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Jeschurun · 1885-08-13 · Heft 33 (13.8.1885) · p. 521

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 33 (13.8.1885)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1885-08-13
Page
521 (sequence 1)
Language
German
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M 33. 521 Jeschirrnn. ג*יג. Kollektiv-Berichte ans Ungarn. XLYJI. ״Plutarch hat durch seine Darstellungen bei Weitem mehr Großes für die Menschheit geweckt, als er beschrieb", sagt Goethe, und ohne so unbescheiden zu sein, die .,Berichte", welche unsere schwache Feder hervorstammelt, den Leistungen Plutarch's eutgegenzustellen, glauben wir dennoch, durch unsere ״Darstellungen" die ungarisch-jüdischen Verhältnisse ״geweckt" zu haben, und wenn die tonangebenden und einflußreichen Faktoren den günstigen Zeitpunkt recht zu nützen verstehen werden und — wollen, dann mag der langersehnte Moment nicht mehr ferne sein, wo wir dem geneigten Leser die freudige Botschaft bringen können לעת ערב יהיה אדר־. Gleich dem Arzte, der nach vielem erfolglosen ״Verschreiben" den Patienten seiner Natur überläßt, haben auch wir unserer Feder einige Zeit Stillstand geboten. Während der Pause sind manche Geschehnisse eingetreten, die uns drängen, das Schweigen zu brechen. Herr Rabbiner Joachim Schreiber י") versandte ein zweites zehn Paragraphen umfassendes ״Sendschreiben". Diese Enunziaüon war noch um vieles drastischer als ihr Vorläufer. Mit solchen Mitteln künipft man vergebens, wir ließen die zügellos niedergeschriebenen und durch den Druck vervielfältigten Expektorationen in unseren Nimmersatten Vricskorb wandern und widmeten ihnen den kurzen aber wohlverdienten Nachruf ימחו מספר חיים ועם צדיקים אל יכתבו! Unser Kultus-Minister Herr von Tröfort bedachte wieder das von ihm so heiß und innig geliebte ungarische Israel, mit einem bedeutsamen Erlasse. Es sollen für die jüdischen Bewohner des Landes Matrikelbezirke kreirt werden, und damit wäre also der erste Schritt gethan, das so schwer errungene orthodoxe Organisationsstatut aus den Angeln zu heben. Dieser Erlaß ist von unabsehbarer Tragweite und unterwühlt gewaltig unsere Gemeinde-Autonomie, wenn auch Herr von Trefort antizipando sich dagegen verwahrt, als bedeute diese Verordnung einen Eingriff in die Autonomie der jüdischen Gemeinden. Den Impuls zu diesem Erlasse gaben die im Dezember 1883 zu gemeinsamer Vcrathnng zusammengetrctenen Distrikts - Präsidenten der Kongreßpartei. welche in einem dem Kultusministerium unterbreiteten Memorandum diese Art der Lösung der Matrikelfrage proponirtcn. — Wir haben seiner Zeit das erwähnte Memorandum in diesen geschätzten Blättern besprochen, die Strebeziele der Kongreßler klargelegt und' die orthodoxe Kommission eindringlich ermahnt, diesem die Interessen der Orthodoxie schädigenden Verlangen gegenüber sich nicht passiv zu verhalten, doch unscreWortc verhallten spurlos und nun werden die Früchte der unverantwortlichen Unachtsamkeit aufrichtig und gut gemeinter Ermahnungen gezeitigt. Die Kougrcßkanzlci hat die ganze Manipulation in Händen, und Herr Schweiger ברצותו מרהיב -ברצותו מקצר, kann tum nali Belieben de!? einen Bezirk erweitern, den anderen verkürzen. Die praktische Landeskauzlei wird eS verstchcu, die günstige Gelegenheit reichlich ansznbeutcn, die Kongreßpartei wird auf Kosten der Orthodoxie an Terrain gewinnen, man wird zweifelsohne orthodoxe Gemeinden Kongreßbezirlen ciuocvlcibcn und — die Fortsetzung folgt!!! Wir begreifen wahrhaftig nicht, wie mau solch empfindliche, tiefeinfchncideude Maßregeln mit stoischer Rcsignatkou über sich ergehen lassctt kann! Oder denkt mau etwa daran, hier zu Laude russische Zustände zu inaugurircn, bei welchen bekanntlich die Negicrung für die arntlicheu Agenden ihr beliebige Nabbinen designirt, und die Gemeinden zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse nach eigenem Gusto sich die רבנים bestellen?! Nicht wahr, freundlicher Leser, es mußte uns viel Ucbcrwindnng kosten, solchen Geschehnissen gegenüber Schweigen zu bewahren. Allein, wir haben es ordentlich satt, gegen Indolenz, Apathie und Judisfereutismus noch ferner vergeblich anzukämpfen. Doch ״unverhofft kommt oft"! Das taktlose Eingreifen des Herrn Rabbiners Schreiber raubte uns auch den letzten Nest der Hoffnung aus Klärrnlg und Bessergcstaltuug der Situation. Der Inhalt seines zweiten ״Sendschreibens" entzieht sich jeder Kritik, und cs berührte uns peinlich, zu ersehen, daß der einer besseren Sache würdige Feuereifer weniger der guten Sache, als der Absicht gilt, auf den gegenwärtigen Präses, Herrn Reich,-eine moralische Pression auszuüben, seinen Posten zu verlassen. — Unsere Leser wissen cs, daß wir schon zur Zeit, als noch alles schwieg, die Schwächen und Fehler des Herrn Reich rücksichtslos bloslcgten und ihn für so Vieles, was ״faul ist im Staate", verantwortlich machten; aber unsere Leser wissen es auch, daß wir bei Besprechung der Deutsch-Kreuzer Konferenz von der dort geplanten Suspcndirung des Herrn Reich entschieden abgerathen haben. Der Reorganisation der DurchsührnugSkommission reden wir seit Jahren das Wort, aber einen Präsidentcnwcchsct um jeden Preis wünschten wir nie. Wir halten wohl feilten Menschen für unersetzlich, allein es giebt im Gange der Geschicke Umstände, welche auf die Verhälluisse!nächtig einwirken, und die man nie außer Acht lassen darf; überdies ist cs auch nicht zu leugnen, daß man nicht so leicht einen Mann finden könnte, der mehr Nomine, Berständniß und Geschick für die Leitung der Kommissis?! mitbrächle, als Herr Reich thatsächlich besitzt. — Einen SYste m Wechsel haben wir wiederholt nachdrücklichst

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