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Jeschurun · 1885-08-20 · Heft 34 (20.8.1885) · p. 529

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 34 (20.8.1885)
Article
Aberglaube
Date
1885-08-20
Page
529 (sequence 1)
Language
German
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M 84. fY i/ in Haus, Gemeinde und Schule. ■begründet von SlMlsvN Nllphlict Hirschl Jlnß&inrr 11. Israofilifracn JMipn8!!efelI?({u1j't 311 J?t(111!f11rt a. Neue Folge. Dritter Jahrgang. Herausgegeben unter Mitwirkung des Begründers und bewährter Genossen von Isttac KirsH. Diese Wochenschrift erscheint jeden Donnerstag mindestens 2 Bogen stark. — Aboimementspreis bei allen Bostanstalten nnd Buchhandlungen 2-,/L 50^Z für das Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die Helwing'sche Verlagsbuchhandlang zu Hannover. — Die Expedition versendet auch direct nnd franko unter Streifband den Jahrgang für 12 «/lL oder 7 Gulden osterr. Währ, nach Deutschland und Oesterreich-, für 14 c/6 ober 18 Fr. nach den Ländern des Weltpostvereins. — Anzeigen werden mit 25^ f. d. :!gespaltene Petitzeile oder deren Raum berechnet. — Expedition: Hannover, Artilleriestr. 29 Inhalts-Verznichnih van Nr. 34. Aberglaube. — Ein aphoristischer Beitrag zur Erklärung des Antisemitismus. — Bemerkungen zu den Verhandlungen und Beschlüssen der Nabbincrversammlung zu Berlin (Fortschung). — Bü^.rschan. — Kollektiv-Berichte aus Ungarn (Schluß). — Ncb Mansche (Fortsetzung!. — Der Kriegsgefaugeue. — Korrespondenzen und Nachrichten: Hannover (2), Berlin. Köln, Königsberg. Myölowilz, Von der Saar, Wien, Ans Ungarn, Amsterdam, Paris, Rumänien, Bukarest (2), Melbourne. — Inserate. Das Bewußtsein der menschlichen Schwäche und Hinfälligkeit entspringt so sehr der Erfahrung, welche au einen Jeden tagtäglich in nicht anzuzwciselnder, überzeugender Wirklichkeit herantritt, daß die Abhängigkeit deö Mcuschcnwesens von einer außerhalb seiner eigenen Machlsphärc stehenden Potenz nicht verneint werden kann und niemals geleugnet worden ist. An dieses Bewußtsein knüpft häufig dasjenige Gefühl an, welches man religiös nennt, insofern cs in der Furcht nnd Anerkennung dieses mächtigen Faktors besteht. Daß der Mensch nicht sein eigener Schöpfer ist. daß er über die .Dauer seines Lebens, die ungetrübte Er- Haltung seiner Kräfte, die Gestaltung der für den Erfolg seiner Bestrebungen bedeutungsvollen elementaren Er-; scheinnngcn nicht zu beschließen hat, führt ihn zu der : Huldigung der Gewalt, der er die Bestimmung über Leben und Tod, Gesundheit nnd Gedeihen zuschreibt, und in dieser Huldigung und in dem Bestreben, die Gunst dieser Gewalt zu erringen und zu erhalten, erschöpft sich, waS ihm Religion gilt. So entstanden die verschiedenen Religionen dcS HeidenthumS, und hier ist auch der Ursprung dcS noch heute verbreiteten Aberglaubcns und einer Anschauung, welche ängstliche Besorgniß über die Dauer des Glückes, die Gestaltung der Zukunft und den Tod, oder abergläubisches Ahnen,. Sinnen nnd Treiben mit wahrhafter Gottesfurcht und aufrichtiger Religiosität verwechselt. Die jüdische Lehre, das Gesetz Gottes, tritt in den schärfsten Gegensatz zu dieser Anschauung. Wie sie die sittliche Freiheit des Menschen nnd den freien Gehorsam desselben gegen den Witten Gottes proklamirt, ebenso erhebt sic auch den Sterblichen zu der Erkenntniß, daß es nicht des Menschen angelegentlichste Sorge zu sein habe, wie sich sein Geschick gestalte, daß er vielmehr dieses dem überlassen möge, der ihn ins Leben gerufen, und der einzigen Aufgabe seines hiemedigen Seins sich widmen sott: Gottes Gesetz zu erfüllen in jeden! Augenblicke, mit jeder Kraft, die ihm beschieden. .״ תמים תהיה עם ד׳ אלדץ־יGanz sei mit Gott, deinem Äotte," so lautet die große Mahnung (5. B. M. 18,13).

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