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Jeschurun · 1885-08-13 · Heft 33 (13.8.1885) · p. 520

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 33 (13.8.1885)
Article
Reb Mausche
Date
1885-08-13
Page
520 (sequence 3)
Language
German
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520 eg begann wieder zn gährcn und zu toben in meinem Innern und aus der Nacht, die mich wieder umfing, klangen dämonische, höhnende Stimmen an mein Ohr. ,Pfui über dich, unreifer Knabe/ hörte ichs rufen, ,der sich wie ein altes Weib von weinerlichen Sentimcntalitätcn Hinreigen lagt! Hast Recht, kehre zurück zu deinen Ammenmärchen, solchen: verweichlichten Muttersöhulcin kann nur in der Atmosphäre unklarer Gefühlsduseleien wohl sein. Du bist nicht auS dem Material geschnitzt, wie die Männer, welche fähig sind, der unvcrhttUten Wahrheit ins hehre Antlitz zu schauen/ So umschwärmtc mich ein vielstimmiger Chor von Versucherrufcn. Die unausgesetzten Gemüthskümpfe, W o n i Von S. B. l Ein Traucrzcichcn wehet schwarz am Strande Von Albion, weit über Meer und Lande Wirst es die Schatten, winkt es still die Kunde: Geschlagen hat des großen Moses Stunde! Die Herzen stehen still, erschreckt verwirren Die Geister sich, getrübte Blicke irren Ungläubig fragend zu dem Himmelsbogen: ״Jst's möglich — ist er wirklich fortgezogcn? Jst'ö möglich, dag des Todes Fesseln lasten Auf dem Gewaltigen, der ohne Rasten Rechtlose Ketten löste, Kerkcrthüren Ausschlag, um Unschuldige zu entführen? Jst'S möglich, daß des Todes Siegel tragen Die hcil'gen Lippen, welche ohne Zagen Prophetcnhast, vor stolzen Thronesstusen, Den Geist deS Rechtes wagten anzurufen? Daß ach! — des Todes unerhellte Schatten Umschwcigcn den heroisch Nimmcrmattcn, Der schassend rief, cm göttlich hohes Wesen: Es werde Licht! wo nimmer Licht gewesen?" Die Lippe schweigt — des Herzens banges Pochen Erstickt die Worte, und unausgesprochen Zernaget mancher herbe Grabgedanke Die Seele, die gebeugte, traucrkrauke. —-- So laßt uns denn dem Schmerze Töne lciheisi Und eine Stunde Klageliedern weihen, Ja, rinne Thränenflnth, von: Schmerz entboten. Um ihn, um ihn, den großen, edlen Todten. Doch eine Stunde nur! dann stillt die Thräncn, . Und spannt zu edlem Schwung der Harfe Sehnen, Daß sie von elegienhastem Beben ׳ Zu vollen Nuhmakkorden sich erheben. welche in letzter Zeit mein tägliches Brod waren, hatten mich äußerst reizbar gemacht. Die höhnische Stimme, durch welche ich meine geistige Qualifikation ins Lächerliche gezogen sah, hatten meine empfindliche Seite getroffen und stachelten meinen ganzen Stolz und Ehrgeiz aus. Energisch trocknete ich meine Thränen und kämpfte meine Bewegung nieder. Ich wollte zeigen, daß ich auch stark sein könne. ,Gut/ murmelte ich, ,kommt heran, ihr Dämonen, wir wollen mit einander ein Sträußchen pflücken. ES soll euch nicht gelingen, meine Seelenruhe, meinen Glauben, dessen erster, beseligender Strahl mich wieder berührt hat. leichten Spiels nur wieder zu entreißen. fröre. ose n Hain. Denn Lästerung war' eö, sich dem thränennassen Verzweiflungsvollen Gram zu überlassen, Als wär's um einen, der vo:n Sterbensfluche Entrissen würde ganz den: Lebensbuche. Die Sonne, die in später Abendstunde, Still scheidet aus der Sterne lichter Runde, Und mit dem lichten Blick die Welt noch streifet, Von Blumen, Früchten voll, die sie gereifet, Stirbt nicht! — in himmelSreincm Strahlenmeere, Glanzt sie voran der andern Hemisphäre, Und wirkt zurück den Segen ans der Ferne Im diamantenen Reflex der Sterne., Schaut auf die Schätze mit verklärten' Blicken, Die dieser Sonne langen Lichtpfad schmücken- Am Felde ein unübersehbar Blühen, Am Firmament ein blendend Sternenglühen. So lange Mcnschenhcrzen leiden, streben, Wird dieser Blüthcn Duft erfreu«, erheben; So lange Blicke sich nach oben wenden, Wird dieser Sterncnkranz Begeiferung spenden. Vergessen wir cs nicht an dieser Bahre, Was cs bedeuten wolle, hundert Jahre In Glan; und Kraft, in früchtcreichem Streben Fürs Edelste und Schönste zu verleben! DaS heißt, die Wonnen, die für Engel sprießen, Mit menschlichen Empfludungen genießen; Das ist das Schönste, Herrlichste des Schönen, Mit dem die Geister Menschenwürde krönen! Drum eine Stunde nur! — dann stillt die Thränen, Und spannt zu edlem Schwung der Harfe Sehnen, Daß sie von elegienhastem Beben Zu vollen Nuhmakkorden sich erheben!

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