner Tageblatt", welche den allgemeinen, politischen, industriellen, kommerziellen, literarischen u. s. w. Interessen gewidmet ist, gleich allen anderen Zeitungen der Tagespresse. Mit dem besten Willen kann der gewöhnliche Menschenverstand nichts in den. Spalten des ״Berliner Tageblatt" entdecken, welches darauf hiudeuten möchte, daß diese Zeitung im Dienste der jüdischen Religion thätig wäre. Sic ist alles Andere, nur nicht ein religiöses, oder gar jüdisch-religiöses Blatt. Dieses ״Berliner Tageblatt" zählt vielmehr zu den sogenannten liberalen Blättern. Der politische Liberalismus desselben wird von der ״Krcuzzeitnng" flugs in ״jüdischen Freisinn" verwandelt, warum? ist ihr Geheimniß. Einige Zeilen weiter hat sie aus dem ״Berliner Tageblatte" ״das jüdische Blatt" gemacht, und fünf Reihen weiter sind das ״Berliner Tageblatt", ״der jüdische Freisinn", ״das jüdische Blatt" verschwunden und sie hat ״das Judenthum" erfaßt, welches ״die Faust aus dem Sacke zieht" und ein wenig Revolution machen will, und somit sich einen recht harzigen Scheit konstruirt für den Altar des heiligen Antisemitismus. Also am 12. August.-Sollten doch nicht endlich dem Volke die Augen anfgehen, sollte es doch nicht sich abwenden von Bestrebungen, die auf solcher Basis operiren?! 8. N. Köln, 16. August. Von den Zöglingen desKölner Lehrer-Seminars haben sich in diesem Jahre elf zur Prüfung als Etementarlehrer gestellt und sämmtlich ihr Examen gut bestanden. Das Resultat