Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1885)
- Article
- Bemerkungen zu den Verhandlungen und Beschlüssen der Rabbinerversammlung zu Berlin
- Date
- 1885-08-20
- Page
- 533 (sequence 3)
- Language
- German
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533 Schanden werden" — das konnte man doch nicht so gerade heraus sagen. Darum müssen die lieben Gemeinden wieder herhalten, denen ja die ganze Schuldenlast des Verfalls von Seiten der Herren Rabbiner gestern ausgebürdet worden ist. Die lieben Gemeinden hegen eine so herzliche Sehnsucht nach ihren hier versammelten Rabbinern, daß sie die Trennung von einem oder zwei Tagen schon schmerzlichst empfinden; drei oder vier Tage ohne ihren Rabbiner zuzubringcn, d'aS können sie nicht ertragen, das bricht ihnen das Herz. Und dann sind sie der ״drängende .Hausherr", welcher die Seinen stramm im Zügel hält und keinen lungern Urlaub bewilligt! Wunderbar! Wie männiglich bekannt, nehmen sich viele Herren Rabbiner allsommerlich so eine drei, vier oder fünf Wochen Urlaub, um auf Reisen zu gehen zur Erholung, zur Stärkung u. dcrgl. — und jetzt sollten sie auf knappe drei Tage sich beschränkt sehen? Und dabei handelt es sich um das Größte und Wichtigste, und dabei wartet ganz Israel auf die Verkündung, welche von Berlin anSgehcn soll!! (Fortsetzung folgt.) Mcherschas. Deutsche Schreib- und Lese-Fibel, nach der analytisch-synthetischen Lesemethode. 1. Fibelstoff. 2. Lcsestücke. Ausgabe A (Theil I). Bearbeitet von Raphael Cohn, Lehrer an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde in Berlin. Berlin 1885, Verlag der Stuhr'schen Buchhandlung (S. Gerstmann). Wie der Herr Verfasser im Vorworte angiebt, ist die vorliegende Fibel aus dem Bedürfnisse nach cinr solchen von konfessionslosem .Charakter entstanden. ״Vorliegende Fibel enthält nichts Konfessionelles. Sie hat den Zweck, das Kind zu belehren, einen sronunen Sinn in ihm zu erwecken und sein Gemüth zu veredeln und zu erheitern." Jndeß will cS uns dünken, als ob der Herr Verfasjer sich in einem Jrrthume befindet. Denn wenn wir bedenken, daß unsere Elementarschulen zumeist einen konfessionellen Charakter tragen, so möchten wir jenes vermeintliche Bcdürfniß nach einer Fibel von konfessionslosem Charakter in Abrede nehmen. Allerdings ist es richtig, daß die vorhandenen Fibeln einen mehr oder minder ausgesprochenen konfessionellen Charakter tragen, doch schließt dies nicht das Bcdürfniß nach einer konfessionslosen Fibel in sich, sondern vielmehr wäre für die jüdischen Elementarschulen — und an diese hat unseres Erachtens der Herr Verfasser der ganzen Sachlage nach bei der Abfassung seiner neuen Fibel zunächst gedacht — das baldige Erscheinen einer Fibel von ausgesprochen jüdischem — und zwar achtjüdischem — Charakter sehr wünschenswerth. Wir glauben, daß dadurch in noch erhöhtem Maße der Zweck erreicht wird, ״das Kind zu belehren, einen frommen Sinn in ihm zu erwecken und sein Gemüth zu veredeln." Da wir jedoch noch vorläufig einer in diesem Sinne bearbeiteten Fibel entbehren, so möchten wir allerdings so lange einer Fibel, wie der vorliegenden, das Wort reden. — Bei dieser Gelegenheit können wir eS unS nicht versagen, unser Bedauern darüber auszusprechen, daß, wie wir eine deutsche Fibel speziell für die jüdische Volksschule entbehren, so auch unseres Wissens keine Lesebücher speziell für jüdische Volksschulen existiren. Wir glauben, daß die Bearbeitung dieses noch brach liegenden Gebietes sehr dankbar sein und von vielen Seiten mit großer Freude begrüßt werden würde. Doch möchten wir gleich darauf Hinweisen, daß uns nur eine Bearbeitung im Sinne des — sagen wip eS gerade heraus — orthodoxen JudenthumS frommen kann; anderenfalls geben wir unseren Kindern lieber Lehrbüchcr von konfessionslosem Charakter in die Hand. Was im Uebrigen die vorliegende Fibel betrifft, so entspricht dieselbe allen pädagogischen Anforderungen. In derselben ist die Normalwörtcr-Mcthode, welche wohl heutzutage als die beste zn betrachten ist, durchgeführt. Die Bilder zn den einzelnen Wörtern sind zweckentsprechend; nur dürfte vielleicht an Stelle des Wortes ״Made" mit dem gleichfalls nicht sehr glücklich gewählten dazu gehörenden Bilde bei einer neuen Auflage ein entsprechend anderes Wort mit Bild zu setzen sein. Typographische Ausstattung, Druck, insbesondere die Ausführung der Schreibschrift, dürften ebenfalls als wohlgelungen zu betrachten sein. R.1. Kollektiv-Berichte aus Ungar». XLVII.' (Schlntz.) Die Schreiber'schen Zirkulare in ihrer Totalität haben blos die Nacht angczeigt, aber auf die Frage: שומר מה מלילה weiß weder er noch sein Anhang rechten Bescheid. — Was wird doch die Finstcrniß durchbrechen, die Nebel zerstreuen? Diese Fragen belasteten wie ein drückender Alp unsere Seele, und siehe, da faßt Herr Reich selbst dm heroischen Muth. zur Reorganisation die Initiative zu ergreifen! Wir registriren diese Thalsache mit vielem Vergnügen und vollkommener Anerkcnnung und erblicken in diesem Entschlüsse die Garantie freundlichen Entgegenkommens und thatkräftiger Unterstützung. — Wer könnte wohl auch bei diesem Geschäfte